SteppenwolfDer Wilde von nebenan

Hannover nach dem Krieg: Zwei Jungs spielen Fußball. Der eine singt später "Born To Be Wild", der andere wird Journalist und schreibt über ihr Wiedersehen nach 50 Jahren. von Mathias Greffrath

in kurzer Drum-Schlag, drei Akkorde vom Keyboard und dann Licht. Ssuukkissukkkisssukkki – obszön schleppend und scharf konturiert der Rhythmus, schamlos schlüpfrig der Text: »Let it hang out, baby« – Sex, grob und pur, die Südstaatenradios haben so was damals nicht gespielt. Steppenwolf – das ist die Stimme von John Kay: schnörkellos, rau, dunkel, aggressiv und so rostig, wie ein weißer Kehlkopf es hergibt. Schwarze Stiefel, nackte Arme, schwarzes T-Shirt und das alte Adrenalinspiel mit dem Mikro-Ständer. Auf den Rängen des Baseballstadions sitzen alle Stämme des Hardrock-Publikums: Muttis mit Dauerwelle, Vatis mit Bauch und ihre Kinder. Oder sind es die Enkel? Und natürlich jede Menge Biker: karierte Hemden, graue Zöpfe über weiß-blauen Jeanswesten, nachgefärbte Barbies mit generösen Hüften, Lederhosen, silberbestickt: »Rebel Without A Cause«.

Kein Nebel, kein Glitzerkram. Die Hüftschwünge knapp, die virile Aggression leicht ironisch, die Riffs so kurz wie das Verführspiel an der Rampe. Ein Traditionsunternehmen im Hardrock-Segment, nicht totzukriegen und stark belebend. Dies ist das letzte Konzert der letzten Tournee und John Kay der einzige Steppenwolf, der durchgehalten hat seit 68. Die nackenlangen Haare über dem kantigen Gesicht sind noch dunkel und voll, nur die schwarze Brille fehlt. Der Mann ist 63, aber selbst aus drei Meter Abstand könnte er für Anfang 50 durchgehen. Und zwangsläufig hört die Show mit dem Song auf, der für Generationen nachwachsender Rockbands Pflichtübung war, zu dem brave Schüler in Provinznestern ihre Haare wachsen ließen, Clinton seinen Joint drehte, die Astronauten im Spaceshuttle kreisten und die GIs in den Dschungel zogen. Mit diesem wütenden Doppelpunkt aus sechs Tönen: Nun macht mal los, draußen ist das Abenteuer, kriegt den Arsch hoch. Unten recken sie die Fäuste und brüllen mit: »Born to Be Wild«. Die im Dunkeln die Finger zum Wolfsgebiss spreizen, sehen aus wie Männer, die hart arbeiten, nach den Regeln spielen und trotzdem nicht richtig gut durchkommen. Frauen, die tagsüber vielleicht Vorschulkinder betreuen, schwenken das Transparent »Thank you for all these years«. Dann geht das Licht aus, der Drummer wirft sein Hemd ins Publikum. Auf dem Rasen hinter der Bühne schlägt ein Junge Akkorde auf einer Spielgitarre und rennt, um sich ein Autogramm zu holen.

Es hat mal wieder mächtig gerockt. Auch in mir. Aber was mache ich hier, in Aberdeen, Maryland?

Es muss 2001 gewesen sein, als mich nachts ein Lied im Radio elektrisierte: Eine Mutter haut ab, nach 20 Jahren ohne ein Zimmer für sich selbst; ein Arbeiter wird gefeuert, mit zwei Wochengehältern Abfindung nach einem Leben für die Firma; ein junges Paar will Kinder – aber nicht so, aber nicht hier, ein bessres Leben finden wir überall: Let’s live another way, like heretics and privateers . Eine Ballade über den Exodus der Ketzer und Freibeuter – ein Lied von der Art, wie sie mich in den frühen Sechzigern anpolitisierte (so hieß das dann später), aber die Gitarrenschläge unerbittlicher, die Stimme fordernder als in anderen Songs. In diese Sozialpoesie war der Rock eingewandert. Dann sagte der Moderator, der Sänger sei John Kay von Steppenwolf, aber eigentlich heiße der Joachim Krauledat.

An der Stimme hätte ich den Jungen nicht erkannt, der mich, ein halbes Jahrhundert ist das her, auf dem Fensterbrett eines Treppenhauses in Hannover für ein paar kostbare Minuten seine Gibson J200 halten ließ. Die war weiß und sah aus wie die von Elvis – aber sie war aus Hartfaserplatte gebastelt und der Hals zu schwach, um Saiten zu halten. Damit stand der Junge stundenlang vor dem Spiegel seiner Mutter, rockte und sang Wörter, die er nicht verstand. Der Spiegel war groß, denn die Mutter war Änderungsschneiderin, und ihr Mann fuhr Zigaretten aus. Das war in der Kronenstraße 37 in Hannover, Mitte der fünfziger Jahre, in einem dieser hellhörigen Nachkriegsmiethäuser mit ihren 40-Quadratmeter-Familieneinheiten, in denen man immer leise sein musste.

