ZEITSPIEGEL Knick in der Kritik

In Frankreich erprobt man dieser Tage offenbar neue und diskrete Möglichkeiten der Zensur. Mitarbeiter der Buch- und Presseladenkette Relay sollen die Anweisung erhalten haben, bei 600 Werbeplakaten der Wochenzeitung Courrier International den oberen Rand umzuknicken. In dem Falz verschwand eine Titelzeile der aktuellen Ausgabe, die den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy als »ce grand malade«, diesen großen Kranken, bezeichnete.

Wer die Order zum Wegknicken ausgegeben hat, ist nicht bekannt, aber vom Eigentümer der Relay-Läden, Arnaud Lagardère, weiß man, dass er sich selbst als »Bruder« des Präsidenten sieht. Auch in der Werbeabteilung der Pariser Verkehrsbetriebe RATP scheint Sarkozy gute Freunde zu haben. Dort hatte man zunächst Änderungen an dem Plakat verlangt und sich schließlich komplett geweigert, es aufzuhängen.

Begründung: Man wolle keine Polemik in der Metro.

Die Journalisten des Courrier International haben die Vorfälle als »Akt der Zensur« verurteilt und zeigen sich besorgt. Der Medienkonzern Lagardère hält Anteile an der Le-Monde-Gruppe, die auch den Courrier International herausgibt.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.10 vom 28.02.2008, S.2
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  • Schlagworte Nicolas Sarkozy | Zensur | Frankreich | Präsident
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