Midlife-Crisis Krisenforschung

Und das Leben ist doch gerecht

Erscheint Ihnen Ihr Leben fad und grau? Der Schwung ist raus, der Ischias zwickt, und um die Taille schwillt der Bauch? Die Signale sind unverkennbar: Sie haben die Mitte des Lebens erreicht.

Die beginnende zweite Lebenshälfte hinterlässt auch im Gemüt nachhaltig ihre Spuren. Die vielzitierte Midlife-Crisis trifft, glaubt man dem Volksmund, vor allem Männer . Männer aus reichen Industrienationen, die ihre Karriere gemacht, ihr Kind gezeugt, ihr Haus gebaut und ihren Baum gepflanzt haben und sich nun suchend nach neuem Sinn umsehen.

Aber das Leben ist manchmal doch gerechter als gedacht – auch und vor allem in seiner Mitte. Die Wissenschaft macht dem Männermythos Midlife-Crisis ein Ende: Ob Frau oder Mann, ob reich oder arm, ob alleinstehend oder zu zweit, die Krise kann alle treffen. Die Ökonomen David G. Blanchflower und Andrew Oswald haben eine halbe Million Menschen in 72 Staaten über ihr psychisches Wohlbefinden befragt. Ob in Albanien oder in der Schweiz, überall zeigte sich dasselbe u-förmige Muster der persönlichen Glückskurve: Mit 20 sind Menschen am zufriedensten, Mitte 40 (in Deutschland im Schnitt bei 42,9 Jahren) verdüstert sich die Stimmung, um dann wieder langsam in alte jugendliche Höhen zu steigen. Wer gesundheitlich keine gravierenden Probleme habe, könne sich also mit 70 wieder auf das Glücksniveau eines 20-Jährigen freuen.

Wie es zu dieser globalen altersabhängigen Verteilung des Wohlbefindens kommt, können die Autoren leider nur mutmaßen. Sie machen drei Vorschläge: 1. Der mittelalte Mensch erkennt, was er aus Altersgründen nicht mehr erreichen wird. 2. Ein biologisch-statistisches Phänomen lässt glücklichere Menschen länger leben als unglückliche. So sammeln sich im Alter die glücklichen Überlebenden. 3. Möglich sei auch, dass sich in der Lebensmitte eine klare und damit betrübliche Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit Bahn bricht. Ist diese Einsicht einmal überstanden, lebt es sich fortan unbeschwerter.

Wenn die Forschung schon nicht allen Trübsinn aufhellen kann, so hält sie doch noch einen Trost bereit. Anders als die aktuellen Daten suggerieren, müssen nicht alle Menschen in der Lebensmitte eine Talsohle durchschreiten. In älteren Untersuchungen zum Thema gaben nur rund 25 Prozent der über 35-Jährigen einen verstärkten Hang zur Grübelei und Ängsten an. Es geht also – ganz unabhängig vom Geschlecht – auch ohne Krise. Wer sie aber durchleben muss, hat guten Grund zu hoffen: auf das Glück der späten Jahre. Harro Albrecht

 
Leser-Kommentare
  1. Ich hätte da noch eine andere Hypothese.
    Es ist bekannt, daß sich bei jungen Frauen, die einen Schlafsaal
    teilen, die Periode synchronisiert. Nach einigen Monaten bekommen alle
    zur etwa gleichen Zeit ihre Regelblutung, weil sich die dafür
    verantwortlichen weiblichen Hormone "riechen" lassen.
    Und nun zur mid-life crisis des Mannes:
    könnte es nicht sein, daß er auf ähnlich Weise mitbekommt, wie seine
    Ehefrau in die Wechseljahre kommt, und dieser Sachverhalt - "alles wird
    schlechter" - eine  biologische Panik in ihm auslöst, sozusagen
    die Basis für andere Erscheinungen der midlife-crisis ?
    Was könnten denn dazu unsere Hormonforscher sagen?

    • Anonym
    • 10.02.2008 um 8:19 Uhr

    2) man wird erst mit 36 erwachsen, sagen zumindest psychologen.
    3) das leben ist verdammt langweilig, da sollte man jede krise herzlich umarmen und sich schon auf die nächste freuen.

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  • Quelle DIE ZEIT, 07.02.2008 Nr. 07
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