Im Ausland studieren möchten viele, um die Landessprache vor Ort zu lernen. Dass sie die schon vorher perfekt beherrschen sollen, leuchtet da nicht wirklich ein. Aber genau das verlangen mittlerweile etliche Hochschulen auf der ganzen Welt, und zwar nicht nur Eliteunis: Einen Zulassungsbescheid erteilen sie nur, wenn entsprechende Sprachkenntnisse vorliegen – und die gehen weit über den Vokabelschatz des Grüßens, Zuprostens und Flirtens hinaus.

Um nachzuweisen, dass man sich auf dem neuen Campus nicht nur mit Händen und Füßen verständigen kann, fordern die meisten Unis aktuellere Nachweise als eine Zwei im Leistungskurs. Und weil so viele Studenten auf die Bescheinigung angewiesen sind, hat sich ein großer Markt für Sprachtests entwickelt.

Den bekanntesten hat die Firma Educational Testing Service (ETS) mit Sitz in Princeton, New Jersey erfunden. Schon seit den siebziger Jahren führt sie den TOEFL-Test durch, der Englischkenntnisse auf akademischen Niveau bescheinigt – oder eben nicht. TOEFL steht für »Test of English as a Foreign Language« . Auf seine Ergebnisse verlassen sich mittlerweile mehr als 6000 Unis in 110 Ländern.

An australischen und neuseeländischen Hochschulen ist auch das International English Language Testing System (IELTS) , eine Alternative des British Council Berlin, gern gesehen. Und bei Bewerbungen im außerenglischen Sprachraum haben sich der Chinese Proficiency Test (HSK) , das Diplôme d’Etudes en Langue Française (DELF) oder das Diploma de Español como Lengua Extranjera (DELE) etabliert.

Doch keiner dieser Tests hat bislang den Bekanntheitsgrad des TOEFL erreicht. Um möglichst viele Studenten dort prüfen zu können, wo sie ohnehin eingeschrieben sind, hat ETS 4000 Testzentren weltweit errichtet, 38 davon in deutschen Unistädten. Anmelden kann man sich nicht vor Ort, sondern online oder über eine Telefon-Hotline in den Niederlanden – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und bis zu zehn Stunden vor Testbeginn.

Dass dieser Service nicht kostenlos ist, liegt auf der Hand. Doch wie viel für den Test tatsächlich berechnet wird, dürfte den gebührengeplagten Studenten dennoch schockieren: 155 Dollar (104 Euro) für vier Stunden Sprachlabor; und noch mal 25 Dollar obendrauf, falls die Anmeldung drei Tage vorher oder noch kurzfristiger eingeht. Wer den Termin verschieben will, ist weitere 50 Dollar los – per Kreditkarte und im Voraus.

Dass ETS sich bei diesen Preisen als Non Profit Organisation bezeichnet, wundert da schon. »Dafür schicken wir die Ergebnisse direkt an die Hochschulen im Ausland und speichern die studentischen Daten zwei Jahre lang, falls es zu neuen Bewerbungsrunden kommt«, sagt Holger Creutzburg, stellvertretender Direktor des ETS-Länderbüros für Deutschland und Österreich.