Familienpolitik Die Legende von der Kinderlosigkeit

Wenn der Staat will, dass die Zahl der Geburten zunimmt, sollte er die Großfamilien besser fördern

Familie Sturm wohnt dort, wo Berlin laut und touristisch ist. Wo abends mehr Menschen unterwegs sind als vormittags. Wo es viele Bars, aber wenige Spielplätze gibt. Die Mieten sind hoch in den Hackeschen Höfen, einem ehemaligen Schlachthofgelände mit vielen Geschäften und einem Kino. In den sanierten Altbauwohnungen dort erwartet man nicht unbedingt junge Eltern mit vier kleinen Kindern.

Aber es passt zu den Sturms, das nicht Erwartbare zu tun. Die beiden Eltern sind jung, haben eine gute Ausbildung, kreative Berufe und trotzdem kleine Kinder – allein das unterscheidet sie schon von vielen Freunden. »Wenn wir lange gegrübelt und gerechnet hätten, wären wir wahrscheinlich immer noch nicht Eltern«, sagt Tobias Sturm, Vater von Fabian, 6, Elias, 4, Amelie, 2, und Louis, 3 Monate. Es ist angenehm ruhig in der 120-Quadratmeter-Wohnung der Familie. Viel Holz, helle Stoffe. Auf dem Esstisch stehen Früchtetee und Kekse aus dem Bioladen.

Die Eltern Sturm kannten sich drei Jahre, als ihr Sohn Fabian zur Welt kam. Tobias Sturm war 23, seine Frau Dana 30. »Es funktionierte ziemlich mühelos mit unseren Jobs, und wir fanden das Leben mit kleinem Kind so großartig, dass wir nicht genug davon kriegen konnten«, sagt Dana Sturm. Beide sind Musiker, er spielt Geige im Orchester der Berliner Staatsoper, sie unterrichtet an der Uni. Manchmal geben sie gemeinsam Konzerte, allerdings nicht in letzter Zeit.

Seit Louis da ist, hat Tobias Sturm seine Arbeitszeit reduziert, und Dana Sturm arbeitet höchstens ein paar Stunden pro Woche. Das Budget reicht dank einiger Ersparnisse trotzdem für 1.300 Euro Miete, für die Privatschule des Ältesten, für Cellounterricht und für Sommerferien auf der Nordseeinsel Amrum. Es reicht nicht für ein Auto oder für viel Abendprogramm außer Haus mit Babysitter. »Wenn Geld für eine Nanny da wäre, hätten wir wahrscheinlich sogar noch ein fünftes Kind«, sagt Dana Sturm.

Mehr Geld, mehr Kinder – diese Rechnung klingt eigentlich banal. Die Reichen und Mächtigen hatten immer schon reichlich Nachwuchs. Adlige Familien sind auch heute häufig kinderreich, arme Handwerker hingegen mussten schon in vergangenen Jahrhunderten auf Kinder verzichten. Doch für die meisten Industrieländer schien die Gleichung zuletzt nicht mehr zu stimmen, auch nicht für Deutschland. Hierzulande bekommen diejenigen viel Nachwuchs, die wenig Einkommen und oft auch eine geringe Bildung haben. Fast 40 Prozent aller Frauen unter 47, die Mütter von vier oder mehr Kindern sind, müssen mit einem Einkommen auf dem Niveau von HartzIV oder darunter auskommen. Das steht in einer Studie des Familienministeriums. Fast 60 Prozent sind es, wenn man auf die Jüngeren unter diesen Frauen schaut, auf die zwischen 27 und 33 Jahren. Grundlage für solche Berechnungen ist das Gesamteinkommen der Familie – egal, ob die Mutter vom eigenen Gehalt, dem Einkommen des Ehemannes oder von staatlichen Hilfen lebt.

Umgekehrt bekommen gut ausgebildete – und häufig gut verdienende – Frauen hierzulande besonders wenige Kinder. Je nach Statistik liegt der Anteil der kinderlosen Akademikerinnen bei rund 30 Prozent. Am Geld für die Kita oder die Kinderfrau scheiterte es also nicht, dass diese Frauen keine Familien gründeten.

