Zu viele Geisteswissenschaftler

Nachdem die Zahl der Lehramtsstudenten von 1996 bis 2000 stark zurückgegangen war, ist das Interesse seitdem wieder gestiegen. Im Wintersemester 2006/07 waren rund 208.800 Studenten in einem Lehramtsstudiengang eingeschrieben – gut zehn Prozent aller Studierenden. In der Beliebtheitsskala stehen die Sprach- und Kulturwissenschaften an erster Stelle: Rund 60 Prozent belegten ihr erstes Studienfach in dieser Fächergruppe. Nur 22 Prozent wählten hingegen ein Hauptfach im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften. Abgeschlagen steht an dritter Stelle der Fachbereich Sport mit rund sechs Prozent der Lehramtsstudenten.

Gute Jobchancen für Naturwissenschaftler

Der Klage über Lehrermangel darf man nicht pauschal Glauben schenken. Erstens werden wohl wegen der knappen Länderhaushalte und sinkender Schülerzahlen nicht alle frei werdenden Lehrerstellen auch wieder besetzt werden, außerdem erhöht sich die Arbeitszeit der bereits Beschäftigten, und die Pensionierung wird hinausgeschoben. Der Bildungsforscher Klaus Klemm hat bei einer Personalversorgung wie derzeit üblich einen Lehrerbedarf von etwa 22.000 jährlich bis 2015 errechnet, was etwa der Zahl der Einstellungen 2007 entspricht. Entscheidend ist letztendlich, für welche Schulart und welche Fächer man sich entscheidet: Gymnasial- und Grundschullehrer sind weniger gefragt als Berufsschul-, Hauptschul- und Realschullehrer. Während der Bedarf an Deutsch- und Geschichtslehrern gedeckt ist, werden Lehrer für Naturwissenschaften (außer Biologie), Informatik und teils auch für Englisch und Kunst händeringend gesucht.