Stürme, Fluten, Blitze: Extremes aus der Atmosphäre

Oft bewegt sich das Wetter in gut erträglichen Grenzen: etwas Regen für den Landwirt, etwas Sonne für den Büromenschen, eine muntere Brise für den Surfer, klarer Sternenhimmel für den Hobbyastronomen. Doch manchmal verbünden sich Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Temperatur zu einmaligen Konstellationen und ein Wetterextrem wird geboren. Nicht immer ist dann ein Messinstrument vor Ort. Als sicher gilt, dass in Wirbelstürmen höhere Windgeschwindigkeiten auftreten können als die 372 km/h, die 1934 auf dem Mount Washington registriert wurden. In Tornados soll sich die Luft mit bis zu 500 km/h drehen. Nur hat das noch niemand zuverlässig gemessen. In den USA wacht eine Behörde über Wetterrekorde, das National Climate Extremes Committee. So hatte die US Airforce im Dezember 1997 eine 380 km/h schnelle Bö in einem Taifun auf der Pazifikinsel Guam gemessen. Doch der Rekord wurde nicht anerkannt. Das verwendete Anemometer war durch gleichzeitig auftretenden Starkregen unzuverlässig geworden.

Der Hurrikan Katrina hat der westlichen Welt mit der Zerstörung von New Orleans bewiesen, welche Kraft in einem tropischen Wirbelsturm steckt. In seinem Auge kann der Luftdruck bis auf 870 Hektopascal beziehungsweise Millibar sinken, rundherum rotiert die Luft bis in einer Höhe von 20 Kilometern gegen den Uhrzeigersinn auf der Nordhalbkugel, andersherum in der südlichen Hemisphäre.

Auf der Erde entladen sich zu jedem Zeitpunkt rund 2000 Gewitter. In Deutschland sind es je nach Region 15 bis 35 jährlich an einem Ort, in Bogor auf der indonesischen Insel Java wurden dagegen 322 Gewittertage in einem einzigen Jahr gezählt. Blitze erzeugen die höchsten Temperaturen, die natürlich auf der Erde vorkommen: bis zu 28000 Grad Celsius. Zum Vergleich: Die Temperatur im Erdkern liegt bei 5000 Grad.

Der höchste durchschnittliche Niederschlag pro Jahr wird auf der Hawaii-Insel Kauai gemessen. Den heftigsten Regen verzeichnete aber mit 1870 Millimetern in 24 Stunden die Insel Réunion im Indischen Ozean. Am trockensten ist es mit 0,7 Millimeter Niederschlag pro Jahr in der ägyptischen Oase Dachla.

Den meisten Sonnenschein gibt es wiederum ganz woanders: im US-Bundesstaat Arizona mit 4040 Stunden pro Jahr. Nur 478 Stunden zeigt sich die Sonne dagegen im Jahresdurchschnitt auf den Südorkneyinseln vor der Antarktis.

Die höchste Temperatur wurde mit 57,3 Grad Celsius im libyschen El Asisija gemessen, die niedrigste (minus 89,2 Grad) auf der Antarktisstation Wostok. Dort wurde mit minus 55,1 Grad auch die niedrigste Jahresdurchschnittstemperatur aufgezeichnet.

Die größte Temperaturspanne innerhalb eines Jahres findet sich dagegen in Werchojansk in Sibirien: minus 70 Grad im Winter, plus 36,6 Grad im Sommer.

Das weltgrößte Hagelkorn fiel am 22. Juni 2003 in Aurora, Nebraska, vom amerikanischen Himmel. Sein Durchmesser betrug 17,8 Zentimeter.

Den höchsten Versicherungsschaden richtete mit fast 2 Milliarden Dollar ein Hagelsturm am 10. April 2001 in St. Louis, Missouri, an.

200000 demolierte Autos und 70000 beschädigte Gebäude wurden am 12.

Juli 1984 nach einem Hagelsturm in München gezählt, der Schaden summierte sich auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Der Wintersturm Kyrill war viel teurer. 2007 verursachte er in Europa Schäden von über 7 Milliarden Euro. Teuerstes Unwetter aller Zeiten war der Wirbelsturm Katrina mit 150 Milliarden Dollar. Die meisten Todesopfer gab es bei Unwettern in Asien: Allein im 20. Jahrhundert starben mehrere Millionen Menschen bei Überschwemmungen des Jangtse in China, 1970 500000 infolge des Zyklons Bhola in Bangladesch.

Wetterbeobachtungen wurden schon vor über 3500 Jahren in Mesopotamien schriftlich festgehalten. Seit dem 14. Jahrhundert sind tagebuchartige Wetteraufzeichnungen aus England bekannt. 1781 wurde die Wetterwarte auf dem Hohenpeißenberg im Alpenvorland gegründet. Diese älteste Bergwetterstation verfügt heute auch über die weltweit längste ununterbrochene Messreihe.

 
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