Dass jeder Steuerzahler seinen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten muss, wird in Schweden eher akzeptiert als in Deutschland. Ein Grund dafür ist Transparenz: Für jedermann ist sichtbar, wer tatsächlich wie viel zahlt. In Schweden gibt es nämlich kein Steuergeheimnis. Jährlich erscheint der Taxeringskalender, sortiert nach Postleitzahlen, wo jeder Bürger nachschlagen kann, welches Einkommen und Vermögen sein Nachbar oder Chef, ein prominenter Politiker oder Manager tatsächlich versteuert.

Schon seit 1766 gilt in Schweden das Grundprinzip, dass staatliches Handeln nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden soll. Deshalb hat jeder Bürger das Anrecht, einen Einblick in behördliche Akten zu nehmen. Steuerbescheide zählen dazu – und sind daher öffentlich. Das hat vielfältige Folgen: Da jeder ohnehin sehen kann, welches Einkommen der andere versteuert, wird auch aus Gehältern kein großes Geheimnis gemacht. Boulevardzeitungen wie das Aftonbladet veröffentlichen in regelmäßigen Abständen, was Promis aus Unterhaltung, Politik und Wirtschaft so verdienen. Die Offenheit führt jedoch nicht zu einer höheren Akzeptanz von Spitzengehältern – was Topmanager ausgezahlt bekommen, ist auch im Norden Gegenstand heißer Diskussionen.

Die Steuerhöhe selbst ist kein Thema. Dass für jeden einsehbar ist, wer wie viel zahlt, dürfte dazu beitragen. Die Schweden stehen dem Fiskus aber auch grundsätzlich nicht so feindselig gegenüber wie viele Deutsche. Nur rund fünf Prozent der Schweden finden Steuerhinterziehung akzeptabel, so eine Untersuchung der Finanzbehörden. Schummeln bei der Steuererklärung gilt nicht als Kavaliersdelikt. »Wir haben eine sehr hohe Steuermoral, selbst im Vergleich mit dem restlichen Europa«, sagt Jan-Erik Bäckman, Chef der Analyseabteilung beim schwedischen Fiskus.

Bei den meisten Schweden überwiegt das Gefühl, für ihr Steuergeld auch eine Gegenleistung zu bekommen. Wichtige Einrichtungen wie die einheitliche Krankenversicherung oder das flächendeckende System von Kindertagesstätten sind hauptsächlich steuerfinanziert. Darauf wollen die Skandinavier nicht verzichten. Kein Wunder also, dass mit Steuersenkungen in dem Land keine Wahlen zu gewinnen sind. Wer den Schweden solche Geschenke verspricht, wird schnell verdächtigt, er wolle den Sozialstaat abschaffen.

Dennoch gibt es vor allem unter den besser verdienenden Skandinaviern auch solche, die versuchen, ihr Geld in Steueroasen zu verschieben. »Unsere Untersuchungen zeigen, dass Männer mit hohem Einkommen und Wohnsitz in Großstädten eher zur Steuerhinterziehung bereit sind als andere Steuerzahler«, sagt Finanzexperte Bäckman. Doch wer erwischt wird, darf nicht auf Verständnis bei seinen Mitbürgern hoffen, wie unlängst das Beispiel Maria Borelius zeigte. Borelius war im Jahr 2006 ganze neun Tage lang schwedische Handelsministerin, bis ihr ein zwielichtiges Steuersparmodell zum Verhängnis wurde. Schon bald stellte sich heraus, dass ihr ungefähr 735.000 Euro teures Sommerhäuschen in Schweden einem Unternehmen auf Jersey gehörte. Die Kanalinsel ist ein bekanntes Steuerparadies. Es sah ganz so aus, als wollte Borelius die schwedische Vermögensteuer umgehen. Überdies hatte sie bereits in den neunziger Jahren ein Kindermädchen schwarz beschäftigt und jahrelang ihre Fernsehgebühren nicht gezahlt. Auch das verriet ein Blick in das offene Register.