Schulabschlüsse Die englischen Abschlüsse

Zur Schule gehen auf den Britischen Inseln und studieren in Deutschland? Das geht – man muss nur die Regeln kennen.

Wer in England seinen Schulabschluss macht, aber in Deutschland studieren möchte, der muss sich genauer mit den englischen Abschlüssen und den Vorschriften für die »Hochschulzugangsberechtigung« bei uns vertraut machen. Dann kann man diesen Bildungsweg getrost einschlagen.

Das Abitur als »Allgemeine Hochschulreife« wie hierzulande gibt es in England nicht. Wer die Oberstufenzeit an einer englischen Schule (Lower und Upper Sixth Form) verbringt, schließt üblicherweise mit dem sogenannten ALevel ab. A-Level ist die Abkürzung für General Certificate of Education (GCE) Advanced Level, auf Deutsch: Allgemeines Bildungszeugnis – Fortgeschrittenes Niveau.

Das A-Level machen die meisten Schüler in drei, viele auch in vier und mehr Fächern. Die Fächer werden auf zwei Niveaus geprüft: Nach dem ersten Jahr gibt es den Abschluss Advanced Subsidiary (AS), mit den Folgekursen im zweiten Jahr erreicht er das A2-Niveau. AS und A2 zusammen bilden den A-Level-Abschluss. Die Fächerwahl ist den Schülern freigestellt und ergibt sich sowohl aus ihren Erfahrungen in der Mittelstufe wie aus ihren Wünschen für das Studium. Wer Medizin studieren will, wird also Biologie, Chemie, Biochemie, Physik als Fächer für die letzten beiden Schuljahre wählen, wer sich für klassische Sprachen und Philosophie interessiert, wird Latein und Griechisch, vermutlich auch Englisch und Geschichte als Fächer wählen.

Die Allgemeinbildung wird in England mit den GCSEs (denen früher noch ein O-Level angehängt war, O für ordinary oder allgemein) geprüft. Das etwa der mittleren Reife entsprechende Examen wird – je nach Anspruch der Schule – in fünf bis zwölf Fächern abgelegt. Die A-Levels sind Leistungskursen vergleichbar. Das Ziel ist Tiefe und Vorbereitung auf die Anforderungen der Universität. Wer keine A-Levels in Mathematik vorweisen kann, wird sich nicht auf ein Studium der Mathematik oder Ökonomie bewerben können. Der Umstand niedrigerer Studienabbruchsquoten an englischen Universitäten könnte diesem Umstand geschuldet sein.

Deutsche Hochschulen jedoch bestehen bei der Zulassung auf die Erfüllung anderer Kriterien. Dazu gehört zum Beispiel ein Nachweis für Mathematik auf dem Grundniveau der Oberstufe, vor allem für diejenigen, die Naturwissenschaften, aber auch Wirtschaftswissenschaften studieren wollen. Die Regeln für die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Daher empfiehlt es sich, vor der Festlegung auf die A-Level - Fächer zu erforschen, was die Anforderungen für die Zulassung zum Studium sind. Auskunft geben gute Internatsberatungen und die Zeugnisanerkennungsstellen der Länder. Prüfungen nachzuholen ist ebenso mühsam wie zeitraubend.

Das International Baccalaureate bietet Breite und Tiefe

Nun gibt es eine Anzahl Schulen in England und im weiteren Ausland – zu ihnen gehören alle United World Colleges und alle International Schools –, in denen nicht A-Levels angestrebt werden, sondern das IB als Abschluss gilt, das International Baccalaureate. Auch einige Schulen in Deutschland bieten das IB an. Erfunden wurde es, um die Schüler internationaler Schulen von der Last stets anderer nationaler Curricula und Prüfungen zu befreien. Schüler, deren Eltern von Tokyo nach Lagos oder München ziehen, können getrost im selben System weitermachen. Das IB ist eine Prüfung, die Kriterien unterschiedlicher Reifeprüfungen vereinigt. Es ist die beste Mischung aus alter deutscher Abitur-Breite und britischer ALevel-Tiefe. Entwickelt wird es von der in Genf beheimateten International Baccalaureate Organization, einer gemeinnützigen Bildungsstiftung, deren Programme weltweit von knapp 1.500 Schulen genutzt werden.

Jeder Schüler muss sechs Fächer belegen, drei auf fortgeschrittenem Niveau, drei auf Grundniveau. Darunter müssen zwei Sprachen sein, eine Naturwissenschaft, eine Sozialwissenschaft, Mathematik und ein Fach aus dem Bereich Kunst/Design/Theater/Musik. Wer sich für die letzte Kategorie nicht erwärmen kann, kann stattdessen eine zweite Naturwissenschaft oder Sozialwissenschaft oder eine dritte Sprache belegen.

