Marktwirtschaft
Zivilisiert den Kapitalismus!
Man muss die Marktwirtschaft unter allen Umständen erhalten – aber man muss ihr auch Grenzen setzen. Nachdruck einer Rede aus dem Jahr 1996
Steuer- und Korruptionsskandale häufen sich in Deutschland, und die Zustimmung der Bürger zur marktwirtschaftlichen Ordnung schmilzt. Leben wir in einer Gesellschaft der Gier? Marion Gräfin Dönhoff, bis zu ihrem Tod im März 2002 Herausgeberin der ZEIT, beschäftigte sich mit dieser Frage bereits in einer Rede, die sie 1996 in Dresden hielt. Ihr Plädoyer für einen neuen Bürgersinn hat nichts an Aktualität eingebüßt. Wir drucken es leicht gekürzt nach.
Während der Hitler-Zeit haben wir uns nach dem Rechtsstaat gesehnt, nach Freiheit und Gerechtigkeit. Im östlichen Teil Deutschlands hat man noch vierzig Jahre länger auf diese Segnungen warten müssen. Schließlich war es eines Tages für uns alle soweit; doch nun entdecken wir, daß zwar die Voraussetzungen gegeben sind: Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Pluralismus, daß die Gesellschaft aber keineswegs so ist, wie wir sie uns gewünscht haben und wie wir sie auch nach dem Ende der totalitären Regime für selbstverständlich hielten.
Warum ist das so? Was fehlt denn? Worauf haben wir all die Zeit gewartet? Antwort: Auf die civil society , eine zivile Gesellschaft also. Aber was wir bekamen, ist eine reine Konsumgesellschaft, manche sagen, eine Raff-Gesellschaft.
Ich glaube, wir müssen uns über eins klar sein: Liberalismus und Toleranz, die Vorbedingungen der civil society , sind dem Menschen nicht von Natur aus angeboren, er muß erst dazu erzogen werden, durch Elternhaus, Schule und Gesellschaft. Die Eigenschaften Liberalismus und Toleranz wie auch die Bürgergesellschaft sind ein Ergebnis der Zivilisation. Erst die Aufklärung, der Ausbruch aus der, wie Kant sagt, »selbstverschuldeten Unmündigkeit«, hat die Voraussetzungen für die Bürgergesellschaft geschaffen.
Rule of law , Gewaltenteilung, Pluralismus und Offenheit sind zwar Voraussetzungen, aber sie allein genügen nicht. Es kommt darauf an, was die Bürger daraus machen, auf ihre Gesinnung kommt es an, auf ihr Verhalten und darauf, wie sie ihre Prioritäten setzen. Also: Nicht nur die Regierungen tragen die Verantwortung, jeder einzelne Bürger ist für das Ganze mitverantwortlich.
Die Gesinnung der Bürger, das Klima in der Gesellschaft, hat sich in den verschiedenen Epochen immer wieder gewandelt. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war Europa – ganz Europa – ein geistiger Raum, zu dem Petersburg, Krakau und Prag genauso gehörten wie Rom oder Paris. Damals war Deutschland das geistige Laboratorium Europas, hier war die Heimat von Albert Einstein und Karl Marx, jenen Männern, die die Welt veränderten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stehen dann Wissenschaft, Technik und die großen Erfindungen im Vordergrund. Und nun, in unserer Zeit, nach den beiden Weltkriegen, die so viel zerstört haben, sind es wirtschaftliche Interessen, auf die der Ehrgeiz gerichtet ist: BIP, Produktion, Handel und vor allem Geld. Deutschland ist von einer Kulturnation zu einer Konsumnation geworden.
Noch einmal die Frage: Warum ist unsere Gesellschaft so unbefriedigend, obgleich heute alles, was einen Rechtsstaat ausmacht, gewährleistet ist? Warum treten die Leute aus der Kirche aus? Warum verlieren Parteien und Gewerkschaften Mitglieder? Warum schimpfen die Bürger auf die Politiker und die Politiker auf die Medien? Kurz gesagt: Warum so viel Frust, wo es den meisten so gut geht wie nie zuvor?
Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Wir stehen zweifellos an einer Zeitenwende, die durch Globalisierung, Computertechnologie und elektronische Informationspraktiken gekennzeichnet ist und die wahrscheinlich größere gesellschaftspolitische Veränderungen verursachen wird als seinerzeit das Hereinbrechen des technisch-wissenschaftlichen Zeitalters.
Wir sehen also einer Zeit neuer Ungewißheiten entgegen, und das macht Angst. Im Übrigen, was soll werden, wenn die Arbeitslosigkeit unaufhaltsam wächst, wenn Betriebe nur rentabel werden, indem sie Arbeiter entlassen, Städte nur saniert werden können, wenn sie Angestellte auf die Straße setzen? Ferner die quälende Frage: Was wird aus Rußland werden – drohen neue Gefahren im Osten?
Konkrete Probleme hat es immer gegeben. Heute aber gibt es noch etwas anderes, etwas Unwägbares, ganz und gar Unkonkretes, was die Menschen bedrückt, oft ohne daß sie sich darüber Rechenschaft geben. Alles Metaphysische, jeder transzendente Bezug ist ausgeblendet, das Interesse gilt ausschließlich dem wirtschaftlichen Bereich: Produzieren, Konsumieren, Geldverdienen. Eine Zeitlang war das ganz schön, aber dann spüren plötzlich viele: Dies kann doch nicht der Sinn des Lebens sein.
Allen großen Umbrüchen in der Geschichte sind neue philosophische Erkenntnisse vorausgegangen: Ohne Montesquieus Ideen ist die Französische Revolution nicht denkbar und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auch nicht.
Unser Zeitalter dagegen hat keine geistigen Voraussetzungen. Es gab nur Ideologien, und die sind auch noch pervertiert worden: Die konservative durch Hitler, der alle Wertvorstellungen der Rechten ad absurdum geführt hat, und die der Linken durch Stalins Brutalisierung des Sozialismus. Was übrigblieb, ist die Marktwirtschaft.
Als Wirtschaftssystem ist die Marktwirtschaft unübertroffen. Für eine Sinngebung hingegen reicht sie wirklich nicht aus. Sie ist sehr possessiv. Die Marktwirtschaft beansprucht den Menschen ganz und duldet keine Götter neben sich. Ihr Wesen ist der Wettstreit und ihr Motor der Egoismus: Ich muß besser sein, mehr produzieren, mehr verdienen als die anderen, sonst kann ich nicht überleben.
Die Konzentration auf dieses Prinzip hat dazu geführt, daß alles Geistige, Kulturelle an den Rand gedrängt wird und schließlich immer mehr in Vergessenheit gerät.
Dieser Zustand ist im wesentlichen auf das Zusammenwirken von Säkularisierung und Kapitalismus zurückzuführen, aber es wäre grundverkehrt, nun zu meinen, man könne die Säkularisierung rückgängig machen – das ist unmöglich. Allerdings ist in den letzten zweitausend Jahren die Religion mehrfach abgeschafft worden, das letzte Mal zugunsten der Vernunft während der Aufklärung. In Notzeiten aber haben die Menschen sich ihrer dann erinnert und ihr den legitimen Platz wieder eingeräumt.
Was den Kapitalismus und die Marktwirtschaft angeht, so muß man sie unter allen Umständen erhalten und sie nicht abschaffen wollen – sie müssen nur sozusagen zivilisiert werden. Grenzen müssen gesetzt werden: Freiheit ohne Selbstbeschränkung, entfesselte Freiheit also, endet auf wirtschaftlichem Gebiet zwangsläufig in einem Catch-as-catch-can und schließlich in dem Ruf nach einem »starken Mann«, der alles wieder richten soll.
Im Osten, wo man dies – am deutlichsten in Rußland – beobachten kann, hat man gesehen, daß es keinen Sinn macht, im Kopfsprung aus einer gelenkten Wirtschaft in die freie Marktwirtschaft zu springen und aus einer autoritären Gesellschaft in eine permissive society .
Notwendig ist, daß zuvor gewisse politische Strukturen gesetzt werden. Sonst ist die Folge das Überhandnehmen der Mafia, denn die Rücksichtslosen, die Schlitzohren und die potentiellen Verbrecher, das sind diejenigen, die sich als erste bedenkenlos bedienen.