Das alles sprach in den vergangenen Jahren für eine Familienpolitik, die beiden Gruppen helfen sollte. Sie begann mit der SPD-Ministerin Renate Schmidt während der rot-grünen Regierungsjahre und wurde später von der CDU-Nachfolgerin Ursula von der Leyen fortgesetzt. Die berufstätigen Mütter sollten durch bessere Betreuungsangebote gestützt werden und auch durch die sogenannten Vätermonate, die ihren Männern Lust auf Zeit mit ihren Kindern machen sollte. Den Familien in Armut sollten Bildungsangebote und Sachleistungen helfen, beispielsweise Schulspeisungen oder Starter-Pakete für Schulanfänger.

Als überholt galt dagegen, einfach Geld an Familien zu überweisen, etwa als höheres Kindergeld. Kaum ein Land zahle davon so viel wie Deutschland und habe dennoch so niedrige Geburtenraten, sagt Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Er will das Kindergeld auf keinen Fall erhöhen. Die Familienministerin und die CDU sehen das aber anders. In der Großen Koalition ist ein Streit entstanden, der wohl noch bis zu einer Entscheidung im Herbst dauern wird.

Von der Leyen fordert mehr Geld für Großfamilien. Heute werden für das erste und zweite Kind jeweils 154 Euro im Monat gezahlt und ab dem dritten Kind 179 Euro. Die Ministerin will die Höhe der Leistungen noch stärker von der Kinderzahl abhängig machen und beruft sich dabei auf neue Untersuchungen. Eine stammt vom Berliner Soziologieprofessor und Familienexperten Hans Bertram. Die Studie, die der ZEIT vorliegt, stellt einiges infrage, was Familienpolitiker momentan für richtig halten.

Zwei überraschende Befunde stehen in dem Gutachten. Erstens: Die Bedeutung der Kinderlosigkeit in Deutschland wird überschätzt. Zweitens: Direkte Geldleistungen bringen vermutlich mehr für die Steigerung der Geburtenrate, als bisher vermutet wurde.

Apotheker und Landwirte haben mehr Kinder als Software-Entwickler

»Die genauere Analyse«, heißt es in der Studie, »macht deutlich, dass der größte Teil des Geburtenrückgangs in Deutschland auf den Rückgang der Mehrkindfamilie zurückzuführen ist.« In allen europäischen Ländern gebe es diese Entwicklung, in Deutschland sei sie aber besonders stark. Das liege vor allem daran, dass es hierzulande sehr wenige Familien mit drei Kindern gebe. »Waren es bei den 1935 geborenen Frauen noch 20 von hundert Frauen, die drei Kinder hatten, sind es heute noch etwa 12 Prozent«, rechnet Bertram vor. In den Nachbarländern sind es 18 bis 22 Prozent. Dass Frauen mit Hochschulabschluss sich gegen Kinder entscheiden, komme hierzulande aber nicht viel häufiger vor als etwa in den Vereinigten Staaten, behauptet Bertram. »Entgegen der öffentlichen Debatte ist die Kinderlosigkeit von Frauen mit Hochschulabschluss deutlich zurückgegangen, nämlich von 40 Prozent in 1971 auf rund 30 Prozent in 2004«, heißt es in der Studie. Sie hänge weniger vom Bildungsstand als von der Branche ab, in der die Leute arbeiteten. Je traditioneller das Berufsbild, desto höher die Geburtenzahl. Apotheker, Ärzte und Landwirte haben mehr Kinder als Webdesigner oder Software-Entwickler.

Was also müsste sich ändern, damit es in Deutschland mehr Großfamilien gibt? Der wichtigste Grund dafür, dass dritte Kinder in Deutschland so selten sind, liegt auf der Hand: die langen Bildungszeiten.

