Gentechnik Angst vorm Doppelgänger
Klone und künstliches Leben kennen wir längst – aus Literatur und Film. Aber auf eine reale Existenz wären wir niemals vorbereitet
Im Jahr 1996 erschreckte eine Meldung die Welt: Am 5. Juli wurde ein walisisches Bergschaf in der Nähe von Edinburgh geboren. Ort der Geburt: das Roslin Institute, ein Forschungszentrum, das im Wesentlichen vom Biotechnology and Biological Sciences Research Council, aber auch vom britischen Umweltministerium und von der Europäischen Kommission finanziert wird. Für die Geburt des Tiers mussten 277 Eizellen eingesetzt werden, 29 Embryonen und als Leihmutter ein Scottish-Blackface-Schaf. Das Schaf wurde bekanntlich auf den Namen Dolly getauft, in ungalanter Anspielung auf die Oberweite der Countrysängerin Dolly Parton, die mit den – für die Erzeugung des Klonschafs verwendeten – Euterzellen assoziiert wurde. Am 14. Februar 2003 starb Dolly; sie musste wegen einer schweren Lungenkrankheit eingeschläfert werden, nach einem vergleichsweise kurzen Leben, das doch zahlreiche Stellungnahmen, Debatten und Konflikte provoziert hatte. »Ein Superstar verlässt die Bühne«, hieß es in einem Nachruf; die explizit vorgetragene Befürchtung, das Leben geklonter Organismen würde nicht lange währen, erinnerte an die berühmten Schlusspassagen des Films Blade Runner (1982): »All those moments will be lost in time like tears in rain.«
Seit Jahren hören wir immer dieselbe Schreckensnachricht
Selbstverständlich ging es in allen Dolly-Debatten nicht um geklonte Schafe, sondern um die Möglichkeit der künstlichen Reproduktion von Menschen. Schon im Jahr 2000 hatten die beiden »Väter« Dollys, der Embryologe Ian Wilmut und der Zellbiologe Keith Campbell, in ihren Gesprächen mit Colin Tudge, publiziert unter dem Titel The Second Creation (auf Deutsch hieß das Buch schlicht Dolly), Klartext gesprochen: Von Anfang an sei jedem klar gewesen, »dass sich im Prinzip auch Menschen klonen lassen, wenn es bei Schafen gelingt. Dabei halten wir beide das Klonen von Menschen für eine ziemlich unerfreuliche Zukunftsaussicht, medizinisch überflüssig und prinzipiell abstoßend. Doch auch wenn wir bestimmte Aspekte der Methode haben patentieren lassen, so gibt uns das nicht das Recht, dem Rest der Menschheit vorzuschreiben, was sie mit der Methode anzufangen hat. Das Klonen von Menschen gehört von nun an zu den Möglichkeiten, die die Zukunft für uns bereithält, und wir haben mehr als irgendjemand anderes zu dieser Situation beigetragen.« Das doppelbödige Pathos dieser Sätze verdient keinen Kommentar, genauso wenig wie der am 8. Februar 2005 von der Human Fertilisation and Embryology Authority genehmigte Forschungsantrag Wilmuts, künftig auch menschliche Embryonen – zu Zwecken medizinischer Forschung – klonen zu dürfen.
Seit einigen Jahren wird immer wieder die Freudenbotschaft oder Schreckensnachricht verbreitet, der erste geklonte Mensch sei zur Welt gekommen. So behauptete das von der Rael-Sekte gegründete Unternehmen Clonaid, das erste geklonte Mädchen – Eve – sei in den Weihnachtstagen des Jahres 2002, am 26. Dezember, geboren worden; damals blieben die Wissenschaftler skeptisch. Glauben schenkten sie jedoch vorübergehend dem südkoreanischen Stammzellforscher Hwang Woo Suk, der im Februar 2004 verkündete, es sei ihm gelungen, einen menschlichen Embryo zu klonen; schon wenige Monate später wurden seine Forschungsdaten als Fälschungen entlarvt. Der Betrugsskandal erschütterte die Öffentlichkeit, während Campbell mit Wilmut einen Streit um die Urheberrechte an Dolly – eine Art von »Vaterschaftsprozess« – zu führen begann (und offenbar gewann).
