Autotest Der Elchtest

Marc Brost, Redakteur im Hauptstadtbüro, macht seinen Frieden mit dem Volvo S80. Einem Auto, das ihn einst ärgerte

In Hamburg wohnte ich einmal in einer Straße, in der nur Volvos parkten. Sie waren alle schwarz. Lange, dunkle Kästen auf vier Rädern. Wenn ich abends mit meinem kleinen Auto eine Lücke suchte, fand ich keine. So viel Platz brauchten die Volvos. Es war die Zeit, in der ich beschloss, dass ich keine Volvos mag.

Mehr als zwei Jahre später sitze ich am Steuer eines Volvo S80. Es ist ein langer, heller Wagen, und die Parkplatzsuche ist auch kein Problem, weil meine Berliner Wohnung eine Tiefgarage hat. Ob ich den Volvo mag? Nun, bei einem Autotest geht es ja nicht um Liebe. Ein Autotest ist Arbeit.

Ziemlich anstrengend ist etwa der Elchtest. Man fährt geradeaus, reißt das Lenkrad, ohne zu bremsen, nach links und dann wieder nach rechts. In Schweden sollte man so etwas können, denn ab und an steht dort ein Elch auf der Straße. Wenn das Auto ein gutes Auto ist, umkurvt man den Elch und fährt weiter. Ein schlechtes Auto kippt um. 1997 hat ein schwedischer Autojournalist auf diese Weise eine Mercedes A-Klasse umgeworfen. Seitdem gehört der Test in Deutschland zum Standard. Statt eines Elchs stehen rot-weiße Hütchen auf der Straße.

Ich finde, dass zu einem richtigen Elchtest auch ein Elch gehört. Gerade bei einem Auto aus Schweden. Tatsächlich soll es in Deutschland Elche geben, sogar in der Nähe von Berlin: In Brandenburg, südlich von Beeskow, hat man vergangenen Herbst einen jungen Elchbullen fotografiert. Ein Beamter der Jagdbehörde meinte damals, es gebe mehrere Tiere im Gebiet zwischen Berlin und der polnischen Grenze. Dort fahre ich hin.

Der Volvo S80 ist ein Auto für Sitzzwerge: So richtig tief lässt sich der Sitz nicht einstellen. Wer auf der Landstraße das Navigationssystem bedienen will, verknotet sich die Arme: Die Bedienknöpfe sind auf der Rückseite des Lenkrads. Zur Ausstattung gehört auch eine Sitzlüftung. Eine prima Idee, doch leider sieht das hellbeige, durchlöcherte Leder aus wie das Obermaterial von Seniorenschuhen. Und wofür ist denn der kleine schwarze Kasten zwischen Armaturenbrett und Windschutzscheibe gut?

Wenig später kenne ich die Antwort. Um ein Haar überrolle ich einen Smart, der mir die Vorfahrt nimmt. Der kleine Kasten blinkt hektisch rot, dazu warnt mich ein lauter Signalton. Das ist der eingebaute Bremsassistent. Hinterher lese ich in der Anleitung, dass der Volvo in dieser Sekunde schon mal vorsorglich die Bremsbeläge an die Bremsscheibe angelegt hatte – sodass ich schneller bremsen konnte. Ich mag den Volvo. Er beschützt mich. Bloß einen Elch bekomme ich während der ganzen Fahrt nicht zu sehen.

Technische Daten
Motorbauart: 5-Zylinder-Turbodieselmotor
Leistung: 136 kW (185 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9 s
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
CO₂-Emission: 193 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,3 Liter
Basispreis: 39.980 Euro

 
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