Filmfestival Ab ins Kino, ihr Besserwisser

Wie gut wird die 58. Berlinale?

Alle Jahre wieder tobt der Deutungswettstreit rund um das Berlinale-Programm. Tatsächlich scheinen die 58. Filmfestspiele von Berlin diesmal schon durchanalysiert, bevor sie begonnen haben. Das beginnt bereits beim Eröffnungsbeitrag, Martin Scorseses Dokumentarfilm Shine a Light über zwei Konzerte der Rolling Stones im New Yorker Beacon Theatre. Für die einen präsentiert sich der gemeinsame Auftritt von Scorsese und den Stones als glanzvoller Festival-Auftakt. Für die anderen ist er nur ein einsamer Böller, hinter dem das weitere Berlinale-Programm abstürzen wird wie eine defekte Silvesterrakete.

Ein Dauerthema sind natürlich auch die deutschen Wettbewerbsbeiträge: Wer hat den Sprung geschafft? Wer fehlt? Nachdem die Berlinale in den vergangenen Jahren zur Hochburg des deutschen Kinos wurde, zeigt sie in diesem Jahr nur zwei deutsche Filme im Wettbewerb: Doris Dörries Kirschblüten – Hanami und Luigi Falornis Feuerherz. Ist das zu wenig für unsere stolze heimische Filmbranche? Oder genau ein italienisch-deutsch-österreichisches Kindersoldatendrama zu viel? Und bedeuten wenige bekannte Autorennamen im diesjährigen Wettbewerb, dass die Berlinale auf Entdeckungen setzt? Oder sind die großen Namen bereits an den Filmfestspielen vorbei nach Cannes gewandert? Nicht zu vergessen die amerikanischen Filme. Über ihnen schwebt meist der Verdacht, sie seien nur eingeladen worden, um Fotografenfutter auf den roten Teppich zu bringen.

Tragen wir also unsere eigenen Rechercheergebnisse zusammen und halten fest: 1. Auf der Berlinale können nur die deutschen Filme laufen, die schon fertiggestellt sind. 2. There Will Be Blood von Paul Thomas Anderson ist der herausragende amerikanische Film der Saison und gehört unbedingt in den Wettbewerb. 3. Ein Dokumentarfilm über Abu Ghraib, der ebenfalls um den Goldenen Bären konkurriert, macht die Berlinale noch nicht zu einem politischen Festival. 4. Unbekannte Regisseure können genauso begeistern oder enttäuschen wie bekannte Regisseure. 5. Als großes Thema gelten in diesem Jahr die vielen Musikfilme. Aber Filth and Wisdom, das Regiedebüt von Madonna, ist schon mal grottenschlecht.

Für alles Weitere wird man, auch wenn es sich ein wenig naseweis anhört, in den kommenden zehn Tagen ins Kino gehen müssen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • UweBr
    • 07.02.2008 um 23:59 Uhr

    Na hauptsache Madonna hat in der ZEIT mal wieder ihr Fett wegbekommen....Erinnere mich noch an Artikel über ihre Alben bzw. Confessions-Konzerte, wo ganze Kunsttheorien und wohl schlimme deutsche Bildungskarrieren an ihr abgearbeitet wurden.Die nächste Runde also via Berlinale. 

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