Es wäre also nur folgerichtig und plausibel, wenn diese Skandale und Streitigkeiten alle ethischen Fragen nach der Wünschbarkeit menschlicher Klone in die misstrauische Frage nach deren Machbarkeit konvertiert hätten; das Echo auf die jüngste Nachricht (vom 17. Januar 2008), Andrew French habe mit seinem Team in der kalifornischen Firma Stemagen einen menschlichen Embryo geklont, blieb erstaunlich leise. Und sogar der ein paar Tage danach veröffentlichte Bericht aus dem Institut J. Craig Venters, man habe erstmals das vollständige Genom eines Bakteriums – ausgerechnet die 580076 Basenpaare des Mycoplasma genitalium – künstlich hergestellt, provozierte keine nachhaltige Aufregung des Medienpublikums.
Dabei sind erst vor kaum zwei Jahren verschiedene Romane und Filme auf den Markt gekommen, die sich mit dem Thema des künstlichen Lebens und der menschlichen Klone befassen: 2005 erschienen etwa Michel Houellebecqs Roman Die Möglichkeit einer Insel und Kazuo Ishiguros Never Let Me Go (Alles, was wir geben mussten); und im selben Jahr kam auch Michael Bays The Island (mit Ewan McGregor und Scarlett Johansson) ins Kino, ein Jahr nach dem deutschen Film Blueprint (mit Franka Potente). Wie aber werden die heiklen Fragen in diesen Texten und bewegten Bildern verhandelt?
In Houellebecqs Roman wird die zunehmende Unmöglichkeit der Konstruktion von Diachronie – sei es durch Erinnerung oder Schrift – demonstriert; immer dünner und aussageärmer fallen die Aufzeichnungen der Klone aus, je weiter sie von Daniel1, dem »Original«, bis zu Daniel24 oder Daniel25 fortschreiten. Der Bildungs- und Entwicklungsroman widerlegt sich selbst; und bevor Daniel1 sich das Leben nimmt, um in den Kopien seiner Nachfolger irgendwie weiterzuleben, schreibt er auf, was seine Klone nach einigen Jahrhunderten schon nicht mehr verstehen werden: »Es gibt keine reale, keine sinnlich erfassbare, keine menschliche Welt mehr, ich habe die Zeit hinter mir gelassen, habe weder Vergangenheit noch Zukunft mehr, habe keine Trauer, keine Pläne, keine Sehnsucht, keine Selbstaufgabe und keine Hoffnung mehr; da ist nur noch Angst.«
In Blueprint bilden die Generationen keine zunehmend sprachlose Ich-Serie (wie im Roman Houellebecqs), sondern stürzen in eine deprimierende Synchronizität. Eine berühmte Pianistin, die an einer unheilbaren Krankheit leidet, lässt sich klonen, damit ihr Talent auch den Tod überdauert. Die Tochter und Zwillingsschwester ihrer Mutter wählt aber – noch vor dem wenig glaubwürdigen Happy End – ein einsames Leben in Kanada, um den quälenden Konflikten, den Zwängen der Spiegelungen und Verdoppelungen zu entkommen. Der Klon erscheint als Medium eines fragwürdigen Triumphs über den Tod. Wie dieser Triumph technisch, organisatorisch und ökonomisch perfektioniert werden kann, zeigt Michael Bays Film über die »Insel«, Urlaubsparadies und Gefängnis zugleich, auf der zahllose Klone verwahrt und getäuscht werden; sie fungieren als lebende Konserven von Ersatzorganen für jene Eliten, die sich die eigene Verdoppelung – als besonders effiziente Lebensversicherung – leisten können. Als würde das Thema selbst einen Plagiatsverdacht von vornherein nahelegen, so wurde auch The Island nicht nur wegen seiner massiven Produktplatzierungsstrategien kritisiert, sondern auch in einen Urheberrechtsstreit verstrickt. Robert S. Fiveson und Myrl A. Schreibman behaupteten im Sommer 2005, die Handlung sei ihrem eigenen Film The Clonus Horror (von 1979) entnommen worden.