Wenn Paare erst nach langer Berufsausbildung und einer Anlaufphase im ersten Job als Mittdreißiger mit der Familiengründung beginnen, wird die Zeit für das dritte oder vierte Kind häufig knapp. »Wir haben einige Freunde, die uns beneiden, weil wir mit den Kindern so früh angefangen haben«, sagt der Berliner Musiker Tobias Sturm. »Diese Freunde sind jetzt Anfang 40, haben ein oder zwei Kinder und sagen: Mensch, ein drittes hätten wir bestimmt auch noch gepackt. Und jetzt ist es zu spät.«

Neben den Studienzeiten kommt es auf die staatliche Förderung an. Der Familienexperte Bertram empfiehlt das französische Modell. Im Nachbarland werden alle Eltern mit mehr als zwei Kindern mit starken Steuernachlässen unterstützt. Das lockt auch viele Gutverdienende. Insgesamt ist die französische Geburtenrate mit 1,9 Kindern pro Frau deutlich höher als in Deutschland, wo sie bei etwa 1,3 Kindern pro Frau liegt. »Beim ersten und manchmal beim zweiten Kind kommt es auf die Betreuungsangebote an, weil die Eltern ihr Leben möglichst wenig verändern und gerade die qualifizierten Frauen schnell zurück in den Job wollen«, sagt Bertram.

Doch bei der weiteren Familienplanung schauen die Eltern auf das Geld. »Plötzlich läuft die Waschmaschine häufiger und ist schneller kaputt, die Familie braucht eine größere Wohnung und ein anderes Auto«, sagt auch Familienministerin von der Leyen, die selbst aus einer Großfamilie stammt und sieben Kinder hat.

Vor allem fällt mit der Geburt des dritten oder vierten Kindes fast immer ein Einkommen der Eltern weg. Meistens entscheidet sich die Mutter, aus dem Job auszusteigen. Die Betreuungsangebote für kleine Kinder sind dann nicht mehr ganz so wichtig, dafür zählt jeder Cent in der Haushaltskasse – also auch ein höheres Kindergeld.

Klavierunterricht, Hockeyverein, Judo, Rudern, Nachhilfe, Babysitter: Ulrike Tannen, 44, fallen jede Menge Ausgaben für ihre vier Kinder ein, die zusammen dazu führen, dass die Familie seit Jahren am Urlaub sparen muss. Mehr als eine Woche Ostsee war selten drin. Die beiden ältesten Kinder sind schon aus dem Haus und haben eigene Wohnungen, für den Jüngsten, der gerade fünf ist, zahlt die Familie Kita-Gebühren.

Ulrike Tannen hat ein Studium als Gartenbauingenieurin hinter sich und eine Ausbildung zur Berufsschullehrerin, aber Vollzeit wird sie auf absehbare Zeit wegen der Kinder nicht arbeiten. Auch das spürt die Familie am Budget. »Vier Kinder, das bedeutet eben Einschränkungen«, sagt Tannen. »Nur wenn beide gut bezahlte Akademiker sind, sichere Jobs und eine gute Kinderbetreuung haben, dann ist das Leben als große Familie wirklich entspannt.«

Das Modell ist immer noch selten – aber im Kommen, sagt Tanja Merkle vom Sinus-Institut in München. Offenbar ändern sich die Kinderwünsche von Gutverdienenden: Immer häufiger trauen sich hochqualifizierte Paare auch das dritte oder vierte Kind zu. »In bestimmten Milieus ändert sich die Einstellung – die große Familie steht für ein erfolgreiches Leben, das dritte oder vierte Kind ist ein Statussymbol«, so Merkle. Wie in Frankreich.

»Manchen reicht es schon, wenn ihre Kinder nicht kriminell werden«

Im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung hat Merkle mit ihrem Kollegen Carsten Wippermann eine in dieser Woche erscheinende umfangreiche Untersuchung über das Lebensgefühl von Eltern in Deutschland erstellt – ein ernüchterndes Dokument. »Deutschland scheint auf dem Weg in eine neue Klassengesellschaft zu sein«, schreiben die Autoren, »und die erste Trennungslinie sozialer Abgrenzung verläuft heute zwischen aktiven Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, sie bewusst erziehen und intensiv fördern, gegenüber Eltern, die die Entwicklung ihrer Kinder laufen lassen.« Die einen bezahlen Privatschulen, organisieren Sport-, Musik- und Nachhilfeunterricht und reiben sich bei der Förderung ihres Nachwuchses auf, die anderen »sind oft schon zufrieden, wenn die Kinder nicht kriminell oder schwanger werden«, schreiben die Autoren.

