Was tun mit Serbien?
Brandsätze auf westliche Botschaften in Belgrad, Barrikaden, brennende EU-Fahnen. Serbische Demonstranten haben unter Zuspruch einiger Regierungsmitglieder alle Register gezogen, um ihre Wut über das unabhängige Kosovo und seine Geburtshelfer USA und EU zu zeigen. Das beruhigt sich wieder, sagt man in Brüssel und glaubt: Tadi wird es richten. Der moderate Präsident wird sein Land schon wieder auf Beitrittskurs bringen.
Mag sein. Muss aber nicht sein. Zumindest nicht so schnell. In Serbien ist ein Machtkampf zwischen Moderaten und Hardlinern im Gang. Dabei geht es nicht nur um EU-Beitritt oder Bruderschaft mit Moskau, sondern auch um Korruption und Arbeitslosigkeit, Probleme, bei denen Tadis Partei nicht gut abschneidet. Womöglich gewinnen die Nationalisten diesen Machtkampf in der nächsten Runde. Entgegen herrschender Meinung in Brüssel würde das nicht den Untergang des Landes, sondern ein zugegeben hässliches Zwischenspiel bedeuten. An dessen Ende stünde vermutlich die Einsicht, dass es sich in den Armen der Schutzmacht Russland gut auf den Westen schimpfen, aber nur schlecht wirtschaften lässt. Was nicht heißt, dass Brüssel den Dingen ihren Lauf lassen kann. Aller Erweiterungsmüdigkeit zum Trotz muss die EU Serbien eine klare Perspektive auf Vollmitgliedschaft bieten und gleichzeitig ein paar klärende Worte riskieren: Serbien hat das Kosovo nicht verloren, weil der böse Westen das Völkerrecht missachtet hat. Sondern weil serbische Truppen dort Kriegsverbrechen begangen haben. Und weil Belgrad den Kosovo-Albanern bis heute keine Geste der Entschuldigung angeboten hat.
- Datum 28.02.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.10 vom 28.02.2008, S.5
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