Auch für Sie kommt irgendwann der Moment der Wahrheit. Der, in dem Sie die Tür hinter sich zuziehen, zweimal abschließen und Ihre Wohnung sich selbst überlassen. Geben Sie es ruhig zu: Sie haben sich oft genug gefragt, ob das gut gehen kann!

Sie sind immerhin drei, sechs, neun Wochen weg (geht Ihr Reiseveranstalter pleite, noch länger), und es könnte doch sein, dass der Wasserhahn in der Küche, den Sie nur dieses eine Mal nicht mit aller Kraft zugedreht haben, sich durch den Wasserdruck wieder öffnet. Und erst das Waschbecken flutet. Dann Ihre Küche. Dann Ihre ganze Wohnung. Nur der Balkon, auf dem Ihre Pflanzen verdorren, bleibt trocken, aber das spielt nun auch keine Rolle mehr. Oder, noch schlimmer, der Herd ist nicht aus, obwohl Sie zweimal zur Kontrolle zurückgehetzt sind, das letzte Mal in Begleitung des ungeduldigen Taxifahrers. Oder aber das Bügeleisen…

Wenn Sie in einer halbwegs attraktiven Gegend wohnen, besteht außerdem die Gefahr, dass Ihre Wohnung eben nicht sich selbst überlassen bleibt. Bis zur Abreise haben Sie all diese Panikmeldungen natürlich ignoriert. Meldungen, die, grob vereinfacht, darauf hinauslaufen, dass, noch während Sie das Reisegepäck ins Taxi wuchten, bereits maskierte Gestalten in Ihrem Wohnzimmer darüber fluchen, dass Sie zu geizig waren, das beim Türschloss gesparte Geld in ein Premiere-Abo zu stecken. Auch die Angstmacherei des Sicherheitsfachgeschäfts an der Ecke kam Ihnen lächerlich vor: »Einbrecher machen keinen Urlaub!«

Aber warum sollten Einbrecher keinen Urlaub machen? Vielleicht, denken Sie auf dem Weg zum Flughafen, urlauben sie nur etwas später (um sich von der harten Saison zu erholen) oder etwas früher (um fit für die neu entwickelten Türschlösser zu sein). Möglicherweise beabsichtigt der eine oder andere Einbrecher aber auch, zur selben Zeit zu urlauben wie Sie. Und zwar in Ihrem Haus.

In so einem Fall hilft es nichts, in regelmäßigen Abständen zu Hause anzurufen und zu hoffen, dass die Gangster gut erzogen abnehmen: Wollen Sie von Ihrem Wellnesshotel in Thailand aus tatsächlich mit anhören, wie finstere Gestalten erst Ihre Hausbar knacken und dann im Wohnzimmer den Flat-Screen aus der Wand brechen? Und was würden Sie in dem Fall tun? Sonor dazwischenrufen: »Jungs, hallo! Mehr ist bei mir nicht zu holen, glaubt mir!«? Oder auflegen und die Polizei verständigen? Allerdings die thailändische, denn die deutsche Notrufnummer funktioniert nicht mit Vorwahl. Und die lokalen Thai-Polizisten werden nur im Ausnahmefall ihre Fußpflege unterbrechen, um mit vereinten Kräften ein fremdsprachiges Fax an die Kollegen in Hamburg oder Offenburg zwecks Amtshilfe zu formulieren.

Aber selbst wenn, wird das Fax erst nach Ihrer Rückkehr eintreffen, und die deutschen Beamten werden in Ihrer Wohnung nicht die Einbrecher, sondern Sie verhören: Warum Sie während Ihrer Abwesenheit den Rasen nicht gemäht haben? Das Badezimmerlicht nicht angelassen haben? Die Rollläden wie ein blutiger Urlaubslaie verrammelt haben, statt dafür zu sorgen, dass sie sich regelmäßig heben und senken? Und was, zum Teufel, dieser Zettel an der Tür sollte: »Bitte keine Zeitung, mache Ferien«?

Sicher, nicht jeder verfügt über programmierbare Rollladenheber. Es gibt sogar Menschen, die verfügen nicht einmal über Rollläden. Auch beim Licht kann es Komplikationen geben: Die Stehlampe in der Flurecke lässt sich zwar mittels Zeitschaltuhr und Zufallsgenerator problemlos auch dann betätigen, wenn man Tausende Kilometer entfernt ist. Allerdings könnte es aufmerksamen Menschen auffallen, dass Sie zwar jeden Abend zu unregelmäßigen Zeiten die Lampe im Flur (und nur diese!) ein- und ausschalten, aber niemals vor die Tür gehen, ja sie nicht einmal öffnen, wenn jemand klingelt, klopft oder ruft. Man kann es niemandem verdenken, wenn er unter derartigen Umständen das stumme Blinken als Hilferuf interpretiert und wohlmeinend Ihre Tür aufbricht.