Im Gegensatz zum Actionfilm entfaltet Kazuo Ishiguros Roman Never Let Me Go eine vordergründig schlichte Internatsgeschichte. Lediglich die verwendeten Begriffe, die Rede von »Betreuerinnen« und »Spendern«, signalisieren bereits auf der ersten Seite, was aus einer konsequent aufrechterhaltenen Erzählperspektive niemals sichtbar wird: dass die Zöglinge des Internats als gezüchtete Klone und prospektive Organspender aufwachsen. Irgendwann werden sie, viel zu früh, »abschließen«; auch die Worte »sterben« und »Tod« werden verschwiegen. Erschütternd und bedrückend wirkt – gerade im Kontrast zur Schilderung von Freundschaften, Konflikten oder ersten Liebesgeschichten – die Vermeidung jeder Frage nach dem Plan, dem das Leben der Klone unterworfen wird, der Verzicht auf Zweifel und Rebellion. Während in Michael Bays Film die Handlung auf einen Showdown zwischen »Original« und »Kopie« zusteuert, bleiben die Klone Ishiguros prinzipiell allein: »Selbst mit der Einsamkeit habe ich mich im Lauf der Zeit angefreundet. Das soll nicht heißen, dass ich mich nicht auf ein bisschen mehr Gesellschaft freue, wenn ich am Jahresende mit allem fertig bin. Aber mir gefällt es auch, wenn ich mich in der Gewissheit in mein kleines Auto setzen kann, dass ich während der nächsten paar Stunden nur die Straßen, den weiten grauen Himmel und meine Träumereien als Begleitung habe.«
Natürlich könnte das Spektrum der Beispiele leicht erweitert werden. Doch bereits die kurzen Skizzen machen deutlich, dass die kulturelle Imagination möglicher Züchtung von Klonen gar keine Beziehungen unterhält zu den Nachrichten über die technischen Erfolge der Firma Stemagen. Das Fantasma der Erzeugung künstlichen Lebens – der gern zitierte »Frankenstein-Komplex« – kann kaum entstehen, wenn die Erreger einer Harnröhrenentzündung synthetisch erzeugt werden können und künftig nicht mehr nur als Mycoplasma genitalium, sondern auch als Mycoplasma laboratorium reüssieren werden. Der Abstand zwischen Techniken und Ängsten, zwischen dem Transfer von Zellkernen und den Hoffnungen auf Unsterblichkeit oder Heilung ist schwer überbrückbar.
Wie soll ein Leser der eben erwähnten Filme und Romane, ein obendrein erfahrener und also skeptischer Arbeiter im Frankensteinbruch der Moderne, die Nachricht aufnehmen, man habe 21 von 29 Eizellen junger und gesunder Frauen (wie stets betont wird) entkernt, um ihnen das Erbmaterial aus den Hautzellen ebenso junger und gesunder Männer einzupflanzen? Vierzehn geklonte Embryonen sollen nach einigen Stunden so ausgesehen haben, als seien sie befruchtet worden; aber bloß fünf entwickelten sich in den nächsten Tagen zu kugelförmigen Keimbläschen, aus denen Stammzellen gewonnen werden könnten. Und nur ein einziger Embryo behauptete sich im Gentest als echter »Klon«, der methodisch exakt dokumentiert werden musste (weshalb er gar nicht weiterentwickelt werden konnte). Was bleibt also übrig? Ein paar konservierte Spuren? Ein eilig publizierter Forschungsbericht? Ein großes Vielleicht, das bei der Konkurrenz um finanzielle Förderungen helfen soll?
Der neue »Durchbruch« – auch wieder nur ein Glückstreffer?