Nur ganz oben und ganz unten in der Gesellschaft sieht man die Familienplanung entspannt – die einen überlassen die Betreuung großenteils bezahltem Personal, die anderen erwarten nicht viel. Es sei kein Zufall, dass auch bei diesen beiden sonst so unterschiedlichen Milieus das dritte, vierte oder fünfte Kind häufiger geboren werde, sagt Christine Henry-Huthmacher, Familienexpertin der CDU-nahen Stiftung: »Die Mittelschichtseltern fühlen sich extrem unter Druck, hier geht der Trend eher zu einem als zu zwei Kindern, weil man sich sonst der Aufgabe nicht gewachsen fühlt.«

Selbst Dana Sturm hat vor der Geburt ihrer Tochter Amelie darüber nachgedacht, ob eine Familie mit mehr als zwei Kindern »in Deutschland nicht doch irgendwie als Sozialfall gilt und auch manchmal so behandelt wird«.

Solche Gedanken kennen die meisten kinderreichen Eltern. Auch Kirstin Spiegler hat Bemerkungen gehört, von Nachbarn, von fremden Menschen im Bus oder in der U-Bahn: »Asozial, so viele Kinder.« Sie wohnt mit ihren sechs Kindern und Freund Simon in einer Plattenbausiedlung in Berlin-Hellersdorf. In den Wendejahren hat die 36-jährige Ostdeutsche eine Ausbildung zur Elektromonteurin gemacht, dann kamen die Kinder, und sie jobbte nur noch ab und zu, meistens als Packerin in Kaufhäusern. Sie sitzt am Rand eines Spielplatzes, auf dem der 23-jährige Simon mit ihren Söhnen Fußball spielt. Viel mehr Freizeitprogramm geht nicht. »Zoo oder Schwimmbad können wir nicht bezahlen, und Urlaub für alle gab es noch nie«, sagt Spiegler. Die Familie lebt von den 1300 Euro Gehalt des Bundeswehrsoldaten Simon plus knapp 1.000 Euro Kindergeld. Würde Spiegler allein leben, hätte sie Anspruch auf HartzIV, pro Kind bekäme sie knapp 50 Euro mehr. Arbeitslose bekommen in Deutschland mehr Geld pro Kind als Geringverdiener – auch deshalb will von der Leyen das Kindergeld erhöhen.

Die Familie Spiegler aus Hellersdorf hat mit den Sturms aus Berlin-Mitte wenig gemein – außer einer gewissen Sorglosigkeit bei der Familiengründung. Fünf Söhne und eine Tochter, das war nicht geplant, die Kinder kamen eben. »Und abtreiben wollte ich nicht«, sagt die Mutter. Die Gründung einer Großfamilie kann eine Folge von Selbstbewusstsein oder von Nachlässigkeit sein.

Ob die Regierung Eltern dabei finanziell unterstützen will, hängt vor allem von ihren familienpolitischen Zielen ab. Soll sich vor allem die soziale Lage von Problemfamilien bessern? Dabei helfen Sachleistungen und Bildungspolitik. Geht es darum, jungen Erwachsenen bei der Familiengründung zu helfen? Das wäre ein Argument für das Elterngeld.

Das Kindergeld ist aber offenbar besser als vermutet bei einem Ziel, das neu ist in der deutschen Politik. Es könnte dazu beitragen, dass auch in der Mittelschicht mehr Kinder geboren werden.

 
Leser-Kommentare
  1. ..wenn ich für das dritte Kind 179 Euro bekäme. Ich habe nochmal nachgeschaut, aber es sind wirklich nicht mehr als 154 Euro pro Kind, auch bei drei Kindern.Ich bin allerdings eine "untypische" Mutter -nicht nur, dass ich der Mittelschicht angehöre und trotzdem drei Kinder habe -außerdem ist noch der Abstand zwischen den Kindern ziemlich groß, und ich lasse es mir nicht nehmen, mein Kleinkind betreuen zu lassen und wenigstens ein bisschen zu arbeiten. Unser Krippenplatz -den ich glücklicherweise habe- ist mir mein gesamtes Einkommen wert, und ich habe ihn lieber als 25 Euro mehr Kindergeld oder ähnliche Späße (er ist wohl auch eher mit monatlich 300 Euro subventioniert, wenn man Kosten und Elterngebühren gegeneinander abschätzt).