Ich fand den Jungen aus dem dritten Stock etwas unheimlich, auf jeden Fall für mich unerreichbar. Mit zwölf schon rannte er im schwarzen Trenchcoat herum, trug Röhrenhosen, seine Schuhe waren braun mit weißem Deckblatt. Immer trug er diese dunkle Brille, immer nahm er ein paar Stufen auf einmal, vielleicht musste er zum Essen und war spät dran, oder er wollte nicht angesprochen werden. Er war nur gut anderthalb Jahre älter als ich, aber schon durch den Stimmbruch und groß wie 18. Ich sang Sopran im Schulchor der Leibnizschule: die Freimaurerhymne von Mozart. »Brüder, reicht die Hand zum Bunde.« Das trieb mir die Tränen in die Augen, verschmolz mit den Wochenschaubildern vom 17. Juni und ein paar Jahre später umstandslos mit der ersten Brecht-Lektüre. What If Mozart Wrote Born to Be Wild? – so heißt der Titel einer alten CD, einer Hommage verschiedener Künstler an Steppenwolf. Gute Frage. What if Adorno had liked jazz? War aber nicht so.

Der Junge mit der Hartfaser-Gibson hatte mit Mozart nichts im Sinn und auch nicht mit den Musikfilmen, in denen Caterina Valente und Peter Alexander sangen: »Komm ein bisschen mit nach Italien.« Über Serge Jaroff und den Original-Donkosakenchor hätten wir uns vielleicht einigen können; als er die in der Marktkirche hörte, musste er weinen, aber nicht im Traum hätte er damals daran gedacht, mir von so etwas zu erzählen. Er hieß Krauledat, seine Eltern hießen Kyczinski, das fand ich merkwürdig. Ebenso merkwürdig war, was von seiner Schule erzählt wurde: Dort gingen nur die minderbegabten Kinder reicher Eltern hin, und sie würden in weißen Kleidern sonderbare Gymnastik treiben. Reich war die Familie im dritten Stock nicht. Die Mutter war mit dem Sohn aus Tilsit geflohen, zunächst in die Sowjetische Besatzungszone, nach Thüringen, wo sie irgendwann merkte: Der Kleine schreit immer, wenn er in die Sonne blickt. Extreme Lichtempfindlichkeit, Kurzsichtigkeit, Farbenblindheit stellte der Arzt fest und sagte: »Er braucht gute Ernährung.« Im Klartext hieß das damals: Gehen Sie in den Westen, aber das war 1949 nicht mehr so einfach. Bei Nacht werden sie über die Grenze geführt. Der Junge ist fünf, trägt einen Rucksack, er hustet, und ein Mann sagt: »Halt den Kopf runter. Sonst schießen sie.« 20 Jahre danach wird er ein Lied schreiben mit dieser Zeile – aber über die Erinnerung an die Angst auf der Flucht hat sich da schon die Wut über die konformistisch gebeugten Köpfe im Land der Freien geschoben.

Als er mir jetzt die Tür öffnete, trat er einen Schritt zurück, den Kopf, wie damals, ein wenig schräg nach unten geneigt – aus Höflichkeit, weil er größer ist, aber auch mit der Reserve, die einem 40 Jahre Showbusiness nahelegen. Wenn man die Distanz nicht schon immer in sich trägt. Der Bungalow steht auf einem Hügel in der besten Lage West Vancouvers, von der Terrasse blickt man über die weitläufige, graue Bucht. Womit fängt man an, wenn man sich vor 50 Jahren einmal kannte? Mit dem Nächstliegenden. Mit den kleinen Elefanten auf dem Computerschirm, die sich wonnig im Schlamm wälzen. Offiziell ist John Kay blind, Motorrad ist er nie gefahren, aber seit Langem filmt er Tiere in der Wildnis. Durchs Teleobjektiv kann er sie sehen, seine Frau sagt ihm die Farben.

Vor ein paar Jahren haben die beiden eine Stiftung gegründet, unterstützen neben amnesty, dem WWF, einer Schule in Kambodscha auch ein Waisenhaus für Elefantenbabys in Kenia, denen Wilderer die Mütter weggeschossen haben. »Man müsste die Kerle umbringen«, knurrt John Kay und erklärt mir die Feinheiten, die Zusammensetzung der künstlichen Milch und warum die Babys immer eine Decke auf dem Rücken haben: »Ihre Haut ist sehr sonnenempfindlich, deshalb brauchen sie so lange den Bauch ihrer Mütter.« Überhaupt Elefanten: In Tennessee hat ihre Tochter ein Freiluftasyl betreut, in dem Zoo- und Zirkuselefanten alt werden. Der Zirkus. »In Hannover saß ich immer in der letzten Reihe, und ich habe nichts gesehen.« Er lacht. »Immer nur diese verdammten Elefanten.«