Unter welchen Umständen erzeugen wissenschaftliche Forschungsresultate – Erfolgsnachrichten aus den Laboratorien der Physik, der Chemie, der Medizin und Biologie – eine relevante öffentliche Reaktion? Wahrscheinlich wurden seit der Geburt Dollys zahllose Versuche zur Klonung menschlicher Embryonen unternommen; das Verfahren des Transfers von Zellkernen wurde dabei wohl zigtausendfach angewendet. Niemand weiß, wieso nun gerade Andrew French und das Stemagen-Team erfolgreich waren und nicht Ian Wilmut oder Miodrag Stojkovich vom Prinz-Felipe-Forschungszentrum in Valencia, der seit einer Reihe von Jahren mit Techniken zur Klonung menschlicher Embryonen experimentiert. War der kalifornische »Durchbruch« bloß ein seltener Glückstreffer? Diese Frage kann vielleicht erst in einigen Monaten beantwortet werden, wenn die Ergebnisse angekündigter Folgeexperimente vorliegen. French will noch in diesem Jahr Stammzellen präsentieren, die mit Hilfe des Kerntransfers gewonnen wurden; ähnliche Versuche werden demnächst auch in Valencia unternommen. Denn was in Deutschland nach wie vor verboten bleibt, ist in Spanien seit Kurzem erlaubt: Am 24. Januar 2008 wurde gemeldet, dass die Wissenschaftler am Prinz-Felipe-Forschungszentrum eine Genehmigung für das sogenannte therapeutische Klonen erhalten haben.
Der Streit um die Biotechnik begann, bevor der Gencode entziffert war
Das Risiko der Täuschung wiegt schwer. Erscheinen die Fortschritte der Stammzellforschung und der synthetischen Biologie zu groß oder zu klein? Werden sie übertrieben oder unterschätzt? Die kulturellen Ideen vom künstlichen Leben, von Klonen und mythischen Doppelgängern, sind jedenfalls weit entfernt von jenem Wissen, das durch widersprüchliche Nachrichten aus den Labors, ethische Debatten oder Fälschungsvorwürfe erzeugt und zugleich relativiert wird. Und diese Entfernung vergrößert sich im selben Maße, in dem Technik, Wissenschaft und öffentliches Bewusstsein nicht mehr leicht synchronisiert werden können. Was in der Öffentlichkeit und in den Medien wahrgenommen wird, ist oft gar nicht zeitgemäß; manches diskursive Spektakel unterstreicht bloß eine Leerstelle.
Wir diskutieren heute – mehrere Jahrzehnte zu spät – über einen Klimawandel, der sich vermutlich nicht mehr aufhalten lässt; über die gesellschaftlichen und ethischen Konsequenzen der Biotechnik wurde dagegen am lautesten gestritten, bevor noch der genetische Code entziffert war. In den Jahren nach dem viel zitierten Doppelbeschluss der Nato (vom 12. Dezember 1979) wurde die Stationierung jeder einzelnen Rakete in Europa mit äußerster Besorgnis registriert. Heute werden die Raketenabwehrprojekte der USA in Osteuropa und die entsprechenden Aufrüstungsdrohungen aus Russland mit großer Gelassenheit kommentiert; nur die berühmte Doomsday Clock aus dem Bulletin of the Atomic Scientists steht seit 2007 wieder auf fünf Minuten vor zwölf.
Kurzlebig sind gewiss nicht die Atombomben, sondern das Bewusstsein von deren unvermindert andauernder Gefährlichkeit; kurzlebig ist nicht der Klimawandel, sondern oft genug die politische Ambition zur Durchsetzung notwendiger Maßnahmen. Kurzlebig sind nicht die Klone und Doppelgänger, ja vielleicht nicht einmal die kopierten Keimbläschen oder die Experimentalreihen zur Reduplikation genetischer Identitäten, sondern die öffentlichen Debatten über diese Techniken einer möglichen Verlängerung des Lebens. Kurzlebig ist offenkundig eine bestimmte Art kultureller Selbstaufmerksamkeit, ein Horizont kollektiver Reflexion und kritischer Vergewisserung über eigene Möglichkeiten und Grenzen; kurzlebig sind nicht die Entwürfe des »neuen Menschen«, die Züchtungsvorlagen »junger und gesunder«, vor allem jedoch langlebiger Frauen und Männer, sondern die fragilen Menschenbilder, die in Konkurrenz mit der beschleunigten Evolution immer aufwendigerer Perfektionierungstechniken tatsächlich verschwinden »wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand« (Michel Foucault) – oder wie eine Träne im Regen.
