LÄNDERSPIEGEL ZUM BEISPIEL Jürgen Grahmann
Altenburg/Leipzig
Zwei Jahre ist es her, dass Jürgen Grahmann, 46, die Geschäftsführung des kommunalen Flugplatzes der Kleinstadt Altenburg im äußersten Osten Thüringens übernahm. In dieser Zeit hat das Flugplätzchen eindrucksvolle Wachstumsraten erzielt. Allein im Jahr 2007 stieg die Zahl der Passagiere um ein Drittel auf 140000, »in sieben Jahren sollen es 500000 sein«, sagt Grahmann. Doch nun ist der ehrgeizige Flugplatzleiter an eine Grenze gestoßen. Der Name Altenburg ist für seinen Mega-Airport zu klein geworden, ein neuer musste her. Grahmann blickte sich um und entdeckte im benachbarten Bundesland Sachsen, gerade mal 50 Kilometer entfernt, eine auch überregional bekannte ostdeutsche Metropole. Nun heißt Jürgen Grahmanns Kommunalflugplatz Leipzig-Altenburg Airport, ein Name, den sein Erfinder »europaweit zu kommunizieren« gedenkt.
Ein weniger kühner Geist als Grahmann hätte vor dieser Entscheidung möglicherweise die Leipziger konsultiert, vielleicht auch mal einen Vertreter des Leipziger Flughafens, der im Jahr übrigens 2,7 Millionen Passagiere zählt. Doch Grahmann lässt mitteilen, er sehe für solche Gesten »keine Notwendigkeit« - im Übrigen sei zweifelhaft, ob die Stadt Leipzig überhaupt Rechte am eigenen Namen besitze.
Zu Grahmanns Verdruss zeigen sich die Leipziger bislang wenig geneigt, den zweiten »Airport«, der ihnen da über Nacht zugewachsen ist, angemessen zu würdigen. Von einer »geografischen Irreführung der Fluggäste« ist nun die Rede, von einer Beschädigung des »touristischen Images« und von einer Unterlassungserklärung, die Grahmann unterzeichnen solle. Schon lässt die Stadt die urheberrechtlichen Ansprüche am eigenen Namen prüfen.
Doch die Zeit arbeitet für Jürgen Grahmann. Bald wird die Autobahnverbindung A72 von Chemnitz nach Leipzig fertiggestellt. Dann wird man mit dem Auto von seinem Altenburger Flugplatz bis ins Leipziger Zentrum nur noch gut 20 Minuten brauchen. Und schneller geht es vom Leipziger Flughafen auch nicht.
- Datum 28.02.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.10 vom 28.02.2008, S.11
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