US-Wahl Das letzte Gefecht
Was passiert, wenn Hillary Clinton auch die Vorwahlen in Texas und Ohio verliert?
In Hillary Clintons Hauptquartier in Arlington, am Rande von Washington, starren die Mitarbeiter derzeit unruhig auf zwei große Landkarten. Die Bundesstaaten Texas und Ohio müssen bei den Vorwahlen am Dienstag den Vormarsch von Barack Obama aufhalten, sonst droht Clintons Präsidentschaftskampagne das Aus.
Rote und blaue Flächen zeigen an, wo Hillarys Bastionen liegen: im Süden von Texas, wo besonders viele Latinos leben, die sich noch dankbar daran erinnern, dass es ihnen unter Bill Clinton in den neunziger Jahren besser ging. Und im nördlichen Ohio, rund um die Not leidenden Industriestandorte, wo viele Familien wohnen, die nicht wissen, wie sie ihre nächste Ölrechnung und die Hypothekenzinsen bezahlen sollen. Die kleinen Leute setzen ihre Hoffnungen eher auf die hemdsärmelige und politisch beschlagene Hillary Clinton als auf den immer noch rätselhaften Verzauberer Barack Obama.
Doch auch diese Clinton-Hochburgen könnten kommende Woche fallen. Weit weg vom Hauptquartier, dort, wo der Wahlkampf sich abspielt, begreift man, warum. Wie in Kalifornien, in Nevada oder New Mexiko sind auch die Hispanics aus Texas zwar meist Demokraten und den Clintons wohlgesonnen. Aber – und das ist neu! – wahrscheinlich nicht so unbedingt, wie man im Clinton-Lager hoffte.
Denn es sind vor allem die älteren Hispanics, die das Präsidentenpaar Bill und Hillary verehren, für die jüngeren sind die neunziger Jahre Geschichte. Sie wollen keine Familiendynastie, wünschen sich andere Gesichter, eine neue Politik und begeistern sich für Barack Obama, wie die meisten jungen Amerikaner. Gehen sie massenhaft wählen, wird Hillarys Vorsprung schrumpfen. In El Paso an der mexikanischen Grenze will laut neuesten Umfragen nur noch ein Drittel für die ehemalige First Lady stimmen, ein weiteres für den schwarzen Senator aus Illinois, und das letzte Drittel ist unentschieden.
Auch in Ohio wird es für Hillary Clinton jetzt eng. Zwar liegt sie noch sieben Prozentpunkte vor Obama, aber er holt auf. Zudem hat er gerade im Bundesstaat Wisconsin bewiesen, dass er auch in ihrer Stammwählerschaft wildern kann, bei weißen Frauen, älteren Leuten – und, was für Clinton besonders schmerzlich ist, auch bei Arbeitern, bei den Mühseligen und Beladenen.
Sie würden sich zwar freuen, zöge wieder ein Clinton ins Weiße Haus ein. Wichtiger aber ist es für sie, dass im Herbst tatsächlich ein Demokrat gewinnt und endlich den Geldhahn etwas aufdreht, damit Dollars aus der Bundeskasse in die verödenden Industriestädte fließen. Die Menschen hier wollen vor allem eines: auf einen Sieger setzen. Und laut Umfragen hat Obama die besten Chancen, den Republikaner John McCain, den wahrscheinlichen Gegenkandidaten, zu schlagen.
Die schlechten Botschaften machen auch die Clintons mürbe. Hillary klingt mal kämpferisch-trotzig, mal bereits resignierend-wehmütig. Und Bill verkündet, sollte seine Frau Texas und Ohio nicht gewinnen, sei es vorbei. Die Parteiführer der Demokraten hoffen heimlich, dass es wirklich so kommen möge und das Wahlvolk am 4. März endlich die Entscheidung trifft.
Denn nichts fürchten die Granden mehr, als ein Patt zwischen den beiden Kandidaten, das nur noch die Partei und die von ihr ernannten Superdelegierten auflösen können. Frau oder Afroamerikaner? – sollten das die Hierarchen bestimmen müssen, droht auf dem Nominierungsparteitag ein Konflikt, der die Partei vor eine Zerreißprobe stellt.
