Geladen war zur »Welturaufführung«, hineingeraten bin ich in einen Betriebsausflug. Den »Event« hatte sich die Austrian Airlines gekauft, die »Location« im Wiener Museumsquartier ist der größte Kinosaal der Stadt mit 800 Sitzen, »Destination« war die Premiere für die Kinobiografie des austriakischen Popstars Hans Hölzel, genannt Falco. Ich bin sein Fan seit seinem Kommissar. Aber. Glitzer? Glamour? Stars? Sternchen? Und ich mittendrin, neben Jagger, Dylan, Bardot oder wenigsten dem Ösi-Kanzler, »Breitmaulfrosch« geschmäht?

Nicht einmal der Opernballbaumeister Richard »Mörtel« Luger ist zu sehen! Wo doch das ganze kleine Land seit Wochen hysterisch dem zehnten Todestag seines nationalen Rap-Heroen entgegengibbert. Tonnenweise Zeitungspapier bedruckt mit abgestandenen Gschichtln oder aufgemotzten Interviews irgendwelcher frisch gefischten Bettwürste von Hölzels Laken. CDs, DVDs ins Geschäft schmeißt mit angeblich brandneuem Material, sämtlichen Interviews und nachproduziertem 60- oder 80-Mann-Falco-Symphonie-Orchester. Und der Überreuter Verlag zielt schnell noch mit einem Buchschuss auf den Markt: 192 Seiten lang lässt die Sportreporterin eines Gratis-U-Bahn-Blatts ein Leben laufen – das von Falcos Tochter, die gar nicht seines Leibes Frucht war, sondern nur ein Kuckucksei in Hansis Himmelbett, die Mitgift eines südösterreichischen Provinzmodels, Kurzzeitgattin des Genies.

Gereicht wird Flaschenbier und der »Absinth Cocktail Mystiq«, man will es verrucht. Das Essen ist lauwarmes landesübliches Allerlei von der Panade (Backhenderl, Schnitzerl mit Krautfleckerl und Vogerlsalat).

Aber das Publikum! Von feinster internationaler Lokalität. Volle und leere Dekolletés mit Tattoos und nicht gepiercten Pickeln, mies sitzende Büstenhalter, die sagenhafte »zweite Brüste« produzieren, und Abi-Anzüge aus dem vorigen Jahrhundert. Zwei Off-Szene-Buberl aus dem Set tragen Tirolerhüterln: Alles Avantgarde also im vollgepafften österreichischen Raucherparadies, die Zünder in Airline-Farben gibt es gratis. Ich öffne den vakuumverpackten kostenlosen »Kultur«-Beutel des Staatsfernsehens: sechs trocken zu lagernde und vor Sonnenlicht zu schützende »crackers«, ranzig.

Dafür brüstet sich die Fluggesellschaft vorn an der Rampe mit ihrem »Product-Placement« im »großartigen, genialen Fühm« (zu Deutsch »Film«). Viel wird von der Verbundenheit der Austrian-Tochter Lauda Air mit dem finalen Falco gesprochen, sogar eine Boeing ist nach ihm benannt. Auch seinen letzten Auftritt hat er beim Betriebsfest der Fluglinie abgerissen, bevor er mit Vierradkaracho, den Kopf voll Alk & Schnee, seinem lust- und qualvollen Leben vielleicht vorsätzlich ein Ende gemacht hat.

Nur der Ex-Lauda-Air-Owner Niki war explizit nicht eingeladen zu dieser Uraufführung. Dabei war allein er es, der seinen Freund Falco damals zur Firmenfete gebeten hatte. Einzig er hat seine Boeing Falco getauft, und nur er war es, der persönlich den Kadaver des Kombattanten aus der Karibik zurückbrachte in seinem Düsenjäger, der James Dean hieß.

Ein Staatsfunkmoderator schwätzt vom »Subberstaa« als »einer historischen Figur« und schließt messerscharf: »Da Fallcko isch doad!« Dann dankt der Regisseur für »das dolle Diehm«, für »den dollen Sebord«, weil die »Schbonsoan ein ordentliches Stück Geld in die Hand genommen haben für dieses ordentliche Stück Risiko«. Kurz: »Die Stimmung im Saal ias guad, wail kaane Kritiker herinnen sind!«