Espresso schmeckt bitterer als Filterkaffee, und er ist auch konzentrierter. Deshalb halten ihn viele für "stärker", also koffeinhaltiger, und glauben auch, dass er den Magen stärker angreift. Das stimmt aber nicht – und das aus mehreren Gründen.

Erstens: die Kaffeebohnen. Espresso wird meist aus Arabica-Sorten hergestellt, der Feld-Wald-und-Wiesen-Filterkaffee aus den billigeren Robusta-Sorten (bei Gourmet-Kaffee ist das etwas anderes). Die Arabica-Bohnen enthalten aber nur etwa halb so viel Koffein wie der Robusta-Kaffee.

Zweitens: die Röstung. Espressobohnen werden länger geröstet als andere Kaffeebohnen. Dabei gehen vor allem Säuren verloren, was die Magenfreundlichkeit des Kaffees verbessert.

Und drittens: der Brühvorgang. Filterkaffee zieht mehrere Minuten lang in kochend heißem Wasser und gibt dabei seine Inhaltsstoffe ab. Bei der Espressozubereitung dagegen wird in relativ kurzer Zeit (25 bis 30 Sekunden) das nur etwa 90 Grad heiße Wasser durch das Kaffeemehl gepresst. Entsprechend weniger Inhaltsstoffe nimmt es dabei mit.

Diese drei Faktoren zusammen bewirken, dass der Espresso, weil er konzentrierter ist, zwar mehr Koffein pro Volumen enthält als der Filterkaffee, aber weniger, wenn man es auf die typische Portion bezieht. Etwa 50 Milligramm stecken in einem Espressotässchen, bis zu 100 Milligramm in einer Tasse gewöhnlichen Kaffees. Der schwarze Italiener enthält auch weniger Stoffe, die den Magen reizen, und kann daher durchaus als die gesündere Variante des Kaffeegenusses bezeichnet werden. Christoph Drösser

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