Aber nicht nur im Osten, auch im Westen sehen wir die Folgen einer Lebensweise, die nur auf den Eigennutz gestellt ist, ohne Verantwortung für das Ganze. Eine Entfesselung aller Begierden ist unvermeidlich: Nie zuvor hat es so viel Korruption bis in die höchsten Kreise gegeben, überall in Europa werden Minister wegen Korruption aus den Kabinetten entlassen.
Das normale Rechtsempfinden, das Gefühl für das, was man tut und nicht tut, ist durch das Fehlen ethischer Grundsätze und moralischer Barrieren so verkümmert, daß man sich fragen muß: Kann eine Gesellschaft unter solchen Umständen überhaupt leben?
Zu allen Zeiten hat es stets jenseits des Sachlich-Positivistischen etwas gegeben, was die Gesellschaft zusammenhielt. In den primitiven Gesellschaften waren es der Ahnenkult oder irgendwelche Traditionen, später dann Religion oder das Bewußtsein gemeinsamer Kultur. In jedem Fall gab es immer etwas, das Verhaltensnormen schaffte, denn ohne sie kann eine Gesellschaft nicht existieren.
Ohne einen ethischen Minimalkonsens wird auch die Brutalisierung des Alltags immer weiter zunehmen; schon heute vergeht kein Tag, an dem die Zeitungen nicht berichten, daß jemand erschossen worden ist, weil er irgendeinem im Wege stand. Oder daß Kinder einen Obdachlosen töteten, um mal zu sehen, wie das ist, oder Halbwüchsige einen Farbigen erschlagen, weil der angeblich hier nichts zu suchen hat.
Daß es so nicht weitergehen kann, ist klar, das Problem ist nur, auf welche Weise können ethische Werte wieder inthronisiert werden – Autorität hilft da wenig und Verordnungen auch nicht. Gibt es überhaupt noch ein potentielles Reservoir an Gemeinschaftsgefühl, das wieder aktiviert werden könnte?
Ich meine, jene Lichterketten, die Millionen von Bürgern bildeten, um gegen die Ausländerfeindlichkeit zu demonstrieren, beweisen, daß Solidarität sehr wohl aktiviert werden kann. Und auch das immer wieder laut werdende Verlangen nach Partizipation, nach mehr Teilnahme an Entscheidungen, macht dies deutlich. Denn es ist ja nicht so, daß die Bürger der Politik überdrüssig sind. Sie finden nur, daß die Politiker engagierter und entschiedener handeln sollten.
Eines allerdings muß man wissen. Es gibt kein System, das eingeführt, keine Aktion, die gestartet werden könnte, um die notwendige Bewußtseinsveränderung hervorzubringen. Sie kann nur durch die Bürger selbst zustande gebracht werden. Es kommt wirklich auf uns an, auf jeden einzelnen von uns.
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(1909 bis 2002)
- Datum 2.3.2008 - 04:49 Uhr
- Serie audio
- Quelle DIE ZEIT, 28.02.2008 Nr. 10
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"Die Klimakatastrophe ist ein moralisches Problem", so Al Gore, und die Steuerhinterziehungen in den weltweiten Oasen ja wohl auch. Wie soll der "Kapitalismus" zivilisiert werden, wenn nicht durch einen größeren Einfluss einer weltweiten Moral bzw. Ethik ? Gräfin Dönhoff hat Hans Küngs Weltethosidee genauso unterstützt wie Helmut Schmidt: siehe www.weltethos.org .Ihr Cousin, Graf Konrad von der Groeben, hat Küng 1995 die Gründung der Stiftung Weltethos ermöglicht. In seinem Buch "Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft" hat Küng sich klar für eine weltweite Ökosoiale Marktwirtschaft ausgesprochen, so dass die Marktwirtschaft durch die Werte "Frieden mit der Natur", "Bewahrung der Schöpfung" oder "Nachhaltigkeit" einerseits und einer "globalen Gerechtigkeit", die verhindert, dass