Kolumne Wörterbericht
Kinderdöner
Worum uns Ausländer beneiden, wofür sie uns hassen, ist die Fähigkeit der deutschen Sprache zu Substantivkoppelungen, deren berühmteste der Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän ist. Dass die Koppelung ihre Tücken hat, konnte man neulich an der Überschrift Kinderarmut in Deutschland sehen. Ist das die Armut von Kindern oder die Armut an Kindern? Das zusammengesetzte Substantiv verlangt vom Leser einen reichen Schatz an Erfahrung. Er weiß, dass eine Messingschraube aus Messing, eine Holzschraube aber nicht aus Holz gemacht, sondern für Holz gedacht ist. Zwar ist ein Steinhaus aus Stein gebaut, aber ein Architektenhaus nicht aus, sondern von Architekten, und ein Zweifamilienhaus nicht von zwei Familien, sondern für zwei Familien. Der Leser G. aus Hamburg schickt uns das Foto einer Imbissbude, die folgendes Angebot macht: »Chickendöner 2,50 €, Kinderdöner nur 2,00 €«. Haben wir es hier mit einem extremen Fall von Kindesmissbrauch zu tun? Übrigens ist das Wort »Chickendöner« sehr schön. Es gibt sie, die multikulturelle Gesellschaft. Ulrich Greiner
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- Datum 27.02.2008 - 06:50 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.02.2008 Nr. 10
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