"Das Weiße", die schwammige Schicht zwischen Schale und Fruchtfleisch bei Zitrusfrüchten, hat im Deutschen keinen Namen. Botanisch wird es als das Mesokarp bezeichnet, was nichts anderes heißt als "Mittelfrucht", also eben der Teil zwischen innen und außen.

Dieses "Zeug" entfernen wir meistens vor dem Essen. Das hat vor allem haptische Gründe, niemand kaut gern auf dieser Substanz herum. Aber ungesund ist das Mesokarp nicht – im Gegenteil: Es enthält genauso viel Vitamin C wie das Fruchtfleisch und dazu noch einiges Gute mehr. Da sind zum einen die sogenannten Bioflavonoide, jene Stoffe, die in ähnlicher Form auch in Rotwein und Schokolade enthalten sind und die in den letzten Jahren regelrecht in Mode gekommen sind, weil sie die bösartigen freien Radikale im Zaum halten sollen. Diese wiederum beschleunigen das Altern und werden sogar für Krebs verantwortlich gemacht. Vor allem aber besteht das Weiße aus unverdaulichen Ballaststoffen. Studien haben gezeigt, dass das Sättigungsgefühl länger anhält, wenn man die volle Frucht samt den Ballaststoffen (die auch im Fruchtfleisch stecken) isst und nicht nur den Saft trinkt. "Vollobst" hilft also, den Kalorienkonsum zu zügeln.

Aber soll man deshalb das Weiße mitessen? Schmeckt es nicht schrecklich bitter, wie man immer wieder hört? Ein Kollege von der Washington Post hat furchtlos den Test gemacht und Mesokarp gemümmelt. Sein Urteil: Nur bei Grapefruits war das Weiße bitter, das von Orangen war praktisch geschmacklos. Unangenehm fand er das Gefühl im Mund dennoch. Christoph Drösser

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