die Schere zwischen Reichen und Armen immer weiter auseinanderklafft, gebändigt, bzw. "zivilisiert" wird. Der InterAction Council ehemaliger Staats- und Regierungschefs, mit Helmut Schmidt als Ehrenvorsitzendem- www.interactioncouncil.org - hat einen neuen Versuch gestartet, einem globalen Ethos über die UNO Ebene in Form einer "Declaration of Human Responsibilities" Nachdruck zu verleihen, sicher gant im Sinne von Gräfin Dönhoff.Das Buch "Weltinnenpolitik für das 21. Jahrhundert" greift diese Bemühungen auf:http://www.sonnenseite.com/index.php?pageID=34&article:oid=a8438&template=article_detail.html&flash=true
Hätte die ZEIT die Rede von Marion Gräfin Dönhoff ohne Verfasserangabe veröffentlicht, niemandem wäre aufgefallen, dass die Gedanken bereits zwölf Jahre alt sind. Vielleicht hätte den einen oder anderen gewundert, wie ausgewogen das Urteil –heute- ausfällt. Die Rede ist auch nicht prophetisch, vielmehr zeigt sie auf, dass wir es mit einem Problem zu tun haben, das schon älter als zehn Jahre ist. Da ist einerseits die Urfrage jeder Zivilisation: kommt der Mensch mit sich allein zurecht oder muss ihm etwas vorgegeben werden? Mit sich allein findet er die biologischen Vorgaben, die schon in Bezug auf Sexualität und Familie auf die anderen verweisen. Aber bedarf er zur Zivilisation einiger Ideen (und welcher), die besonders begabte Mitmenschen entwickelt haben und zur Grundlage der Informationen machen, aus deren zwischen den Menschen erfolgenden Kommunizierung das Gemeinwesen entsteht? Der Blick in die Geschichte sagt ja, ohne dem Einzelnen kollektiv vorgegebene Ideen, die ihm in Bezug auf die anderen (gesellschaftliche) Anweisungen geben, konnte kein Gemeinwesen auskommen. Folgt man dem, gelangt man zu einer anderen Urfrage jeder Zivilisation: gibt es bessere und schlechtere Inhalte solcher Ideen oder ist es schlicht nur deren ordnende Funktion, die das Gemeinwesen entstehen lässt? Auch diese Frage kann man keineswegs eindeutig entscheiden, und noch heute gibt es einige, die zum Beispiel in Hinblick auf Russland sagen, um diesen Staat zu ordnen, bedarf es anderer als unsere westlichen Ideen (wobei wir gerne für unsern Nachbarn stets eine jede Ordnung einem Chaos vorziehen, dessen maffiöse Strukturen sich bis zu uns hin womöglich auswirken). Woran indessen mangelt es uns denn heute? Ganz klar, Rezepte der Vergangenheit, wie im Feudalismus oder einem Gottesstaat (wie etwa im Mittelalter, wo jeder den ihm von Gott zugewiesenen Platz einzunehmen hatte), erscheinen uns als obsolet. Zunehmend ist die Welt dabei, sich auf ein Verfahren zu verständigen, dass wir demokratisch nennen. Diese Demokratie lebt von zwei Verfahrensgarantien. Einmal von der, dass bei Wahlen die Minderheit immer zur Mehrheit werden kann und ebenso die Mehrheit zur Minderheit. Zum anderen von der Herrschaft des Rechts, die bedeutet, dass in Form allgemeiner Gesetze, denen jeder unbesehen seiner Person unterworfen ist, Rechtsicherheit gewährleistet wird. Damit ist im Sinne der zweiten zivilisatorischen Urfrage die ein Gemeinwesen bildende Ordnung ausreichend vorgegeben. Reicht das (und lassen wir etwa Fragen außer Acht, wie wird die Minderheit ansonsten vor der Mehrheit und ihren Entscheidungen geschützt), so kehren wir getrost wieder zur ersten Urfrage zurück, wie kommt der Mensch mit sich allein zurecht, was ihn naturgemäß auf seine biologische Vorgaben beschränkt, das sind seine Triebe und Begierden. Bei den früheren