Henning P. Schäfer Der Sterndeuter
Anfang Dezember bildete sich die Konstellation »Uranus Quadrat Mars« am Sternenhimmel. Für Henning P. Schäfer ein deutliches Warnzeichen.
»Gold steht kurz vor dem Tief«, mahnte der Mann mit dem sanften Lächeln und dem schwarzen Rollkragenpullover. Auf den Seiten eines Rohstoff-Forums im Internet sorgte die Nachricht tatsächlich für Diskussionen. Schäfer ist Börsenastrologe und errechnet den Verlauf des Goldpreises aus der Umlaufbahn der Planeten. Am 7. Dezember werde der Goldkurs einen Tiefststand erreichen, prognostizierte er, oder aber am 5. oder am 10. Dezember.
Der Goldpreis ließ sich davon wenig beeindrucken. Er hat sich aus einer Kursdelle von Ende November wieder erholt und danach sogar ein neues Rekordhoch markiert. Ist Finanzastrologie also nur Hokuspokus?
Oder war das eine Ausnahme, und die Kurse bewegen sich langfristig tatsächlich im Gleichklang mit den Gestirnen?
Astrologiegläubige verweisen auf die 5000 Jahre alte Tradition der Sterndeutung und sagen: Was am Himmel passiere, finde seine Entsprechung hier unten auf der Erde. Selbst legendäre Figuren der Finanzgeschichte wie der Bankier J. P. Morgan, der 1913 starb, hätten sich bei ihren Transaktionen auf die Kraft der Vorhersage verlassen.
Morgan prägte den Satz: »Millionäre engagieren keine Astrologen, Milliardäre tun es.«
In den USA haben Börsenhoroskope Hochkonjunktur. Bei uns indes sind sie eher eine Randerscheinung. Aber eine lukrative, jedenfalls für die Astrologen. Für ein persönliches Zwölf-Monats-Depot-Horoskop blättern Schäfers Kunden 100 Euro hin. Oft lägen die Prognosen richtig, haben Finanzmarktprofessoren festgestellt. Aber das liege weniger an der Qualität der Horoskope, sondern eher an der Zahlen- und Wortakrobatik der Astrologen. Häufig seien die Prognosen so schwammig formuliert, dass sie die Realität immer ungefähr träfen, egal was an den Börsen passiere.
- Datum 28.02.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.10 vom 28.02.2008, S.33
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