Die Prüfungen für das IB werden zentral ausgearbeitet und in der ganzen Welt am selben Tag abgenommen und später von Prüfern aller Herren Länder benotet. Eine Chemiearbeit, die in London oder Hamburg geschrieben wurde, kann zur Begutachtung in Indien oder Kanada landen. Zensureninflation beim IB ist gering, der Anteil der Schüler, die in einem Fach die höchste Punktzahl erreichen, ist seit Jahren recht stabil. Das IB-Diplom legt größten Wert auf die Unterscheidung zwischen guten und ausgezeichneten Schülern. Kein Wunder, dass die besten Universitäten der Welt die ausgezeichneten IB-Absolventen gern aufnehmen. Aus der besten IB-Schule Sevenoaks in der englischen Grafschaft Kent haben es vergangenes Jahr allein 37 Schüler nach Oxford und Cambridge geschafft.

Die Besonderheit des IB-Diploms ist freilich nicht nur seine Kombination aus Breite und Tiefe, sondern es sind seine drei Extras: Theory of Knowledge (ToK), ein Kurs, der Philosophie, logisches und kritisches Denken sowie Ethik vereint, das Extended Essay (eine Art Forschungspapier) im Umfang von 4.000 Wörtern, dessen Thema der Schüler selbst wählen kann, und die CAS-Komponente (Creativity, Action, Service), die von den Schülern Sportengagement, Sozialdienst und künstlerische Betätigung verlangt. Der ToK-Kurs steht für den Geist und den Denkansatz des Diploms. Zusammen mit den beiden anderen Komponenten liefert er den Klebstoff, der aus dem Diplom eine zusammenhängende Gesamtqualifikation macht.

Das IB berechtigt in Deutschland zum Hochschulzugang. Aber auch hier gelten einige Sonderbedingungen, die bei den jeweiligen Zeugnisanerkennungsstellen erfragt werden können.

Weitere Informationen über die Anerkennung ausländischer Zeugnisse und über das International Baccalaureate finden sich im Internet: www.anabin.de (dort anklicken »Zuständige Stellen in Deutschland«, dann »Allgemeine Zuständigkeit« und schließlich »Zeugnisanerkennung – Hochschulzugang (Deutsche mit ausländischem Bildungsnachweis)«

Weitere Informationen: www.ibo.org

 
Leser-Kommentare
  1. So erstrebenswert scheint mir ein Satz englischer A-Levels nicht unbedingt. Ich hatte während meines Schulaufenthalts dort schon den Eindruck, daß die GCSEs in ihren Anforderungen deutlich unter dem 10. Jahrgang eines deutschen Gymnasiums liegen: in Deutschland wurde doch mehr gelesen, und insgesamt in den schriftlichen Arbeiten mehr verlangt. Auch mein A/S-Level Französisch war nicht wirklich mit einem Grundkurs 11 zu vergleichen (wobei ich insgesamt finde, daß wir Deutschen im Fremdsprachenunterricht die Nase vorn haben.). Mir gefällt am deutschen Abi gerade die Breite: wer will sich schon nach Klasse 10 für ein Studienfach entscheiden (und schon in Klasse 10 sind die Engländer in der Regel mit weniger Fächern am Start)?Viel besser fände ich es, wenn die Einführung von G8 mehr Schüler ermuntert, zwischendurch mal für ein Jahr ins Ausland zu gehen, und dann wieder ins deutsche System einzusteigen: Dann kommen sie zwar insgesamt wieder auf 13 Schuljahre, haben aber, wenn sie's geschickt anstellen, das beste aus jedem System mitgenommen. Und eine dicke fette Portion Selbständigkeit und persönliche Reife obendrauf. Sehr zu empfehlen!

    • kaii
    • 19.02.2008 um 9:23 Uhr

    immer wieder erstaunlich wie verzerrend und positiv das englische schulsystem dargestellt wird. man KÖNNTE in england, wenn man sich während der schulzeit auf das studium vorbereiten möchte natürlich studienbezogene fächer wählen, man muß aber nicht!. ein beispiel für viele: mein englischer cousin ist ingenieur (strassenbau) - seinen abschluß hat er in englisch und KOCHEN gemacht! damit ist er kein einzelfall! ich kenne kaum engländer, die über eine umfassende bildung, die vergleichbar mit der deutschen wäre (bitte nicht denken, dass ich den dt. weg für absolut besser halte). auch meine englischen kunden sind immer wieder über das aus ihrer sicht "hohe bildungsniveau" in D erstaunt. es gibt allerdings eine große ausnahme und die heißt ELITESCHULE (denn chancengleichheit ist auch kein grundaspekt des englischen schulsystems).meiner lieben vorrednerin möchte ich aber in einem punkt unbedingt beipflichten - während der schule unbedingt ein auslandsjahr einlegen und vor dem eigentlichen studium noch einmal (am besten man bestreitet auch noch ein studienjahr im ausland) - dann kann so etwas wie dieser leider realitätsferne artikel nicht passieren, da man aus eigener erfahrung spricht...