Ordnungen, wie die des Feudalismus oder mehr noch die eines Gottesstaates, waren die Anweisungen eingepackt in ganzen Bündeln weiterer sinngebender Anweisungen. Sie kamen aber allesamt zurecht in Verruf, weil sie vorzüglich geeignet waren, den Sonderwillen einzelner Herrschenden zur deren Wohl zum allgemeinen Willen umzumünzen. Das erklärt unter anderem auch die moderne Werteskepsis. Zudem sind wir eben aufgeklärt und lassen uns daher kein X mehr für ein U vormachen - als ein solcher Versuch aber doch die meisten hehren Ideen entlarvt worden sind. Somit landet man eben bei der bloßen Bedürfnisbefriedigung, wie im Körper biologisch angelegt, oder auch Konsumbefriedigung genannt. Den wichtigsten der uns beherrschenden Triebe, den der Sexualität, haben wir gar zu einem solchen Gegenstand unseres allgemeinen Interesses gemacht, dass seine Abartigkeiten weit mehr interessieren als seine Befriedigung in den biologisch vorgezeichneten Bahnen. Das alles spiegelt sich in den Aufgaben unserer Gesellschaften wieder, auch dort geht es nur noch um Sozialkonsum und Sozialhedonismus, wer bekommt wie viel von wem und wer hat wie viel dazu beizutragen, damit dieses oder jenes Bedürfnis bestens befriedigt wird. Dieser ebenso platte Sachverhalt wird –wie zu allen Zeiten- mit hehren Begriffen verbrämt, nicht mehr Kirche und Kaiser, Volk und Vaterland, nein heute sind es Solidarität und seit einiger Zeit soziale Gerechtigkeit, ebenso beliebig anreicherbare Leerformen, mit denen man den anderen das Begehren auf ihre Mitwirkung leicht begründet. Daher taugt die Rückbesinnung auf die Wahrheiten in Marion Gräfin Dönhoffs Rede nicht zur Ermahnung in der gegenwärtigen Diskussion um Steuerbetrug bei denen, die die Steuern zahlen müssen. Denn die moralisch auf die leichte Schulter genommene Steuerhinterziehung korrespondiert mit den ebenso moralisch auf die leichte Schulter genommenen Eingriffen durch ein willkürliches Steuerecht, einem Gesetzesmonster, das in keinerlei Weise mehr den Anforderungen an allgemein (für jeden unbesehen seiner Person) geltende, Rechtssicherheit gewährende Gesetze genügt und nach demokratischen Verständnis sich als fortgesetzter Missbrauch der Gesetzesform darstellt. Die Fachleute wissen das alle und geben es auch zu, ohne indessen die Politiker zu beeindrucken und die Gerichte versagen zumeist. Summa summarum bleibt es sowohl bei den Einzelnen wie beim Staat dabei, alles dreht sich nur um das Geben und Nehmen, Sozialpolitik begreift sich ausschließlich als Umverteilung, zu denen die betroffenen Zahler aber nicht gefragt werden, und die so gebildete Mehrheit schafft sich mit ihrer demokratischen Mehrheit ihr eigenes Recht und ihre Gerechtigkeit im Wohlstandsstaat. Welche Werte sollte man dann noch einbringen können? In einer Wertediskussion ist der Sozialismus nichts anderes als der Kapitalismus. Wer den Kapitalismus zivilisieren will, muss zuerst beim Sozialismus anfangen, solange sich dieser dadurch definiert, das von den einen Geschaffene auf andere zu verteilen. Denn ansonsten nimmt man den Menschen etwas, was all dieser Diskussion vorangestellt ist: die Freiheit. Jede Gesellschaft lebt aber von der Freiheit zur Tat und nicht von der Freiheit zur Umverteilung und zu wählen, wie man sich von anderen versorgen lässt. Keine Freiheit ist ohne Verantwortung, aber ohne Freiheit gibt es auch keine Verantwortung. Je mehr man also in die Freiheit eingreift, umso mehr mindert man die Verantwortung.