Ich bin kein Musikjournalist, und von Steppenwolf habe ich außer Magic Carpet Ride eigentlich nur The Pusher und Born to Be Wild in Erinnerung, die beiden Lieder aus Easy Rider, diesem psychedelisch verschrobenen Film, in dem Middle America mit Schrot zurückschießt, wenn jemand lange Haare trägt oder zu offensiv sexy ist. Worüber redet man also, wenn man ein paar Sommer lang miteinander Fußball gespielt hat, vor 50 Jahren? Über den Exalkoholiker im Weißen Haus, dem alles im Leben schiefgegangen ist; über die Klimakatastrophe in British Columbia. Und irgendwann dann doch über die Bombenlücke neben dem Haus, wo wir zuerst die Backsteine wegräumen mussten, um zu spielen; die Trümmerhalden, in denen wir Höhlen bauten; die Brandmauern, auf die wir mit geklauter Schulkreide die Tore malten. An einer hing hoch im dritten Stock noch eine Badewanne mit einem Tapetenrest, und vom Eckhaus war nur der Zeitungsladen übrig, in dem wir für zwei Pfennig Streifencomics ausliehen.

Joachim sah schlecht. So schlecht, dass er nicht merkte, wie ihm das Arschloch Rudi beim Elfmeter einen halben Backstein hinter den Ball legte. Fünf Tage später rächte er sich mit einem Fausthieb, seitdem hatten die anderen Respekt. Und hörten mit einer Mischung aus Faszination und Ungläubigkeit den Geschichten zu, die er auf dem Bolzplatz erzählte: Sein Vater sei Papst, sein Onkel Feuerwehrhauptmann. »Irgendwann muss man beschließen, ob man nicht richtig ist für die Umgebung oder ob die Umgebung nicht für einen gemacht ist. Bei mir kam das ziemlich früh.«

Den Weg in Eigensinn oder Größe geht man nicht freiwillig – das Leben ist grausam dialektisch. Die Volksschulklassen in der kaputten Stadt hatten 40 Schüler, und es gab Schichtunterricht. Weil er nie lesen konnte, was an der Tafel stand, galt er als zurückgeblieben, wurde gehänselt, schwänzte. In einer seiner Balladen erkenne ich den brutalen Schläger, der auch mich auf dem Schulweg in den Schwitzkasten steckte und mir die Groschen abnahm, die wir beim Schrottsammeln verdienten. Der Weg führte an einem stehen gebliebenen Bunker vorbei, und nicht nur dort wohnten Männer, die auf Krücken herumliefen oder unter hochgesteckten Hemdsärmeln einen Armstumpf verbargen. Immerhin, die waren zurückgekommen.

Es gibt diese ersten Momente im Leben, an die man sich stark erinnert; in unserer Generation spielt immer der Krieg hinein. Bei mir ist es der Tag, an dem mein Großvater aus dem Kriegsgefangenenlager in England zurückkam. Bei Jochen der Moment in Thüringen, als die anderen Kinder ihn nicht mitspielen ließen. Irgendwas hatten sie gerufen, so etwas wie: »Du hast ja keinen Vater.« Heulend ist er zu seiner Mutter gerannt, und die hat es ihm dann gesagt. I remember I was barely four/When Mama told me Daddy’s gone… died in the war,/He won’t be home again. » Ich weiß noch genau: Ich habe tagelang geweint. Dieser Schmerz ist bis heute der Kern meiner Fähigkeit, mit anderen zu fühlen. Ich war untröstlich, sehr lange im Leben. Meine Mutter hat das gelindert, mit Geschichten, wahrscheinlich vom Himmel, mit Fotos – und mit diesem Ring hier.« Er hebt die Hand, den Ehering des gefallenen Vaters trägt er bis heute. »Die Familie: Das blieben in gewisser Weise immer meine Mutter und ich. Dann kam dieser neue Mann. Ich hatte nichts gegen ihn, aber eine Autorität oder ein Vorbild wurde er nie. ›Du bist nicht mein Vater‹ – das habe ich oft zu ihm gesagt, und gesucht habe ich anderswo, immer.«

Das ging vielen in unserer Generation, jedenfalls denen, die ich kenne, nicht anders. Ob wir nun Väter, Stiefväter oder gar keinen Mann in der Familie hatten: Gesucht haben wir woanders. »Du bist nicht mein Vaterland« – auch dieses Uneins-Sein mit Deutschland ist nie verschwunden. Für Kay und seine Frau, auch sie eine Kriegshalbwaise, die mit 18 aus Hamburg nach Toronto geflohen ist, blieb Deutschland lange noch das »So-was-tut-man-nicht-Land«, das Land mit den Höchstleistungen im Guten wie im Schlimmsten, und mit den alten Nazis. Nach dem Fall der Mauer haben auch sie sich gefragt: Na, ob das gut geht?

