Auslandsstudium Wo, bitte, geht es nach Europa?
Wer im Ausland studieren will, hat viele Fragen. Die wichtigsten Antworten
Wohin soll die Reise gehen?
Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums macht sich immer gut im Lebenslauf – egal, ob er letztlich nach Rumänien, Spanien oder Mexiko führt. Bei Personalchefs zählt vor allem, dass die Zeit im Ausland sinnvoll genutzt wird, etwa im Studium oder bei einem Praktikum. Bei der Wahl des Ortes kann es helfen, sich über die eigenen Ziele klar zu werden: Wer eine Fremdsprache lernen oder perfektionieren will, sucht sich meist ein anderes Land aus als jemand, der exotische Lebensweisen kennenlernen möchte. Andere versuchen, an möglichst renommierte Adressen zu kommen, etwa an eine der Spitzenunis in Großbritannien oder den USA. Eines haben alle gemeinsam, die den Mut zum Auslandsstudium aufbringen: Sie beweisen ihr Organisationstalent und zeigen, dass sie über den Tellerrand schauen können. Das kommt auch bei künftigen Arbeitgebern gut an.
Wie organisiert man den Auslandsaufenthalt?
Der einfachste Weg ins Ausland führt über etablierte Programme wie etwa Erasmus, die den Studenten schon bei der Vorbereitung helfen und bei denen die Einschreibung an der Gasthochschule nur noch eine Formalität ist, ohne langwierige Absprachen. Anspruchsvoller sind die Auslandssemester für diejenigen, die sich ihr akademisches Programm auf eigene Faust zusammenstellen: Free Movers heißt diese Gruppe im Jargon der Bildungsexperten. Sie müssen von der Wohnung bis zum Studienplatz alles selbst organisieren. Manchen Studenten bleibt aber trotz des Aufwands gar nichts anderes übrig: Je exotischer etwa die Zielländer sind, desto unwahrscheinlicher ist es, ein maßgeschneidertes Programm für sein Vorhaben zu finden. Eine Empfehlung aber gilt nach Expertenansicht für alle Studenten, die ins Ausland gehen: sich Kommilitonen zu suchen, die gerade am eigenen Zielort studieren oder kürzlich von dort zurückgekommen sind. Deren Erfahrungen helfen bei der Planung und können Fehler bei der Vorbereitung verhindern.
Werden die Leistungen aus dem Ausland anschließend hier in Deutschland anerkannt?
Wer zu Zeiten von Magister und Diplom ins Ausland ging, musste anschließend oft mit seinen Dozenten um jeden einzelnen Schein feilschen. Heute ist die Lage dank der internationalen Abschlüsse Bachelor und Master übersichtlicher. Viele Studenten rutschen allerdings in die Kreditpunkte-Falle: Sie glauben, dass Seminare, für die sie nach dem europäischen ECTS-System ihre Punkte bekommen, automatisch auch in Deutschland gelten. »Für die Anrechnung kommt es aber darauf an, ob die Veranstaltung ins Profil des heimatlichen Studiengangs passt«, sagt der Bildungsrechtler Peter Wex von der FU Berlin. Im Klartext: Wenn das Pädagogikstudium daheim ein Seminar zur Erwachsenenbildung vorschreibt, muss die Veranstaltung im Ausland den gleichen Schwerpunkt haben. Wex empfiehlt: »Man sollte vor seiner Abreise mit dem Studiendekan absprechen, welche Fächer an der ausländischen Universität zum heimischen Lehrplan passen, und sich das per Mail bestätigen lassen.«
Wann ist die beste Zeit für einen Auslandsaufenthalt – und wie lang sollte er sein?
Früher war es die Zeit nach dem Vordiplom, in der die meisten Studenten in die Fremde gezogen sind. Mit der Bologna-Reform verschiebt sich das Zeitraster ein wenig. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) beobachtet eine eindeutige Tendenz: »Bachelor’s degree at home, Master’s degree abroad«, heißt es in einer Studie. Vielen Studenten ist das Curriculum im Bachelorprogramm zu eng gestrickt, um dazwischen noch für ein oder zwei Semester die Heimathochschule zu verlassen. Wichtiger als der Zeitpunkt ist nach Expertenmeinung aber ohnehin die Dauer des Auslandsaufenthaltes. »Wir empfehlen, für mindestens ein Semester zu gehen«, sagt Siegbert Wuttig vom DAAD. »Erst dann sind nachhaltige persönliche und fachliche Entwicklungen zu erwarten.«
Was genau verbirgt sich hinter »Erasmus«?
Erasmus ist der Klassiker unter den Studienprogrammen. Mit ihm will die EU den Austausch von Studenten aus ganz Europa vorantreiben: Allein aus Deutschland fahren pro Jahr 24000 Studenten auf dem Erasmus-Ticket in Ausland – Tendenz steigend. Häufig allerdings reicht das Geld nicht für den Lebensunterhalt aus. Der große Vorteil indes ist, dass die Austauschstudenten viel Rückendeckung bekommen – von der Organisation eines Wohnheimplatzes bis zur Einschreibung an der ausländischen Uni. Wer Interesse hat, muss sich meist direkt an seiner Heimathochschule bewerben. Wichtig dabei ist die frühe Planung: Von der ersten Infoveranstaltung bis zur Abreise vergeht üblicherweise mindestens ein Jahr.
Was sind eigentlich Mobilitätsfenster?
In immer mehr Studiengängen sind ganze Semester dafür reserviert, dass die Studenten eine neue Hochschule kennenlernen – das sind die sogenannten Mobilitätsfenster. Mit ihrer Hilfe ist das Auslandssemester bestens mit der Heimathochschule verzahnt, die Studenten verlieren keine Zeit bis zum Abschluss.
Wie lässt sich das Auslandssemester finanzieren?
Ein Auslandsaufenthalt kann ins Geld gehen. Wer etwa nach Skandinavien will oder in Metropolen wie Paris oder London, muss mit höheren Lebenshaltungskosten rechnen als in Deutschland – die Tickets für den Weg in die neue Heimat nicht mitgerechnet. Eine Möglichkeit ist, sich im Ausland einen Job zu suchen, innerhalb der EU ist das kein Problem. Doch die eleganteste Variante für die Finanzierung des studentischen Abenteuers sind Stipendien. Neben Erasmus gibt es viele andere Geldquellen: Eine zentrale Anlaufstelle ist der DAAD, der in deutschen und ausländischen Städten Beratungsstellen unterhält. Hilfreich ist die DAAD-Stipendiendatenbank unter www.daad.de. Dort sind Dutzende Programme verzeichnet mit jeweils eigenem Schwerpunkt, für den Amerikafahrer bis zum angehenden Maschinenbauer.
- Datum 17.03.2008 - 07:58 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.02.2008 Nr. 10
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