    • Kometa
    • 19.02.2008 um 10:09 Uhr

    Da muss man in den schäbig eingerichteten, desolaten, von panischer Dominanz der Magister erfüllten Internaten - so kasernenmäßig - eingeübt sein, dass man sich das piefige Leben als "Glanz von innen" antut. (... ohne dass man dort Rilke lesen kann.). "Es gibt kein Beben, außer im Leben. (Mit Erich Kästner nach-gedacht!)

    • brux
    • 19.02.2008 um 14:08 Uhr

    Ist dieser Artikel von der britischen Regierung gesponsort worden?
    Es dürfte allgemein bekannt sein, dass die Briten nicht allzu viel 'drauf haben.
    Vor einigen Jahren beschwerte sich die TIMES, dass die Auswahlverfahren für EU Beamte unfair seien. Es würde zuviel Wert auf Allgemeinbildung gelegt und da könnten britische Uni-Absolventen nun mal nicht mithalten.
    Von der Unfähigkeit, sich in einer anderen Sprache verständlich zu machen, einmal ganz zu schweigen.....
    No model to follow, my dear.

  2. Manchmal wundert man sich, welche Blüten DIE ZEIT treibt. Richtet sich der Artikel an eine vermeintlich in England lebende Leserschaft mit Kindern? Oder soll aufgefordert werden, seine Großbürgertumskinder nach England ins Internat zu schicken? Ansonsten erscheint der Artikel ziemlich nutzlos.
    Der ZEIT stünde ein sachlich fundierter und doch kritischer Artikel über europäische Schulen mit ihren Abschlüssen besser zu Gesicht. Das brächte auch Schuldiskussionen in Deutschland voran.

  3. Nach der Anpassung der Studiengänge (Bachelor und Master), ist der nächste konsequente Schritt die Vereinheitlichung der Zugangsvoraussetzungen zu den Studiengängen und die intereuropäische gegenseitige Anerkennung von Schulabschlüssen. Immer mehr moderne "global nomads" und Ihre Kinder sollten nicht länger durch die engen nationalen Vorschriften fallen sondern Chancengleichheit bekommen. Die Alternative wären Aufnahmeverfahren, an denen jeder, unabhängig vom Schulabschluß, teilnehmen kann. Deshalb sind andere Schulsysteme höchst interessant.

  4. Klar sind andere Schulsysteme interessant. Aber dann moechten wir doch bitte nicht nur eine Handreichung, wie man von diesem System zurueck an die deutsche Uni wechselt, und bitte auch nicht wieder die postkartenmaessigen Internate mit Harry Potter Romantik, sondern einen gruendlich recherchierten Artikel, der eine differenzierte Beschreibung und somit eine echte Vergleichsmoeglichkeit bietet. Aber scheinbar geht man davon aus, dass die Leserschaft den Artikel in den Kommentaren irgendwie zu Ende schreibt. 

    • ribera
    • 20.02.2008 um 1:37 Uhr

    Kann ich als betroffener Elternteil voll bestätigen. Die Realität in der Schule meiner Tochter war, dass 80% lediglich 3 A-levels wählten. In den naturwissenschaftlichen Fächern oder Deutsch, Französisch, Wirtschaft sowie Informatik lernten 3-6 Schüler, in Englisch waren es schon 20, in Arts oder Drama überstieg die Nachfrage die Kapazitäten. Dieses "Niveau", wächst mittlerweile durch die englischen Universitäten durch.Als Folge ist die Lage in einigen Unterrichtsfächern mittlerweile so prekär, dass bei entsprechender Einstiegsqualifikation, interessierten Studenten das Studienjahr  zum Erwerb der Lehrbefähigung (Mischung Theorie und Praxis) mit einer Prämie von 9000 Pfund bedacht wird. Einzige Voraussetzung ist die Verpflichtung, anschließend für mindestens 1 Jahr zu unterrichten. Nach diesem Jahr gibt es, unabhängig vom gezahlten Gehalt,  nochmals eine Prämie von mindestens 2500 Pfund. Von dieser Regelung sind derzeit die Fächer Deutsch, Französisch, Spanisch und weitere naturwissenschaftlich/mathematische Fächer betroffen.

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