Warum schneiden Einwanderer aus Italien schlecht ab, wenn es um Bildung, Einkommen oder die Beteiligung am gesellschaftlichen Leben geht? Warum gelang vielen Spaniern, Griechen und selbst einem Teil der Türken ein Aufstieg, während die Italiener in ihrer Nische blieben? Schließlich kamen sie alle als ungelernte Gastarbeiter ins Land.

Einen Unterschied gab es zwischen den Billigarbeitern aus Italien und ihren Kollegen aus anderen Ländern: Als EU-Bürger konnten sie in die Heimat reisen und problemlos wieder nach Deutschland zurückkehren. »Pendelmigration« nennen Wissenschaftler dieses Phänomen. »Wenn es Probleme gibt, gehe ich zurück in mein Dorf«, umschreibt Duilio Zanibellato vom Förderwerk enaip die Haltung vieler seiner Landsleute. Wer immer einen Notausgang offen glaubt, bemüht sich weniger, die Sprache zu lernen oder Kindern den Weg zu einer höheren Qualifizierung zu ebnen. Dazu passt, dass relativ wenige italienische Migranten deutsche Staatsbürger wurden.

»Es ist schwer, die Italiener ins Boot zu holen«, sagt auch der Stuttgarter Integrationsbeauftragte Gari Pavkovic. Ob Gesundheitshilfen, Integrationskurse oder Sprachangebote für Mütter in Schulen: Kaum eine andere Gruppe lässt sich so wenig einbinden wie die Italiener.

Spanische Elternvereine organisierten hingegen schon in den siebziger Jahren Hausaufgabenhilfe, Deutschkurse oder Erziehungsschulungen. Heute zählt keine andere Gruppe mehr Gymnasiasten als die der spanischen Immigranten. Für den Münsteraner Sozialwissenschaftler Dietrich Thränhardt ist die vereinigende »Selbsthilfekraft« der Grund für die mustergültige Integration der Spanier. Die Italiener hingegen organisierten sich wie in der Heimat in konkurrierenden Gemeinschaften: in rechte und linke, in Nordclubs und Südclans. Die Sozialberater der Caritas konkurrierten mit denen der Missione Cattolica. Viele Gruppen wurden in Italien gegründet, blieben finanziell abhängig und waren in Deutschland kaum verwurzelt. Klientelpolitik statt Eigeninitiative, bringt Thränhardt das Organisationsprinzip der Italiener auf den Punkt. SPI