Rückzugsgefecht
Eine Schulform stirbt. Allmählich setzt sich auch in der CDU die Meinung durch, dass die Hauptschule langfristig keine Überlebenschance hat. Offiziell singt die Partei noch das Hohelied der einstigen Schule des Volkes. In vielen Bundesländern aber bastelt sie an Modellen, ebendiese zu überwinden.
Die neueste Variante stammt aus Baden-Württemberg, der neben Bayern wichtigsten Bastion des dreigliedrigen Schulsystems. Hier will Bildungsminister Helmut Rau erstmals den gemeinsamen Unterricht von Haupt- und Realschülern gestatten. Vorerst gilt die Erlaubnis nur für wenige Einrichtungen. Dennoch zeigt die Nachricht, dass die Reform der Schulstruktur selbst den beharrungsstarken Süden erreicht hat. Und Raus Vorstoß wird nicht der letzte sein.
In Hamburg wollen die Parteigenossen gleich alle Schulformen außer dem Gymnasium in einer Stadtteilschule vereinen. So verschwindet die Hauptschule wie von selbst. Derzeit gibt es sie zwar noch in zehn Bundesländern, ein Hauptschulpreis zeichnet sogar jährlich das Engagement aus, mit dem sich Lehrer um die leistungsschwächsten Schüler bemühen. Die Eltern überzeugt dies jedoch nicht mehr. Sie haben den Glauben an diese Schulform verloren. Nichts zeigt das besser als die massiv zurückgehenden Anmeldungen an den Hauptschulen des Landes.
- Datum 28.02.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.10 vom 28.02.2008, S.37
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