  2. Für die ersten 3 Kinder werden 154 Euro bezahlt, ab dem  4. Kind sind es 179 Euro. Allerdings ist das Kindergeld keine volle Sozialleistung, sondern zum großen Teil rückerstattete Steuer, die der Staat auf das sächliche Existenzminimum der Kinder erhoben hat. Kinderbetreuung ist sehr wichtig, auch für Familien mit 3 und mehr Kinder. Aber dies sollte wie Theater, Polizei etc. von allen bezahlt werden.Das Existenzminimum für Kinder wurde ohnehin nicht im gleichen Maß angepasst wie das für Erwachsene (siehe Grafik). Insofern ist der Anteil den die SPD für Betreuung abziehen will schon längst nicht mehr vorhanden. Wenn das Existenzminimum der Kinder aber wie das für Erwachsene gestiegen wäre, bekämen viel mehr Familien das Geld was Ihnen zusteht (weil für mehr Familien dann der Freibetrag günstiger wäre). Die Erhöhung der Sozialleistungskomponente des Kindergeldes wäre dann einfach zu finanzieren. Quellen:Informationen zu Steuer und FamilieZehn Jahre Existenzminimumsbericht - eine Bilanz

  3. Es war in einem Hörfunknachrichtensender unserem besten in Österreich,im Ö1.Die Ursachen einer Feldstudie über die Ursachen der Unfruchtbarkeit wurden veröffentlicht.Speziell auch wir Männer sindauch zunehmend betroffen:Stress,Rauchenaber auch der direkter und indirekter Kontakt mit SpritzmittelnRauchen als Ursache für Aborte etc bei Frauen wird ebensostark unterschätzt.Ich war für 5 Jahre Arzt in einer Gegend wo 2/3 des Landesbiologisch bewirtschaftet wurde.Speziell die Bauernfamilienwaren oft mit fünf Kindern gesegnet.

    • Kometa
    • 29.02.2008 um 10:04 Uhr

    Wer wie ich 1944 in eine zehnköpfige Familie (mit acht Kindern) hineingeboren wurde und mit Geschwisitern leben gelernt hat, kann keine vergleichende Aussage mehr machen mit den heutiger Bedürfnissen und Aufrufen nach Kindereien: Das war faschistischer Zwang, gepaart mit religiöser Idiotie. Die Situation damals: arm, kinderreich, katholisch, Landarbeitermilieu, politische Perversion und Endzeitrüstung - bei gleichzeitiger absoluter Selbstständigkeit der Mutter für Versorgung, Nahrungsfürsorge, Einhütung und Pflege und Einübung und Einordnung.   Was heute da als Liebe oder Familie oder Daseinsbewältigung praktiziert ist, reicht wie ein Gummiband, das nicht reißfest ist von herrschsüchtig bis beliebig und unselbstständig. Es wurde und wird (fast beliebig nach sich bietender Hoffnungssitaution oder Männergelegenheit...): * verhütet,* abgetrieben,* hormonell beschleunigt,* selektions-genetisch optimiert,* verwahrlost,* Die medizin-technische Verfügbarkeit von gynäkologischer Durchsuchbarkeit - von Hormen, Sperma (... oder Staatsknete) kreuzt sich seltsam mit unvollendeten Vorstellungen und Begehren nach befriedigter Eigenkörperlichkeit, Manipulierbarkeit und simultaner oder virtueller Verfügbarkeit von optimierten Kindchenschemata (ob als Barbie, ob als Autoattrappe, ob real-physiologisch im Leib,ob im Medium Film oder in der unter die Lupe und ins Begehren genommenen Gestalt der gezüchteten, und gedopten Stars. Unterscheidungen hinsichtlich der Realitätsstufen von Begehren, Bedürfen und Entsagung sind nicht Teil der Aufklärung geworden. Sie hätten im Vorbild der Eltern vermittelt werden müssen. Berechnung oder Pech für die Kinder, die jetzt gewollt oder nicht gewollt werden sollen.   ~ *Es gibt nur immer das Kind in sich, das manundfrau gebären will. - Die Aufzucht macht schon Arbeit. Da setzt schon nach zehn/zwölf Monaten die Verkrippung an. - Wie diese Kinder diese Hospitalisierung den Müttern (nicht den unerreichbaren Vätern...) heimzahlen werden, ist keine Staatasaufgabe, sondern Schicksal der langlebigen Mütter am Wenderost in der Endstation Pflege. (... - Ja! Ich weiß: Abtreibung sollte ja sein, weil Kinderchen sich geliebt fühlen können sollten. Die Ausrede werden die wund liegenden Seniorinnen nicht mehr auf den Lippen haben...)