Karsten Cascais
Moralisches Handeln als Pflichtprogramm. Man müsste...mal mit dem Rauchen aufhören, sich mehr bewegen, weniger Essen, nicht mit dem Porsche durch Hamburg brausen, wenn man zu alt für so ein Geschoss ist.Man müsste mal- und warum tut man es nicht ? Waren es die bösen 68ziger, die alle Werte zutrümmert haben, ist es der diffuse Zeitgeist, der darauf besteht: mein Auto, meine Yacht,mein Haus...mein...mein...mein ?Eine Beschwörung der Moral hat die netten Nebeneffekt, man darf sich als Warner fühlen, sich denen überlegen, die nur raffen uns sich sonst unmoralisch verhalten.Man selbst gehört zu den Guten,bekommt dafür von den anderen Lob oder auch Einkommen, wenn man ein Buch darüber schreibt ( der Ehrliche ist der Dumme,aber wenn man damit verdient,wäre es ja dumm,nicht der Ehrliche zu sein ?)Die Anstrengung des Nachdenkens hat man sich auf diese Weise jedenfalls erspart. Diejenigen, die es betrifft, erreichen diese Ermahnungen nicht. Ja,man müsste mit dem Rauchen aufhören, aber es schmeckt doch so. Ja, Raffen ist verderblich, aber ein gefülltes Konto gibt ein befriedigendes Gefühl und schliesslich ist Geld auch Macht, und die ist eine Droge.In einer Gesellschaft moralisches Verhalten zu etablieren, die von vielen Verderbtheiten durchzogen ist, bedarf genauerer Kenntnisse als derjenigen,die preiswerten Appellen zugrundeliegen. Wenn man sich davon einen Einblick verschaffen will,schaut man sich die Arbeit des Instituts von Prof.Wieland aus Konstanz an, dessen Team an Konzepten für Unternehmen arbeitet, die nicht mehr mit Kinderarbeit Geld verdienen wollen oder korruptives Verhalten leid sind. Das sind hochkomplexe Herausforderungen, den sich die Wissenschaftler stellen, damit aus einem Appell Wirklichkeit, denn es gilt immer noch der Satz von Kästner: Es gibt nichts Gutes,ausser,man tut es.
>>Denn ansonsten nimmt man den Menschen etwas, was all dieser Diskussion vorangestellt ist: die Freiheit.<<Hier moechte ich ansetzen. Doch ersteinmal eine Einleitung. Meines Erachtens liegt es menschlichen Bewusstsein. Oeffnet der Mensch es in einer Facette so oeffnet er auch andere etwas weiter. Ist er also ehrlich in einer, da er sich erwischt und aendern moechte, so entdeckt er auch seine Mankos in anderen Lebensfacette die er dann aendern muesste. Und unbewusst und komfortabel wie Mensch nun mal auch lt Deines textes sein darf laesst er sich fallen. Wo hier Freiheit entstehen kann ist mir eine Frage. Wieviele Menschen muessten umdenken? Wie schwer waere es zB dem Menschen die Wahrheit klarzumachen das alles was er empfindet in der Veragngenheit liegt. Jedes was er durch die Sinne wahrnimmt ist vor der Interpretation durch das Gehirn passiert und wurde davor aufgenommen.Sie schrieben etwas von Rechtsstaat, der so aussieht das Menschen mit wenig Geld ins Gefaengnis gehen waehrend andere es nicht muessen. Der ausgebaut ist darauf das etwas erst angeklagt werden muss bevor man einschreitet, egal ob es schon in den Medien und somit gesagt bzw. getan wurde. zB Bahnchef Mehdorn und sein neuerdings konflikt mit dem GG. Das ist nicht alles doch es reicht um nicht stolz darauf zu sein.Sie schrieben ueber die Demokratie. Welche. Wenn man nur alle 4 Jahre etwas dafuer tun darf und ansonsten die Willkuer uebernimmt, wie Sie es dem Mittelalter zuschrieben. Wo eine Kanzlerin eine Gesundheitheitsreform auf kosten von vielen zu gunsten von wenigen. Wo Professoren mit Studien warnten und man nicht nachgab. Es ist dann alles egal die Berater der Kanzlerin sind ja eh kleverer als die Profs.Hierzu noch ein Satz. Ich zahle ersteinmal gerne mit vielen mit wenn ich meinen und noch andere anteile zurueckbekomme.In dieser "Demokratie" wird es moeglich gemacht das mit