Rauchen Auf eine Zigarette mit ...
Helmut Schmidt über das Rauchverbot in Deutschland und seine Reaktion auf die Anzeige einer Nichtraucherinitiative
Lieber Herr Schmidt, Sie waren gerade wieder Gast einer großen Veranstaltung. Alle haben nur darauf gewartet, dass Sie rauchen würden. Aber - Überraschung - Sie haben nicht!
Ja, weil ich unsicher war, was das Gesetz sagt. Ich habe nicht gegen das Gesetz verstoßen wollen, das war auch neulich im Winterhuder Fährhaus nicht meine Absicht.
Sie hatten in dem Theater in Hamburg geraucht und prompt die Anzeige einer Nichtraucherinitiative wegen Körperverletzung kassiert. Dazu Schlagzeilen wie nach einer Staatsaffäre.
Die Theaterleitung hatte mir ein Tischchen vor den Stuhl gestellt mit einem Aschenbecher und einer Tasse Kaffee. Natürlich habe ich davon Gebrauch gemacht, meine Frau auch, wir haben uns überhaupt nichts dabei gedacht. Und daraus haben andere einen bewussten Verstoß gegen das Gesetz gemacht.
Nun steht Ihr schöner Satz im Raum: Ich lasse mir von niemandem das Rauchen verbieten.
Das bleibt auch so.
Aber gegen das Gesetz verstoßen wollen Sie auch nicht?
Dem Gesetz muss man gehorchen. Immerhin haben es die Parlamente beschlossen.
Hat es Sie getroffen, dass Sie angezeigt wurden?
Nee, wir haben darüber gelacht.
Hatten Sie nicht auch Sorge um Ihren Ruf? Sie sind ein Vorbild.
Nein, ich bin kein öffentliches Vorbild.
Jetzt stapeln Sie wirklich zu tief.
Nein, im Ernst: Politiker sollen auf ihrem Felde Vorbild sein, aber nicht auf sämtlichen Feldern menschlichen Lebens. Das ist zu viel verlangt.
Ihre Frau hat neulich erzählt, dass sie mit zehn ihre erste Zigarette geraucht hat.
Jedenfalls hat sie früher angefangen als ich.
Wann haben Sie denn zum ersten Mal?
Als ich konfirmiert wurde, da war ich fünfzehn. Ein Onkel hat mir eine Schachtel Zigaretten geschenkt.
Hatten Erwachsene damals überhaupt kein Gefühl für die Gefahren des Rauchens?
Nee, damals gab’s diese Hysterie noch nicht.
Würden Sie jungen Menschen wenigstens heute dazu raten, gar nicht erst damit anzufangen?
Ich würde niemandem unerbetene Ratschläge geben.
Haben Sie jemals den Versuch unternommen, zu zählen, wie viele Zigaretten Sie am Tag rauchen?
Hab ich nie gezählt. Ich habe mal versucht, auf Pfeife umzustellen, aber das ist mir nicht bekommen, weil ich als Zigarettenraucher auch mit Pfeife immer inhaliert habe.
Wie sind Sie auf Menthol gekommen?
Als in den sechziger Jahren die Zeit des Zechensterbens an der Ruhr war, bin ich viele Male in Schächte eingefahren. Damals habe ich von den Bergleuten gelernt, Schnupftabak zu nehmen, denn da unten durfte man wegen der Explosionsgefahr nicht rauchen. Das habe ich von denen übernommen, weil man im Bundestag auch nicht rauchen durfte. Und der Schnupftabak war mit Menthol parfümiert.
Und haben Sie nie versucht, das Rauchen ganz einzustellen?
Nee. Ich bin doch nicht verrückt.
Geht es Ihnen schlecht, wenn Sie nicht rauchen?
Nein. Wenn ich es für notwendig hielte, könnte ich morgen aufhören.
Das sagen alle Süchtigen.
Ich könnte das, aber es ist ja nicht notwendig. Weder gesundheitlich noch seelisch, noch philosophisch.
Zyniker behaupten ja, dass Raucher viel fürs Gemeinwohl tun: Sie zahlen Milliarden Tabaksteuer und sterben früher.
Den Gefallen, früher zu sterben, kann ich Ihnen nicht mehr antun. (Zündet sich die nächste Zigarette an.) Dazu ist es zu spät. (Helmut Schmidt lacht.)
Das Gespräch führte Giovanni di Lorenzo
- Datum 14.02.2008 - 05:00 Uhr
- Quelle ZEITmagazin LEBEN, 14.02.2008 Nr. 08
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mit Verlaub, das glauben Sie doch selbst nicht (oder nur Sie allein): dass Sie einfach aufhören können zu rauchen
Hehehe, der lässt sich nicht verbiegen! Natülich könnte er aufhören, wenn er denn müsste.