Wer vor 50 Jahren weggegangen ist, was hat der überhaupt noch von Deutschland in sich? »Hab ich mich auch oft gefragt. Krauledeitis ist Litauisch, meine Mutter hat zur Hälfte Hugenotten als Vorfahren. Gut, die Erziehung ist deutsch – aber das war eben die Waldorfschule.« Elsbeth Kyczinski war eine elegante Erscheinung und eine praktische Frau. Von wohlhabenden Kunden hatte sie von der Schule gehört und Joachim auf ein paar trickreichen Umwegen dort untergebracht. »Von den Lehrern habe ich Toleranz erfahren. Alle Mythologien, all die verschiedenen Kulturen und Wertesysteme der Welt nebeneinander. Die Jungen lernten stricken, es gab einen Garten, diese Tai-Chi-artige Gymnastik und Englisch von Anfang an. Ich glaube, dort habe ich das gelernt: alles ansehen und dann auswählen, was ich davon gebrauchen will.«

John Kay hat früh gewählt, Amerikaner zu werden, und das nicht nur im Pass. Und dennoch: »Turned on the news in November 89/Something wet ran down my cheek.« Aber das Lied, das er später auf einer Deutschlandtournee singt – The Wall –, ist kein patriotisches Lied, es handelt von geplatzten Träumen – und von Freiheit, ganz physisch. Als ihm 1994 in Arnstadt in Thüringen, wo Steppenwolf ein Benefizkonzert für das Waisenhaus geben, der Bürgermeister die Kirche zeigt und sagt: »Da hat mal drei Monate lang noch ein Musiker gespielt, der es in der Welt zu etwas gebracht hat – Bach«, da muss er lachen. Aber die drei ABM-Arbeiter, die im Park die Hecken schneiden, rühren ihn tief: »Das waren die drei Männer, die in Arnstadt die Lichtermärsche begonnen haben.«

Wieso bin ich eigentlich hier? Weil kaum jemand weiß, dass der bekannteste Rocksänger, den Deutschland je hervorgebracht hat, der Sänger von Born to Be Wild ist? Nur gut, dass die Kreativen von »Du bist Deutschland« das nicht wussten. Dass er der einzige Popstar ist, mit dem ich mal Berührung hatte, ist auch nicht spaltenfüllend. Und eine Homestory über die Knastkunst auf dem Klo oder die Sitzecke, hinter der die Spiegelwand so raffiniert geneigt ist, dass man von jedem Platz auf der Couch die Bucht sehen kann? Auch nicht mein Genre. Wieso also? Was will ich wissen?

Ich muss elf gewesen sein, als wir auf dem Treppenabsatz saßen und diskutierten, welches die beste Aufnahme von Tutti Frutti sei. Mir gefiel die limonadige, hohle, weiße Version von Pat Boone, Elvis war mir zu kehlig. Joachim pries mit Leuchten in den Augen Little Richards entgrenzte, schwarze Variante, mit diesen Wahnsinnstriolen vom Klavier und diesen Urschreien. Ich sagte: »Die ist mir zu wild.« Ich war schon früh ein braves Kind. Und weil man es mit braven Kindern machen kann, hat er mir damals zur Strafe meine 45er mit Guy Mitchells Singing the Blues abgeschwätzt. Dafür drehte er mir, mit leuchtenden Verkäuferaugen, eine 78er-Schelllackplatte an – softe Loungeklänge. Kurz darauf verschwand Joachim Krauledat aus meinem Leben. Und nur langsam, über Johnny Ray und Bill Haley, schob sich der Rock’n’Roll zwischen Conny Froboess und Peter Kraus. Aber die Little-Richard-Dimension des Lebens blieb mir sehr lange verschlossen: zu prollig, zu exzessiv. Zu gefährlich.

Die Großglocknerbahn und die Raupe – das waren die ersten Diskotheken in Deutschland, die virilen Kassierer auf dem Rummel die ersten Discjockeys. Mit den Groschen nahmen sie aus der anfahrenden Bahn auch Musikwünsche entgegen und lieferten beides mit einem eleganten Sprung an der Kasse ab: 20-mal am Abend Elvis oder Guy Mitchell, oder eben Little Richard. Zwischen den Wagen wurde getanzt. »Ich trieb mich da ganze Nachmittage rum«, erinnert sich John Kay, »mit den Lehrlingen, die schon ein Moped hatten und eine Entenarsch-Frisur. Und diese Musik wurde zu meiner Religion.«

Der amerikanische Soldaten-Radiosender AFN, die ersten Elvis-Filme, Bluejeans, die amerikanischen Wochenschauen in der Endlosschleife im Wartesaal-Kino im Bahnhof, das ganze kulturelle Carepaket, aus dem wir Heranwachsenden im Kalten Krieg genährt wurden – bei ihm ging das weiter: »Damals im Amerikahaus habe ich zum ersten Mal die Verfassung gelesen und die Bill of Rights und die Geschichte der USA.« Er war 13, und von Westen strahlte ein Land ohne Bravheit und Trümmer und Häkeldecken, mit großen Häusern und Autos für alle. Und mit einer, verglichen mit unserer, ehrwürdig alten Demokratie. Etwas dieser Art war auch für mich ein paar Jahre lang die Perspektive, erst recht in der Kennedy-Zeit. Und so groß die Bewunderung, so bittertief wurde die Enttäuschung in den Jahren von Little Rock und Vietnam, ob nun in Hannover oder Toronto. Dorthin war Joachim mit seinen Eltern 1958 ausgewandert.

