Das Letzte

Lange ist die Zeit her, dass Fernsehgeräte Tizian, Rembrandt oder Raffael hießen (wahrscheinlich, um auf das gute Bild aufmerksam zu machen). Es war die Zeit, als Autos nach Flüssen (Fiat Neckar) oder Mittelgebirgen (Ford Taunus) getauft wurden und Musiktruhen nach Komponisten (Grundig Verdi). Das Museum für Neue Kunst in Freiburg will nun unter dem Titel »ArtBrands« die bohrende Frage nach dem Zusammenhang von Kunst und Marketing stellen. Wir sind uns allerdings nicht sicher, ob die Ausstellung das Prinzip der kulturhistorischen Adelung von Industrieprodukten richtig verstanden hat - die ersten bekannt gewordenen Exponate sprechen eher dagegen. Denn ob die Pralinen, die Giotto, oder die Wiener Würstchen, die Goya heißen, wirklich die Kenntnis der apostrophierten Maler voraussetzen, ist mehr als fraglich. Und warum sollte ein Hundefutter namens Beuys nicht einfach den Namen des Fabrikanten tragen? Wenn wirklich der Bezug zu dem Künstler gesucht worden sein sollte, müsste es sich doch wohl eher um Schakalfutter handeln. Andererseits wollen wir nicht strenger als die Altvorderen sein. Gab es jemals eine Garantie, dass der Musikschrank Verdi italienische Opern mit größerem Schwung spielte als etwa Wagner? Und was war mit dem Schaub-Lorenz Balalaika? Hatte er sich auf Zupfinstrumente spezialisiert, während der Telefunken Hymnus mit Liedertafeln brillierte? Nach solcher Logik müsste Goya der Name für eine Horrordroge sein und Q-Tips nach, nun ja, Van Gogh heißen. Da loben wir uns doch das vorsichtige Versprechen, das Graetz mit seiner Musiktruhe Grazioso machte. Der Fiat Neckar war ja auch kein Amphibienfahrzeug, und noch ist kein Klappmesser mit Namen Cellini auf den Markt gekommen. Die einzig zwingende Engführung von Bezeichnung und Produkt ist aus Portugal bekannt. Dort nennt man die Gummizungen, mit denen man die Reste aus Teigschüsseln kratzt, nach dem Diktator Salazar, seines legendären Geizes wegen. Wenig zuverlässig dagegen ist das Städteranking, das Blaupunkt traditionell mit den Namen seiner Autoradios versucht - warum sollte Bremen teurer sein als Hamburg und Essen? Um lokalpatriotische Ressentiments zu bedienen, brauchen wir kein Produktmarketing. Finis

 
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