Thomas Macho ist Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er veröffentlichte u. a. »Tiere Menschen, Maschinen. Zur Kritik der Anthropologie« und »Science and Fiction. Über Gedankenexperimente in Wissenschaft, Philosophie und Literatur« (beide Fischer-Verlag). Zuletzt erschien von ihm »Die neue Sichtbarkeit des Todes« (mit Kristin Marek, Verl. Wilhelm Fink)
- Datum 03.02.2008 - 07:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 31.01.2008 Nr. 06
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KARMI meint
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Helau und Alaaf!
wie Staub im Rauch, Dampf im Duft oder Feuer in der Glut.Interessant wird diese Zukunft der Klone sicherlich für das "Ich". Wie erscheint man sich selbst, wenn man geklont wurde und sich der eigene Körper verdoppelt hat? Sicherlich ist klar, dass nur der Bauplan der beiden Körper der gleiche wäre. Das ist bei Zwillingen nicht anders. Dabei muss man beachten, dass die beiden Körper von der Außenwelt unterschiedlichen geprägt worden sind und somit zwei unabhängige "selbst" entstehen, die einfach nur etwas näher miteinander verwandt sind. Problematisch wird die Lage jedoch, wenn ein erwachsener Körper die Möglichkeit besitzt, sich einen künstlichen Zwilling zu erschaffen. Dieses neuen Leben wird zu Beginn in jedem Fall seinem Erschaffer seines Ebenbildes unterlegen sein. Der Schöpfer, der die eigene Hardware kopiert, wird die Möglichkeit haben, die Entwicklung der neuen Kopie zu regeln. Man kann sich verschiedene Szenarien ausdenken, wie dies aussehen könnte. Eine dunkle Sicht wäre, wenn man den Schöpfer als einen großen Ego zeichnet, der für seinen zerfallenden Körper ein Ersatzteillager erstellt, wie es im Film Insel geschah. Sicherlich etwas heller ist die Hoffnung, bestimmte Menschen mit besonderen Fähigkeiten sollte es öfters geben. Aber all zu schnell driftete man in die (Alp-) Träume der schönen neuen Welt ab. Oder man fühlt sich an Übermenschen erinnert, die alle hervorragende Eigenschaften von verschiedenen Menschen vereinen können und der biologischen Evolution damit endlich mal wieder einen ordentlichen Schubs verpassen.Allerdings ist das noch unsicher Zukunftsmusik. Heute können wir eine genetische Kopie unseres Köpers erstellen. In die Hardware der Kopie konstruierend einzugreifen ist noch weit. Deswegen muss man sich heutzutage erstmal nur die Frage stellen: Wie würden Sie ihr Zwillingsbaby erziehen?
Die Frage, wie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Klon aussieht, habe ich mir als Drilling vor zwei Jahren gestellt. Im Alter von 46 Jahren haben meine Schwestern und ich durch einen Gentest an der Uni Freiburg erfahren, dass wir eineiig sind. (Dieser Test belegt die identischen Gene zu 99,993 Prozent.)
Heute sehe ich mich also in einer neuen Beziehung zu meinen Schwestern, aber die unterschiedlichen Lebensformen und sozialen Bezüge haben uns zu sehr eigenen Persönlichkeiten reifen lassen.
Vielleicht war es gut, dass wir bis vor zwei Jahren nicht wussten, dass wir "genetische Klone" sind, denn die Ähnlichkeiten wären wohl noch stärker beachtet worden ,sowohl von uns, als auch von der Umwelt.
Meine Erfahrung ist aber nur ein Aspekt, wie ein genetisch identischer Mensch neben der eigenen Person wahrgenommen wird.
Ein künstlicher Klon wird meines Wissens auch in Zukunft nicht in der Praxis möglich sein, so dass die Frage wie man mit seinem Klon umgeht zu utopisch erscheint.
Rebekka Reuter
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