Sie galten lange Zeit als elitär und unbezahlbar, heute reden Handwerker genauso über Privatschulen wie der Oberarzt und die Professorin. Zwanzig Prozent aller Mütter und Väter würden ihre Kinder gerne auf eine Privatschule schicken. Doch die Nachfrage übersteigt seit Langem das Angebot, obwohl in Deutschland statistisch gesehen in jeder Woche ein bis zwei private Schulen gegründet werden. Während an öffentlichen Schulen die Zahl der Schüler sinkt und der Staat Schulen schließen muss, kommen jedes Jahr 80 bis 100 allgemeinbildende Schulen in privater Trägerschaft hinzu. Allein in Norddeutschland sind in den vergangenen zwei Jahren mehr private Schulen entstanden als in den zehn Jahren davor. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 2870 Privatschulen (Stand 2006); das sind 40 Prozent mehr als nach der Wende. Allein in Ostdeutschland hat sich die Zahl der Privatschüler innerhalb der vergangenen zehn Jahre mehr als verdoppelt – was vor allem auch daran liegt, dass es in der DDR kaum Privatschulen gab.

Mittlerweile besucht jeder fünfzehnte Schüler in Deutschland eine Privatschule. Laut Statistischem Bundesamt gab es im vergangenen Schuljahr 656186 Privatschüler. Die meisten von ihnen finden sich auf Gymnasien. Im Schuljahr 2006/7 besuchte jeder zehnte Gymnasiast eine Privatschule. Allerdings existieren hierbei deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern: Während das Saarland bereits einen Anteil von 14 Prozent und Nordrhein-Westfalen gar einen von 16,5 Prozent verzeichnen kann, beträgt der Anteil an Privatschülern auf Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern nur 3,8 Prozent und in Schleswig-Holstein gerade mal 2 Prozent. Schülerinnen besuchen mit 12,2 Prozent häufiger private Gymnasien als ihre männlichen Kollegen.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland trotz des steten Aufwärtstrends mit 6,7 Prozent Privatschülern an allgemeinbildenden Schulen ziemlich abgeschlagen: In den Niederlanden besuchen über 70 Prozent der Schüler eine Privatschule, in Belgien über 50, und auch in Großbritannien zeigen rund 40 Prozent Privatschüler, dass die Alternativen zum öffentlichen Schulsystem einen deutlich höheren Stellenwert haben.

Rund 80 Prozent der deutschen Privatschulen werden von der evangelischen und katholischen Kirche getragen. Etwa die Hälfte aller Privatschüler an allgemeinbildenden Schulen besucht eine katholische Einrichtung. An zweiter Stelle stehen mit 76.500 Schülern die evangelischen Schulen, gefolgt von den Waldorfschulen. Der Rest verteilt sich auf Montessorischulen, Internationale Schulen und Freie Alternativschulen.

In ihren Erziehungs- und Bildungszielen und auch bei der Ausbildung ihrer Lehrer sind die Schulen in privater Trägerschaft an die Regelungen der jeweiligen Bundesländer gebunden. Auch in ihren Abschlüssen entsprechen sie den öffentlichen Schulen. Dafür sorgt das sogenannte Gleichwertigkeitsgebot. Der Lehrplan muss sich an den staatlichen Vorgaben orientieren, diese aber nicht in vollem Ausmaß einhalten. Ein pädagogisches Konzept kann nur abgelehnt werden, wenn es dem Geist des Grundgesetzes widerspricht.

Hat sich eine Schulneugründung über drei Jahre bewährt, bezahlen die meisten Bundesländer einen Kostenzuschuss von 60 bis 70 Prozent. Nur Nordrhein-Westfalen übernimmt vom ersten Tag des Schulbetriebes an 94 Prozent der Kosten.

Je nachdem, wer der Träger einer Schule ist und wie hoch die öffentlichen Zuschüsse ausfallen, kann das Schulgeld erheblich variieren: Privatschulen in kirchlicher Trägerschaft sind mit etwa 50 Euro pro Monat am günstigsten. Für eine Ganztagsbetreuung an einer privaten allgemeinbildenden Schule müssen Eltern mit 300 bis 400 Euro im Monat rechnen – sofern es staatliche Zuschüsse gibt. Schulen, die sich komplett selbst finanzieren, schlagen je nach Leistungsumfang noch mal bis zu 400 Euro drauf. In der zunehmenden Fülle der Angebote finden sich immer mehr Schulen, die das Schulgeld vom Einkommen der Eltern abhängig machen.