  4. Die Antwort mag als nicht "politically correct" angesehen werden. Ist aber, vielleicht gerade deshalb, wissenschaftlich-empirisch und logisch, stichhaltig.Demgegenüber steht einzig ein schädliches humanistisches Menschenbild, durch archaische Religionen in unserem Unterbewußtsein zementiert und durch aktuelle Politik katalysiert.Wohlsituierte Menschen haben weniger Verlangen nach Kindern, weil Selbstwertgefühl und Selbstentfaltung durch Wohlstand gesichert sind. Beruf und Hobbies haben Priorität. Diese sorgen für Selbsterfüllung.Arme und ungebildete Menschen haben weniger erfüllende Berufe und weniger Möglichkeiten zur Gestaltung der Freizeit. Selbsterfüllung, ja Lebenssinn, kann oftmals nur durch Kinder erreicht werden.Selbst ohne Details, wie ungewollte Schwangerschaften durch höhere Risikobereitschaft, bewußt oder unbewußt mangelnde Verhütung und den geistigen Mangel, die lebenslangen Konsequenzen von Kindern zu kalkulieren, ist mit einfachen Worten zu sagen :Arme und ungebildete Menschen haben Sexualität oft als kostengünstigstes und jederzeit verfügbares Erfüllungsinstrument. Die resultierenden Schwangerschaften werden als Lebenssinnstiftend, vor allem von Frauen, gesehen. Konsequenzen des Kinderreichtums, insbesondere Probleme der Ernährung und Ausbildung der Kinder können oder wollen nicht kalkuliert werden.Deutschland ist dabei nur in der Größenordnung anders als Afrika oder Mittelasien.

  5. [Entfernt wegen Doppelpostings./ Die Redaktion; ew]

  6. ...so wichtig ist mein Beitrag nicht, daß ich ihn 2x senden wollte ;)

  7. Sehr geehrte Frau Niejahr,die Steuerung der soziallagenspezifischen Fertilitätsraten ist natürlich ein sehr zentrales und wichtiges Thema.Man sollte es ohne jede moralinsaure Note abarbeiten - das fällt in allen pseudodemokratischen Systemen generell sehr schwer.Selbstverständlich ist es unter den gegebenen, sich weiter verschärfenden, ökonomisch, massenmedial-konsumptionalen sozio-politischen Bedingungen völlig unsinnig die soziallagenspezifischen Fertilitätsraten der bildungsfernen Soziallagen erhöhen zu wollen. Das ist eine sehr traurige aber leider auch sehr zutreffende Analyse. Das kann man im Einzelnen detailliert begründen, was hier nicht erforderlich ist.Es wird leider in den kommenden Jahrzehnten zu einer demographischen, kulturellen ökonomischen und politischen Asiatisierung/Indisierung der europäischen und amerikanischen Staaten kommen, da wird die soziallagenspezifische Fertilitätsratensteuerung leider keine maßgebliche Abhilfe schaffen können.Verdeckt oligarchisch, soziallagenspezifische Argumentationen sind derzeit dennoch en vogue - ja das ist eben nun mal so in einer Pseudodemokratie. Damit kann man leben.Axel Arnold Bangert Herzogenrath 2008

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