»Warum also Little Richard?«, frage ich noch einmal, und für einen aberwitzigen Augenblick kommt es mir vor, als sei das die einzige wirkliche Frage, die ich mit ihm zu erörtern habe. 50 Jahre nach dem Disput auf dem Treppenabsatz bekomme ich eine Vorlesung, die dauert, bis Alice, die alte Hündin, unruhig wird und in die Küche drängt. »Es war wirklich so etwas wie eine religiöse Erfahrung«, sagt John Kay. »Als ich in Kanada zum ersten Mal Gospel hörte, traf mich das im Kern meines Wesens. Das war wie bei den Donkosaken in der Marktkirche – da klingt in dir das Leid, das sich in Hunderten von Jahren angesammelt hat. Das ist die eine Seite. Und die andere ist eben Little Richard: die reine Lebenslust, die helle Aggression, auch der Sex. Dieser Urschrei gab mir das Gefühl, am Leben zu sein. ›Mein Junge, du schaust ja ganz verklärt‹, sagte mein Stiefvater. Es war wirklich wie eine Droge. Gospel ist der Urgrund von Trauer und Lust, und Little Richard kam aus einem Kirchenchor.«

In den USA, in Buffalo, wo seine Eltern bessere Jobs fanden, hat Joachim Krauledat sich aus der Stadtbibliothek Platten mit der Volksmusik Amerikas ausgeliehen: die Malocherballaden, den Migranten-Hillbilly, die Sklaven-Spirituals mit ihren biblisch chiffrierten Anklagen. »Da verstand ich den Ursprung des Rock: Das waren alles Lieder von Unterdrückung und der Erlösung davon.« Die Gitarren sind im Keller, und so markiert er nur kurz die Melodie von Go Down, Old Hannah, der Baumwollpflückerbitte an die Sonne, sie möge endlich untergehen, damit die Mühe ein Ende habe. Es war der erste Blues, den er richtig gesungen hat, und mit erhobenem Finger zitiert er den Schluss: Und wenn du aufgehst, lass es am Gerichtstag sein. »Aus Gospel wurde dann Blues, und – es ist schon irre – alles kommt aus dieser Gegend im Mississippi-Delta, Clarksdale. Die hat all diese Leute hervorgebracht, die dann nach Memphis oder Chicago gingen. Und am Ende dieser Linie stehen die Stones und Led Zeppelin.«

Und Steppenwolf – die Band, die John Kay l967 gründet, nach ein paar Jahren Gelegenheitsarbeit auf Jahrmärkten, in Bars, Musikhallen, Fabriken, in denen er trainiert, anfangs mit dem Tonbandgerät von der Sonderschule für Sehbehinderte. Er formt seine Stimme rauer, aggressiver, schwärzer, singt sich durch die Folkszenen in Buffalo, Greenwich Village und Los Angeles, spült in den Clubs das Geschirr und lauscht den anderen ab, was er noch nicht kann.

Steppenwolf – der Name klang fern und gefährlich, in Kalifornien kursierte Hesses Roman unter den Blumenkindern: diese urdeutsche Zerrissenheit zwischen dem Atavistisch-Animalischen und den hellen Höhen humanistischer Ideale, diese Sehnsucht nach Erneuerung der Welt. Von Anfang an wollte John Kay Steppenwolf zu einer thinking man’s band machen, die eingreift – mit Rhythmus und mit Worten. Insofern ist der motorgetriebene Banaltext von Born to Be Wild untypisch. Aber der Drive, das Tempo, der Schrei machten aus dem Lied einen Hit – in dem Jahr, in dem Martin Luther King und Robert Kennedy ermordet wurden, die Nationalgarde auf Vietnam-Demonstranten losging, linke Demokraten den Weg in den »Gestapo-Staat« fürchteten und die Black Panther militant wurden. Und dazu, überall auf der Welt, der diffuse Exodus junger Menschen aus der Welt ihrer Eltern. »Ich kam mit einer riesengroßen Liebe für Amerika hierher, und damit bekam ich ein riesengroßes Problem, als ich merkte: Das war nur meine Idee von Amerika.« Er gibt sie bis heute nicht auf. Immer noch singt er die böse Rockballade von 1969 über die Wege und Irrwege der amerikanischen Geschichte, an deren Ende ein »Monster« die Welt beherrscht. Damals verbrannten Studenten dazu ihre Wehrpässe – in Aberdeen haben es die Kinder des Prekariats von heute und ihre Eltern mitgesungen. Vor diesem Lied hält John Kay immer eine kleine Ansprache: »Demokratie ist kein Zuschauersport. Use it or lose it.« Geht wenigstens wählen!