Das neueste, umfassende Rauchverbot empfinde ich ganz entschieden als einen ungebuehrlichen Eingriff in die persoenliche Freiheit von muendigen, erwachsenen Menschen. Es steht dem Staat nicht an in dieser Art und Weise Tuer und Tor fuer die kleinmuetige Gaengelei des einzelnen Buergers in seiner Privatsphaere zu oeffnen. Die Tatsache, dass jemand Herrn Schmidt wegen einer Zigarette verklagen kann, obwohl diese Person in keiner Weise persoenlich betroffen ist, ist doch in hoechstem Masse laecherlich und auch peinlich! Ich bin kein regelmaessiger Raucher, habe nie viel geraucht, aber so alle vier Wochen geniesse ich gern mal eine gute Zigarre, vorzugsweise mit einem guten Cognac. So trifft mich das neue Rauchverbot eigentlich nicht sonderlich, denn fuer meinen Tabakkonsum genuegt mein Heim, ein Zigarrenklub oder die freie Natur. Was mich allerdings stoert, ist dass hier, wie so oft, das Kind mit dem Bade ausgeschuettet wird. Gewisslich sollte man Nichtraucher schuetzen und auf sie Ruecksicht nehmen. Auch sollte man darauf achten, Jugendliche nicht zum Rauchen zu verfuehren. Aber genausowenig wie Nichtraucher automatisch moralisch besser sind, als andere Menschen (der kleinliche, missguenstige Mensch, der Herrn Schmidt anzeigte ist das beste Beispiel dafuer), genausowenig sind Raucher automatisch verwerfliche Gesellschaftsvererber. Der Schutz einer Bevoelkerungsgruppe darf nicht automatisch zu einer unfairen Beeintraechtigung einer anderen Gruppe fuehren. Rauchern einen angemessenen Freiraum zu gewaeheren bedeutet nicht automatisch, dass das Rauchen von staatswegen gefoerdert oder auch nur gutgeheissen wird.
Hatte bis März 60 per diem geraucht. Hatte immer behauptet dass ich aufhören könne wenn ich wolle. Habe aufgehört weil meine Freundin ein Kind von mir bekam. Rauche nicht mehr seit fast einem Jahr.Fazit:- Ich bin fetter geworden und fühle mich unwohler- Ich huste weniger- Ich werde Gesellschaftlich weniger diskriminiert und habe auch mehr Bewegungsfreiheit, da ich nicht von Nichtraucherzonen gestört werde- Auch wenn ich nicht rauche geht mir die Zigarette bis heute ab - im Sinne eines Genussmittels, das manchmal extrem angenehm sein konnte - und jetzt eben nicht sein darf.Würde Rauchen nicht physisch süchtig machen und ungesund für mein Kind sein - ich finge morgen wieder an, weil es eine sinnliche und kreative Sucht ist. Der derzeitige Nichtraucherfaschismus ist garantiert das Produkt von Menschen, deren Lustempfinden auch sonst nicht so gross sein wird. Kleine Blockwartnaturen eben, die mit Freiheit nichts anfangen können und sich vor allem Fürchten - so auch vor Rauchern. Dieses Gesocks hat ja gerade Oberhand wie man an anderen Entwicklungen sieht.
Ich bin Nichtraucher und finde den Qualm i. d. R. störend .Aber Altkanzler Schmidt ist eine Ausnahme. Der Mann hat Stil.Der dürfte sogar in meiner Wohnung rauchen!( Natürlich argumentiert er wie alle Suchtkranken: " Nein, ich rauche nur so zum Spass, könntesofort aufhören .. kein Problem...Wie nennt man das nochmal in der Psychosprache ? Mangelnde Krankheitseinsicht oder so...)
Er lässt sich nicht verbiegen?Der macht einfach nur das, was er auch als Bundeskanzler gemacht hat.Nämlich das, was man von ihm erwartet....Ich selbst bin auch Raucher und weiß ob des Paradoxons, jedoch ist mir das Rauchverbot nicht nur insgeheim lieb, obwohl ich erwachsen bin, einfach weil es mich schützt. Wenn Drogenkonsum tatsächlich etwas mit Reife zu tun hätte - und nicht etwa mit kultureller Entwicklung - dann bitte, bitte legalisieren wir doch endlich all die illegalen Drogen und senken damit die Kriminalitätsrate in diesem Land.Meiner Meinung nach Schmidts Aussagen eigentlich nur lächerlich, eine Lächerlichkeit jedoch, die ich einem alten Manne zugestehe.
Was Herr Schmidt übers Rauchen denkt ist völlig irrelevant. Hat der Interviewer etwa eine überraschende, selbstkritische Analyse von Schmidt über seinen Drogenkonsum erwartet? Oder ging es nur darum zu zeigen, dass einem als Alt-Bundeskanzler und mit Ende Achtzig sowieso alles am Ar*** vorbeigeht? So schlau waren wir vorher auch schon!
es gibt vielleicht belanglose fragen, aber nie belanglose antworten. der gesunde menschenverstand von helmut schmidt ist ganz einfach herzerfrischend.Ferika75
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