Zweimal schon wäre eine von Amerikas großen Parteien wegen Selbstzerfleischung beinahe untergegangen. Im Wahlkampf 1968 zerbrach die Demokratische Partei fast am Vietnamkrieg und über die Hinterzimmerpolitik bei der Auswahl des Präsidentschaftskandidaten. 1912 waren die Republikaner gefährlich zerrissen gewesen. In den Vorwahlen hatte der ehemalige Präsident Theodore Roosevelt seinen Nachfolger William Taft geschlagen. Doch ein fragwürdiges Delegiertenverfahren und Kungeleien auf dem Parteitag führten zur Nominierung Tafts. Verärgert kehrte Roosevelt seinen Republikanern den Rücken und gründete seine eigene Partei.
Eigentlich müssten die Demokraten auf ihren Wahlkampf 2008 stolz sein, denn sie schreiben Geschichte. Nach 220 Jahren präsentieren sie erstmals keinen weißen Mann für das Weiße Haus. Ihre zwei außergewöhnlichen Bewerber ziehen Hunderttausende in den Bann und spiegeln Amerikas Gesicht frischer und authentischer wider als die Republikaner.
Aber die Partei verzweifelt schier an diesem Glück, denn um keinen Preis will sie eine der für sie so wichtigen und zugleich sensiblen Gruppen verprellen: weder die Frauen noch die Schwarzen noch die vielen jungen Menschen, die in Scharen und mit leuchtenden Augen zu den Veranstaltungen und in die Wahlkabinen strömen.
In Clintons Hauptquartier herrscht derweil dicke Luft, Türen knallen, und alte Rechnungen werden beglichen. Einige Mitarbeiter schauen sich bereits nach einem neuen Job um. Es ist zu viel schiefgelaufen. Der Kampagne fehlte vom ersten Tag an die große, mitreißende Botschaft. Erfahrung, Ehrgeiz und die Fähigkeit, Ärmel hochzukrempeln, reichen nicht, wenn nach acht Jahren George W. Bush ein grundlegender Wandel und ein neuer Politikertypus verlangt wird.
Statt eine Volksbewegung für die erste Präsidentin Amerikas ins Leben zu rufen und allein Hillary in den Mittelpunkt zu stellen, spielt man die große Retro-Show »Bill und die goldenen Neunziger«. Oft geht es mehr um ihn als um sie. Das ruft die Frage wach: Welche Rolle wird der umtriebige Ex-Präsident im Weißen Haus spielen, sollte Hillary tatsächlich ins Oval Office einziehen? Das alte Clinton-Motto »Ihr kriegt zwei für den Preis für einen« klingt nicht mehr sehr verlockend.
Hillarys Wahlkampfmanager waren zu siegesgewiss und zu arrogant. Es fehlten Pläne und Geld für den Fall, dass Vorwahlen verloren gehen sollten. Das Clinton-Lager dachte, spätestens am 5. Februar, am Super-Dienstag, als 22 Staaten wählten, hätte man Obama vernichtend geschlagen.
Jetzt hat er nicht nur elf Vorwahlen in Folge gewonnen und führt in den nationalen Umfragen, sondern bedroht sogar Clintons letzte Bastionen. Ihr texanisches Wahlkampfbüro in El Paso ist in einem ehemaligen Bestattungsinstitut untergebracht. Entweder werden ihre Anhänger hier am 4. März das Ende der Hillary-Kampagne betrauern oder ihre Wiederauferstehung feiern.
- Datum 03.03.2008 - 12:13 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.02.2008 Nr. 10
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Also wenn das nicht symbolisch ist! Irgendwie ist es pathetisch, die letzten Zuckungen der mit so viel Bombast begonnenen Kampagne im TV mitzuerleben. Schon sehr früh lief manches schief. Die von Bill Clinton 1992 mit Erfolg ausgeprobte Überrumpelungstaktik klappte nicht, und weit über 100 Millionen wurden schon vor dem großen Desaster in Südkarolina verschwendet, wo man den großen Sieg erwartet hatte. Eine Planung für die Zeit nach Südkarolina gab es daher gar nicht, Konfusion regierte, die Managerin wurde gefeuert und durch eine andere ersetzt. Nach elf Obama-Siegen hintereinander setzte Hillary auf Erdrutsche in Ohio und Texas, die das "Wunder" vollbringen sollten. Doch nun sieht es bestenfalls nach einem knappen Gewinn aus, der Obamas Vorsprung kaum beeinträchtigen kann.
Für mich, aus der Ferne, scheint Obama ein Sprücheklopfer zu sein ohne genaue Fachkenntnisse wie man so ein großes Land , wie die USA führen kann. Da er einer ist mit Afro Vergangenheit wird er womöglich den Weißen in voreilenden gehorsam sehr treu sein. Zumal die Wahlgelder zumeist aus diesen Quellen stammt.
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