Troubadour – er mag dieses Wort, sieht sich in der Tradition dieser wandernden Sänger, die den Menschen Geschichten erzählen, von fernen Orten, an denen andere Menschen genauso zusehen müssen, wie sie durchkommen, von den ewigen Bossen und dem ewigen Skandal, dass wir uns alles gefallen lassen. Kritik an konsumistischer Verblödung, Marcuse als hämmernder Rock. Und dann die andere Seite: »It’s never too late to start all over again« – in der Liebe nicht, im Job nicht und auch nicht in der Politik. Jetzt hört mal auf mit dem Jammern über die Gerechtigkeitslücke, kommt es von der Bühne, das wissen wir doch, aber seht auf mich: Mit mir könnt ihr’s nicht machen! Hier gibt’s keine Mittelschichts-Elegien über working-class heroes, hier gibt’s Blue-Collar-Lebenshilfe. Und deshalb sagen die Fans: »Es ist eine ehrliche Band.«

68 – natürlich spielte das mit bei der Idee zu diesem Besuch nach so langer Zeit: eine persönliche Tangente zu all den Mythenbeschwörungen, die derzeit über uns kommen. Was wir waren, was wir wurden, zwei alternde Männer im Gespräch. Irgend so etwas. Aber wir haben keine Lust darauf; nicht die Zeit macht uns alt, sondern die Erinnerung, sagt der Schriftsteller Richard Powers. Sicher, es gibt Parallelen, historische und biografische. Aber sie liegen weit auseinander. Der summer of love löste sich in Drogenrausch, Landkommunen und Kommerz auf, so schnell, wie die basisdemokratische Revolte von 67 sich in Deutschland, der immer verspäteten Nation, in kommunistische Kostümfeste, handfesten Reformismus und Kinderladenkultur spaltete. »Es war ja in Ordnung, zu sagen: Wir wollen das alles nicht mehr. Aber dann kam da der black guy, der seinen ersten Chevy hatte, und sagte: ›Hey, Kinder, Liebe und Frieden ist ja gut, ich bin aber stolz auf das Ding.‹ Die Blue-Collar-Menschen und die Mittelschichtskinder, die nichts wussten von Not und Krieg, das ging nicht zusammen.« In Amerika wie in Europa kam dafür – bis heute – etwas zusammen: der ewig nachwachsende Rohstoff der Sehnsucht nach dem anderen Leben und die neuen Märkte für Instant-Klamotten, Lifestyle-Utensilien und Musik, der fabrizierte Hedonismus.

Die Rocker von Steppenwolf sind Mitte 20, sie rauchen, trinken, nehmen Amphetamine. Groupies, Porsches, LSD, First-Class-Tickets – sechs Jahre geht das gut, dann löst sich die Band auf. John Kay erwacht: Das Geld ist weg, die Rücklagen sind aufgebraucht, dazu Steuerschulden – es begann das Leben ohne Hype und Hausangestellte. Und auch sonst musste einiges in Ordnung gebracht werden. For The Women In My Life heißt das persönlichste Lied auf der CD, die mich auf Joachim Krauledats Spur gebracht hatte – für Mutter, Tochter und seine Frau Jutta Maue. 1965 haben sie sich kennengelernt und seitdem nicht wieder getrennt. Jutta ist später Buddhistin geworden – und ohne sie wäre sein Leben anders verlaufen. In einer Autobiografie hat John Kay die düsteren Seiten seines Lebens ungeschönt ausgebreitet, die Drogen, die Vögeleien, auch den Jähzorn. »Meditieren und Sport«, sagt er jetzt, während er die arthritische Hündin Alice in der Küche füttert, »haben uns geholfen, von den Drogen wegzukommen und unseren Lebensstil runterzuschrauben, als es nicht gut stand um die Solokarriere, die Familie und überhaupt.« Eine große Wende? Er lächelt. »Ein alter Indianerhäuptling hat gesagt: Ich habe zwei Hunde in mir, einen garstigen und einen guten. Beide sind immer da. Und, wer ist der stärkere, fragten seine Schüler. Die Antwort war: Der, den ich am besten füttere.«

Grown to be mild? Mit Religion habe er eigentlich nichts am Hut, sagt er, während wir mit einer Mineralwasserflasche wieder zur Sofaecke gehen. Aber die Lehren von Jesus und Buddha seien sich doch sehr ähnlich. Und sein säkulares Resümee heißt: »We can do better than that.« Doch auch zu einem säkularen Glauben gehört ein Heiligtum. Sein Mekka ist das Jefferson Memorial in Washington. In einer heißen Augustnacht, nach einem Konzert, hat er mit seiner Frau vor den eingemeißelten Worten gestanden: »Ich zittere um mein Land, wenn ich daran denke, dass Gott gerecht ist. Dass seine Gerechtigkeit nicht ewig schläft.«

