Paläontologie Zähne lügen nicht
Einem Gaul schaut man nicht ins Maul, einem Stichling schon. Zumindest, wenn man Forscher ist und etwas über die Evolution lernen will
Wer hier so bedrohlich das Maul aufreißt, ist kein gefährlicher Raubfisch, sondern ein harmloser Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus). Das abgebildete Fischchen zeigt seine Zähne im Dienste der Paläontologie – als Modell für evolutionäre Veränderungen. Der Fossilienforscher Mark Purnell von der Universität Leicester in Großbritannien hat zusammen mit Kollegen den Stichling und etliche seiner Artgenossen mit unterschiedlicher Kost gefüttert und dann mit einem Elektronenmikroskop den Zustand der Zähne untersucht. Je nach Konsistenz hinterließ die Nahrung unterschiedliche Abnutzungserscheinungen auf den Zahnoberflächen. Der Vergleich der verschiedenen Kratzer und Absplitterungen mit den Spuren auf Zähnen von zehn Millionen Jahre alten Stichlingsfossilien gab den Wissenschaftlern Aufschluss darüber, wie sich diese Fische einst ernährten. So war es erstmals auch ohne den Nachweis von Veränderungen im Körperbau möglich, zu zeigen, dass eine Gruppe von Tieren den Nahrungs- und damit ihren Lebensraum wechselte.
- Datum 29.02.2008 - 04:09 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.02.2008 Nr. 10
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