Der Lautstärke-Spitzenwert im Klassenzimmer beträgt bis zu 86 Dezibel – das entspricht in etwa dem Lärm einer stark befahrenen Hauptstraße. Im Saarland fallen wegen Stimmproblemen der Lehrer schätzungsweise 11.000 Unterrichtsstunden pro Jahr aus. Gut 30 Prozent der Lehrer zeigen Burn-out-Symptome, weitere 30 Prozent fühlen sich überfordert. Gefährdet sind besonders die wenig Motivierten und gerade nicht die Engagierten. Forscher stellen die These auf, dass viele, die sich ausgebrannt fühlen, vermutlich nie für ihren Beruf "gebrannt" haben. Die hohe Belastung führt auch dazu, dass viele Lehrer nicht bis zum regulären Pensionsalter arbeiten – wobei hier ein positiver Trend festzustellen ist. Mittlerweile halten 35 Prozent bis zum Ende durch – 2000 waren es nur sechs Prozent. Allerdings liegt das auch an den inzwischen eingeführten Pensionskürzungen für Lehrer, die wegen Dienstunfähigkeit ausscheiden. Während es 2000 64 Prozent waren, ist es heute noch knapp ein Drittel, das sich deshalb pensionieren lässt.

Beruf für Aufsteiger

"Traditionell ist der Lehrerberuf ein typischer Aufsteigerberuf – insbesondere für Frauen", sagt Andreas Gold. Nur jeder vierte bis fünfte Lehrer, aber etwa die Hälfte der Ärzte und Juristen hat einen Vater aus der oberen Dienstklasse, die die höheren Ränge der akademischen Berufe, der Verwaltungs- und Managementberufe umfasst. Ein Viertel aller Lehrer stammt aus dem Arbeitermilieu. Und sie engagieren sich stark gesellschaftlich: 64 Prozent sind Mitglied in einer Vereinigung aus den Bereichen Sport, Politik oder Kirche, fast 18 Prozent sogar in mehr als zwei.

Verlegenheitsstudium Lehramt

Es sind nicht gerade die Leistungsstärksten eines Abiturjahrgangs, die sich für ein Lehramtsstudium entscheiden: Durchschnittlich sind ihre schulischen Leistungen niedriger als die von Kommilitonen, die in den gleichen Fächern einen Magister- oder Diplomabschluss anstreben. Andreas Gold beobachtet "ein Gefälle des intellektuellen Leistungspotenzials": Die Entscheidung für ein Lehramtsstudium sei nicht selten eine Negativauswahl, weil sich die Bewerber ein Fachstudium nicht zutrauten. Für 25 Prozent aller Studienanfänger ist das Lehramtsstudium nur eine Notlösung. Und bei mehr als 50 Prozent rangieren pragmatische Motive wie ein überschaubares Studium und ein sicherer, familienfreundlicher Job weit oben. Deswegen plädieren Experten dafür, das Studium anspruchsvoller zu gestalten, um die Besten damit zu locken. Initiativen wie Teach First Germany, das die Leistungsstärksten eines Jahrgangs für den Lehrerberuf gewinnen will, oder das Programm "Lehrer als Beruf" der Studienstiftung des deutschen Volkes, das sich unter ihren Stipendiaten besonders um die Lehramtsstudenten kümmert, versuchen genau das. Problematisch ist auch, dass der Anteil an Migranten bei nur 0,85 Prozent liegt. Ein neues Stipendienprogramm der Hertie-Stiftung will daher verstärkt Migranten in den Lehrerberuf holen und sie besonders fördern.