Denn ihr werdet ernten, was ihr sät – so biblisch drückt eine Ballade Kays über die bewachten Wohnanlagen der weißen Oberschicht aus, was unsereiner mit blassen Worten die »Krise der Legitimation« nennt. Vielleicht brauchte unsere Demokratie ja ein paar Gremien und Talkshows weniger und ein paar Sänger mehr, denke ich – und für Sekunden spüre ich den kleinen Schwächeanfall, der uns Dauerkommentierende gelegentlich überfällt. Aber dahinter lauert mein blanker Neid. Rocksänger – das ist doch wenigstens ein anständiger Beruf. Journalist zu werden ist kein Kinderwunsch, und auch nicht Politiker. Eigentlich gibt es ja nur drei plausible Berufe für Kinder. Das sind die biblischen, mit denen sie in der ersten Stadt, die Kain jenseits von Eden gründete, ausgekommen sind: Entweder man hat mit Tieren zu tun oder mit Metallwerkzeugen – oder man wird Musiker, Sänger, Erzähler. In Tennessee, wohin John Kay mit Frau und Tochter 1989 zog, hat er von diesem alttestamentarischen Glück gekostet. »Da gibt es noch Leute, die nach der Heiligen Schrift leben. Da kommt einer und sagt: ›Hey, hör mal, der und der hat Krebs, wir machen ein Benefizkonzert. Bring deine Gitarre mit und schenk uns 15 Minuten deines Lebens.‹ Auf einmal hatte ich dort als Sänger eine soziale Funktion.«

Zum Troubadour wird man nicht auf großen Bühnen. Die Lehrjahre kamen nach der Vertreibung aus dem Hype. Steppenwolf waren tot, John Kay sang wieder solo. Dann gründeten zwei Exbandmitglieder eine schlechte Kopie, mit gefälschten Sängern im John-Kay-Look. »Ich war der Lead gewesen, ich hatte die Lieder geschrieben, mein Ego war im Innersten getroffen. Ein paar Jahre lang war ich nur von Hass erfüllt.« Die Anwaltsstreitigkeiten zogen sich hin, »also musste ich sie auf der Straße bekämpfen«.

Seine Charakterbildungsphase nennt er den vier Jahre währenden langen Marsch, der nun begann, mit einer Minimalcrew in zwei Autos. Zwei Wochen bei Frau und Tochter, den Rest des Jahres unterwegs. »Wir spielten in Kaschemmen, in denen die Leute sagten: ›Du willst John Kay sein? Der würde nie in so einem Scheißloch spielen.‹« Es wird eine lange Odyssee durch Städte mit einer Kreuzung, einem Pizza Hut, einem winzigen Wal-Mart und einem Horizont aus Hollywood und Free TV. Nur dann und wann kommen fahrende Musikanten vorbei, die unter bunten Lichtern Liederzauber für blonde Mädchen mit Pferdeschwänzen entfachen. »Aber dann bist du eben eines Tags in Tylor, Texas, da gibt es nichts als den Oil Palace und das International House of Pancakes, wo du vor dem Konzert noch was essen gehst. Die Serviererin ist 17, für die ist Tylor schon die große Welt, denn sie kommt aus einem Kaff, das noch kleiner ist. Und die sieht dich mit diesem offenen, naiven Blick an, einem Blick, der nicht dumm ist, und sagt: ›Sir, Sie kommen doch viel rum. Sagen Sie mir: Ist der Rest der Welt so wie hier?‹ Und du antwortest: ›Darling, wenn du solche Fragen stellst, dann solltest du dich aufmachen.‹« Aus solchen Erfahrungen machen Troubadoure neue Lieder, auch wenn die meisten Leute nur wegen der alten kommen.

Drei Nachmittage reden wir, persönlich wird es nicht. Die Sessions dauern ein paar Stunden – und Alice gibt ihnen das Maß: Wenn sie rauswill, hören wir auf. Den Spaziergang macht er lieber allein. Ein Rockstar und ein Reporter – dabei bleibt es. Und bei ein paar gemeinsamen Lektüren, auf die wir stoßen. Die knapp gezügelte Wut in der Stimme ist dieselbe wie auf der Bühne, als wir über die Reportagen von Barbara Ehrenreich reden, die ins Leben der Mindestlohnbezieher eingetaucht ist. Beim Bettenbeziehen im Hotel hat sie eine Kollegin gefragt, was ihr Traum vom Leben sei. »Die Antwort war: ein Job, der es mir erlaubt, ein paar Tage bezahlt zu Hause zu bleiben, wenn mein Kind krank ist.« Schnell verscheucht der Zorn die Feuchtigkeit in seinen Augen. »Und oben sitzen Leute in den Country-Clubs, gute Familienväter, meist weiße, und die sagen: ›Was wollen die? Die leben doch besser als in Afghanistan: dürfen bei Wal-Mart einkaufen und bei Wendy’s arbeiten.‹ Für mich ist das Klassenkampf…«

Woran misst man ein gelungenes Leben? Es bereite ihm Befriedigung, hat er gesagt, seiner Mutter die Freude gemacht zu haben, ein Mann geworden zu sein, wie sein Vater ihn sich gewünscht hätte. Möglich aber sei das nur gewesen, weil die Mutter ihm die Freiheiten gegeben habe, die ein Vater ihm wohl nie gewährt hätte: »Der hätte wahrscheinlich gesagt: ›Gitarre? Rock ’n’ Roll? Hey, du bist 13, halb blind, sprichst nicht Englisch, was bildest du dir ein?‹ Hätte es ihn gegeben, wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich bin.« Die Wege ins innere Amerika, das sieht man, sind verwickelt. Oder auch: Familien sind kompliziert. Schließlich: In aller Kunst steckt der Versuch, eine Lücke zu füllen.