Steuergeldern, also alle zahlen nur der Reiche prozentual, anteilig mehr als der reiche, Firmen, also die Reichen, sich strukturelle erneuern koennen, das heisst mehr arbeitslose mehrsteuerzahler. Das verdient sogar noch einen Orden in Oekologie und Oekonomie.Umverteielt wird zur Zeit. Nur weil Sie dieses gewoehnt sind saehe auch die pure Gerechtigkeit fuer umverteilung aus. Pure physik nach einstein und ein wunderbare gradmesser unseres gemeinschaftlichen/durchschnittlichen bewusstsein. Und hier rabin startet nachher mein kommentar fuer Sie.Umverteilung ist es gerade, da die gemeinschaft ohne beteiligung, wobei egal, fuer fehler anderer zahlt die Fehler machten. Jedwede Firmenrettung durch den Staat gehoert dazu. Es gab trotzdem arbeitslose und der manager durfte sein gehalt wie auch sein rente behalten. Arbeiter die Fehlerlos blieben mussten haeuser verkaufen. Wo kann hier freiheit entstehen.Umverteilung ist es auch wenn sich jemand beim Fastfood krank ist. Wer zahlt die Zeche die Gemeinschaft, auch Leute die nie einen Fuss in solche Laeden setzten. Was fuer eine Freiheit?Wenn die Mehrheit dafuer zahlt weil sie den Teil des Verzichtes in etwaigen Situationen von den Reichen traegt, da diese sich zu fein sind.Also wo Freiheit anfaengt sollte hier nochmals ueberdacht werden.Und das waere ein sollte das dem rabin nicht passt doch notwendig wird sonst macht amn sich unbemerkt etwas vor und wundert sich nur noch. das fuehrt nur zu verknochert-sein.Ich wuerde ja einsehen das der Mensch kein sollte muss und etc braeucht, haette er mal bewiesen aus vernunft etwas seinzulassen. Aktiv gelernt zu haben. Doch jedwede Revolution lief gewaltig ab. Man erkennt erst spaeter was es vllt. fuer freiheit bringt. zumindestens mehr als heute den heute macht auch geld nicht mehr so frei wie frueher. ;)Maximus Successus
Es ist nur schade das die gräfin Dönnhof die gegenwärtige auswüchse des Kapitalismus nicht sehen konnte.Nach der formel mehrwert zu erschaffen, ist sie nicht mehr an der produktoinsprozess gebunden sondern bedarf nur ihr eigenes dasein.Die erweckung von begierden um den konsum anzutreiben ist zugleich der motor der entwicklung andererseits auch die schonungslose ausbeutung der resourcen.Als letzte konsequenz dessen könnte uns zu Weltbildern führen wie Philipp.K.Dick"Bladerunner" beschrieben.Was wir uns hinterfragen müssen ist vielmehr sind wir am ende unsere weisheit?oder brauchen wir neue Utopien?Als Kapitalismus den Foedalismus abgelöst hat war das ein konsequenz über unser,Welt-Dasein und Menschheitbildes und dessen fortschreiten.Säkularitätsprinzip war die antwort auf die unaufhörlichen verbissen geführten glaubenskriege.Es wäre bestimmt sehr aufschlussreich gewesen wie die Gräfin Dönnhof die gegenwärtige lage,informationsfluss ohne grenzen über internet und dessen nutzung und auswertung durch individuen global,sekundäre&primäre auswirkungen gesehen hätte?Über ihre aussage Freiheit und zugleich die verantwortung des einzelnen kann man nur zustimmen.In einem engen sinne ist wahrnehmung-verarbeitung-umsetzung ein bewusstseinprozess,dass äussere rahmen der wahrnehmungen egal welche --ismen durchlebt wird sollten unser Humanbild entsprechen.Die EU ist zumindest ein positive ansatz:Zusammenschluss von Staaten für Waren-Dienstleistung-Kapital und Personen verkehr ohne Nationalgrenzen und zugleich der wahrnehmungsraum für fortschrittlich Humane werte. Die zukünftigen probleme:Die exponential kurvenmässige anstieg von Klimawechsel,Weltbevölkerung,Verknappung der Resourcen werden eine gemeinsame anstrengung bedürfen um lösungen zu finden.Ob ein zivilisierte Kapitalismus dazu verhelfen vermag,wage ich zu zweifeln.
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