DIE ZEIT: Früher glaubten Kosmologen an ein ewiges Universum, dann erzählten sie uns die Geschichte vom Urknall und einem sich ausdehnenden Weltall, nun gibt es wieder einen Meinungsumschwung. Was kommt als Nächstes?

Alexander Vilenkin: Unserer neuen Theorie zufolge befindet sich das Universum in einem Zustand explosiver Ausdehnung, wir sprechen von Inflation. Der Urknall, den wir in unserem Teil des Universums hatten, war kein einmaliges Ereignis, sondern es gab viele Knalle. Jeder hat eine eigene Region hervorgebracht, einige so ähnlich wie unsere, viele sehen aber ganz anders aus.

ZEIT: Sind das andere Universen?

Vilenkin: Ja, aber wenn Leute von anderen Universen reden, meinen sie oft Parallelwelten, die von unserem Universum komplett abgekoppelt sind. Wir reden hier aber von sehr weit entfernten Regionen im selben Raum. Zwischen diesen Regionen setzt sich die Aufblähung für immer fort. Das ist die ewige Inflation.

Andrei Linde: Es ist nicht so, dass wir uns unbedingt eine extravagante Theorie einfallen lassen wollten. Aber als wir versuchten, einige Probleme der bisherigen Urknalltheorie zu lösen – und die hatte einige Probleme –, kamen wir auf diese Theorie der vielen Universen.

ZEIT: Was geschah vor unserem Urknall?

Vilenkin: Davor gab es diesen energiereichen Zustand der Inflation. Da, wo die Inflation endet, entsteht ein Feuerball aus Teilchen und Strahlung – ein Urknall. Diese Regionen sind wie isolierte Inseln. Zwischen den Inseln setzt sich die Ausdehnung fort und bringt neue Inseln hervor.