Wenn es ungemütlich wird in der Finanzwelt, wenn Aktienkurse purzeln, Inflationsraten steigen und Politiker vor Panikmache warnen, krabbeln sie wieder: die gold bugs . So nennt man in der englischsprachigen Finanzwelt Investoren und Anlageexperten, die im Gold die Antwort auf die meisten Probleme des modernen Finanzsystems sehen. Oder zumindest den sichersten Hafen fürs Geld. Weil die englische Sprache so schön ambivalent sein kann, ist es gar nicht einfach, den Begriff gold bug zu übersetzen: Ein Krabbeltier aus reinem Gold könnte man darunter verstehen – oder eine schreckliche Nervensäge, die gar nicht mehr aufhören will, von den Vorzügen seltener Edelmetalle zu reden.

Im Augenblick haben die gold bugs Konjunktur. Der Goldpreis ist auf zuletzt über 900 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm) gestiegen. Bei seinem Tiefststand im Jahr 1999 waren es nur 252 Dollar. Das hat auch viel mit dem sinkenden Kurs des Dollar zu tun, aber selbst in Euro gerechnet notiert Gold auf Rekordniveau. Das könnte noch einige Zeit lang anhalten. Je unsicherer der Wert von Papierwährungen, desto beliebter wird die Anlage in Edelmetallen. Und gerade ziehen überall auf der Welt die Inflationsraten an.

Die Währung mit dem glänzenden Ruf hält auch längst wieder Einzug in das Portfolio des Durchschnittsanlegers. Der fängt plötzlich wieder an, Krügerrand-Münzen und kleine Goldbarren in Wandsafes zu packen – und das, obwohl Gold keine Zinsen abwirft oder Dividenden einbringt. Aus zwei Gründen. Die einen Anleger wollen an der gegenwärtigen Hausse der Rohstoffe und Edelmetalle teilhaben. Die anderen glauben an eine der vielen Varianten der Geschichte vom »sicheren Hafen«.

Doch wie sicher ist dieser Goldhafen wirklich? Mag sein, dass Gold seit Tausenden von Jahren als Symbol für Reichtum und Wertbeständigkeit herhält. Doch auch hier gelten die Gesetze von Angebot und Nachfrage.

Über die Welt verteilt findet sich heute immer noch ein Großteil der 158.000 Tonnen Gold, die in der Geschichte der Menschheit gefördert wurden. Pro Jahr kämen rund 2500 Tonnen Gold aus den Minen neu auf den Markt, sagt das World Gold Council, die Marketinggesellschaft der wichtigsten Minengesellschaften. Ergänzt wird dieses Angebot mit bis zu 500 Tonnen, die die Zentralbanken jährlich verkaufen können; auf diese Menge haben sie sich 2004 einmal geeinigt. Im vergangenen Rechnungsjahr haben sie 488 Tonnen verkauft.

Der dritte Teil des Angebots sind rund 900 Tonnen sogenanntes scrap gold , wiederaufbereitetes Altgold. Für das erste Halbjahr 2008 erwartet die Beratungsfirma Gold Fields Mineral Services (GFMS), dass das Angebot von Altgold um 15 Prozent steigt. Der hohe Goldpreis verlockt nämlich viele Schmuckbesitzer, mit altem Plunder Kasse zu machen. Schlimme Versorgungsengpässe beim Gold sind also nicht absehbar. Selbst wenn, wie jüngst in Südafrika wegen Problemen mit der Stromversorgung, die Minenproduktion kurzzeitig nachlässt.

Rund 70 Prozent des Golds werden zu Schmuck verarbeitet

Wofür braucht die Welt all dieses Gold? Rund 70 Prozent verarbeitet die Schmuckbranche, eine Abnehmerin, die sehr empfindlich auf steigende Preise reagiert. Gerade hier hat der hohe Goldpreis in den vergangenen Monaten viele Käufer vergrätzt. Weitere elf Prozent des Goldes landen in der Industrie und im Mund von Zahnpatienten.