Warum fährt man zu Klassentreffen? Oder nach Vancouver, um den Jungen aus dem dritten Stock zu sehen? Ich finde keine Antwort als: die Neugier, was draus geworden ist. Zu sehen, wie sich in den anderen der eigene Anfang spiegelt. Vor mir sitzt ein dezent stolzer Selfmademan, der die Vaterfiguren, die Heimat, die Loyalitäten, die Stimme, mit der er gehört werden wollte, selbst gewählt hat und dabei nicht vergessen, wem er den Rohstoff verdankt. Und nun wird das »Wolf-Business«, mit dem sie Songs und Memorabilia selbst vermarktet haben, als die großen Labels sie nicht wollten, geschlossen. Das letzte »Wolf-Fest«, das sie jedes Jahr in Tennessee für ihre hartnäckigen Fans veranstaltet haben, ist gefeiert, das letzte Konzert gesungen.

Und, zufrieden? Er blickt sich um in dem Wohnzimmer mit dem Blick auf eine der schönsten Städte der Welt. »Okay, ärmlich ist das gerade nicht. Ich habe, alles in allem, ein tolles Leben gehabt und einen Traumberuf, aber was habe ich zurückgegeben? Die Lieder? Gut, aber das hat mir ja selbst Freude gemacht. Also was will ich noch? Kann man noch mal ein Stück weiter wachsen?« Um nichts möchte er einer dieser Motivationsfestredner werden, aber neulich hat er an der University of Southern Mississippi die Studenten gefragt: »Wer von euch hat Angst vor Stille?« Erst kam eine Hand, dann mehrere und dann fast alle. »Sie können nichts mehr ohne Musik machen, keine Schularbeiten, nicht auf der Straße gehen. Ich sagte: ›Wie wollt ihr so rauskriegen, wer ihr seid und ob ihr nicht vielleicht doch etwas Größeres vorhabt? Etwas, das größer ist als ihr? Und was das ist?‹«

Gute Frage, erst recht, wenn sie mit der Autorität des alten Rockers kommt. Und fast so etwas wie eine Predigt. Aber auch Little Richard ist ja Prediger geblieben. Einmal hat John Kay ihn im Fahrstuhl getroffen, in Hollywood. »Mann«, hat der beim Rausgehen gesagt, »bist du nicht John Kay? Du hast eine der besten Stimmen im Rock ’n’ Roll.« Das hat ihn noch mehr gefreut als der Bach-Vergleich des Bürgermeisters.

Alice will spazieren gehen, der Regen hat aufgehört. Ach ja, da war noch eine Frage. Ich hätte sie fast vergessen, weil sie so naheliegt. »Nein«, ist die Antwort, »ich würde es nie zu Hause spielen. Aber es ist immer noch der Zündfunke, der den Kontakt herstellt. Nicht zu diesen Managern, die sich in der Midlife-Crisis auf einen Schlitten setzen und den Lautsprecher aufdrehen. Zu den ganz normalen Leuten, die ins Baseballstadion von Aberdeen kommen – die alle sind ja born to be wild.« Er klopft sich auf die Brust: »Hier. Innerlich wild. Da ist so viel, was rauswill.«

Und als ich in der Tür stehe, rutscht mir dieser Satz raus; ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll:

»Damals bist du zwei Jahre älter gewesen.«

Freundlich und knallhart kommt es zurück:

»I still am. Take care.«

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Leserkommentare
  1. 1. egal..

    ..egal welche Richtung wir im Leben einschlagen, es ist  immer so, wenn wir das eine tun oder lassen, dass dieser Entscheidung ein Impuls voraus gegangen ist...oder? Und egal wo wir uns gerade befinden, würden wir uns nicht da befinden, wäre nicht alles genau so passiert, wie es tatsächlich passiert ist. Also wirkt der Eindruck den jemand oder etwas oder eine Situation  auf uns macht, nicht unwesentlich auf die Entscheidungen, welche wir im Leben treffen und wir lassen uns oft unbewußt impulsieren von der Wirkungskraft einer Tat, eines Wortes, einer Musik, eines Gedankens...etc.. Was wäre wohl, wenn der "Wilde" einen anderen Einduck auf den Journalisten gemacht hätte? Oder "Born to be wild" nicht zur Waldorfschule gegangen wäre?
    Tja, die Verknüpfungen sind manchmal unergründlich...sie wirken wie ein Spinnennetz...nur wenn Licht darauf fällt sieht man sie wirklich und sie sind sehr verfänglich. Mit besten Güßen Silvi

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