Auslandsadoptionen Unsere Tochter aus Afrika

Auslandsadoptionen sind nervenaufreibend und kostspielig. Doch für viele Kinderlose sind sie die letzte Hoffnung. Wie zwei Paare aus Deutschland nach Kenia fuhren, um als Familien zurückzukehren

Am 18. Oktober 2005, einem Dienstag zu Beginn der Regenzeit, erschien eine junge Afrikanerin im Bezirkskrankenhaus von Kiambu, am Stadtrand von Nairobi. Sie war hochschwanger. Die Wehen hatten schon eingesetzt. Sie nannte einen Namen, der, wie sich später herausstellen sollte, nicht ihr richtiger war, und bezahlte die Behandlungsgebühr von 1700 Shilling, rund 17 Euro. Wenige Stunden später gebar sie ein gesundes Kind. Ein Mädchen, 3300 Gramm schwer. Es solle den Namen Charity Nyakio tragen, sagte sie.

»Charity«, ein englisches Wort, heißt »Wohltätigkeit«. »Nyakio« kommt aus der Sprache der Kikuyu, der größten Volksgruppe in Kenia, und bedeutet »die Arbeitsame«.

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Am nächsten Tag war die Frau aus dem Krankenhaus verschwunden. Ohne ihre Tochter. Die blieb noch einen Monat im Krankenhaus, dann brachte man sie in ein Kinderheim.

Wenn alles gut geht, wird das Mädchen in ein paar Wochen Joana Charity Njambi Wenger heißen und in einem großen, neuen Haus in Eppelsheim bei Worms leben. Im Sommer 2009 schließlich wird das Statistische Bundesamt neue Zahlen veröffentlichen. Und die fast dreistellige Zahl in der Zeile »Afrika zusammen, darunter zum Zweck der Adoption ins Inland geholt« wird um eine höher sein.

Wenn alles gut geht. Denn noch wohnt Sandra Wenger mit dem kleinen schwarzen Mädchen, das sie adoptieren will, in einem eher heruntergekommenen Apartment in Nairobi-Westlands und wartet auf den nächsten Gerichtstermin. Vorletzte Woche wurde das Adoptionsverfahren formell eröffnet, zweimal noch wird sie vor dem High Court von Nairobi erscheinen müssen.

Ob aber alles gut geht, das hängt von vielen Faktoren ab: von einem Bericht des zuständigen kenianischen Jugendamts; von vielen, vielen Papieren und Dokumenten, die in Ordnung sein müssen; von der Stimmung des Richters; davon, ob der nächste Termin noch vor den Gerichtsferien angesetzt wird, die von Mitte März bis Mitte April dauern. Vor allem aber davon, wie sich die Situation in Kenia weiter entwickeln wird.

Als Sandra Wenger im Mai 2006 ankam, war Kenia ein afrikanisches Musterland, stabil und vergleichsweise sicher. Seit den Wahlen vor zehn Wochen sind mehr als tausend Kenianer bei bürgerkriegsähnlichen Unruhen gestorben, noch immer sind Zehntausende Menschen auf der Flucht.

Sandra Wenger hat mit den ungünstigsten Zeitpunkt erwischt, den man sich vorstellen kann, um ein Kind aus Kenia zu adoptieren. Gebannt verfolgt sie jeden Tag die Fernsehnachrichten. In der deutschen Botschaft in Nairobi hat man Sandra Wengers Telefonnummer registriert, um sie rasch verständigen zu können, wenn die deutschen Staatsbürger evakuiert werden sollen. 

Nur: Was geschieht dann mit Charity Nyakio? Noch ist sie nur ihr Pflegekind. Noch hat sie keinen deutschen Pass.

In Dötlingen, einem Dorf unweit von Bremen, leben Kathrin und Stefan Huntemann inzwischen mit ihrer kenianischen Tochter Joyce. In einem Haus wie aus der Bausparkassenwerbung. Direkt an einem See, zu dem nur sie Zugang haben. In einer heilen Welt, als glückliche Familie. Ende November 2006 ging ihr Adoptionsverfahren in Nairobi zu Ende, wenig später, noch vor Weihnachten, konnten sie Kenia zu dritt verlassen. Joyce, knapp zweieinhalb Jahre alt, ist jetzt ihr eigenes Kind.

Aber auch Kathrin und Stefan Huntemann machen sich Sorgen über die Situation in Kenia. Sie verfolgen die Meldungen im Internet, versuchen Kontakt zu halten zu den Menschen, die sie während der acht Monate in Kenia kennengelernt haben. Sie möchten bald wieder hinfliegen und fragen sich, ob die Sicherheitslage das überhaupt zulassen wird. Sie sind entsetzt über die Gewalt und den Hass. Die Huntemanns hatten Kenia ganz anders erlebt. Als wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Und sind jetzt noch viel gewisser als je zuvor, dass ihre Entscheidung, ein Kind aus Kenia zu adoptieren, die richtige war. Was wäre sonst aus Joyce geworden? Auch sie ist eine Kikuyu. Immer wieder wird von regelrechten Hetzjagden auf diese Ethnie berichtet.

Adoption als Deal: Wir retten das Kind, das Kind rettet uns

Adoptionen aus dem Ausland haben hierzulande keinen guten Ruf. Grund dafür mag manchmal eine diffuse Furcht vor allem Fremden sein. Und manchmal die wohlmeinende Sorge, die dunkelhäutigen Kinder könnten es schwer haben in unserer Gesellschaft. Auch Kathrin Huntemann muss sich immer wieder rechtfertigen, obwohl sie die ganze Geschichte oft eher wie einen Deal betrachtet: Wir haben Joyce das Leben gerettet. Und sie hat dafür uns gerettet. Wir sind jetzt eine Familie.

Vielleicht hat man zu oft von Kinderhändlern gelesen, die Babys entführen oder ihren Müttern für ein paar Cent abschwatzen, um sie an Amerikaner oder Europäer zu verhökern. Allein aus Guatemala werden nach Schätzungen von Unicef jedes Jahr 1000 bis 1500 Kinder in reiche Länder verschickt.

In den USA arbeiten 6000 Organisationen in Sachen Adoption und bieten ihre Dienste auf Internetseiten an. Besonders beliebt bei kinderlosen US-Amerikanerinnen: Man einigt sich noch während der Schwangerschaft mit der Mutter, die ihr Kind nicht behalten will. Man bezahlt ihr, unter anderem, die Arzt- und Entbindungskosten. Dann können die künftigen Adoptiveltern sogar die Geburt miterleben und »ihr« Kind noch im Kreißsaal in die Arme schließen.

In Hollywood scheint es keinen Star mehr zu geben, der nicht Kinder aus der Dritten Welt adoptiert hätte. Eines oder zwei, am liebsten gleich mehrere. Diane Keaton, Mia Farrow, Meg Ryan, Sharon Stone, Michelle Pfeiffer, Nicole Kidman – sie alle lassen sich gern mit den kleinen Asiaten, Latinos und Afrikanern fotografieren, die sie einem düsteren Schicksal entrissen haben.

Leser-Kommentare
  1. Ich kann diese Traenendruesen-Artikel nicht ausstehen. Hoert sich immer nach Schulaufsatz an. Auf der anderer Seite ist ja wohl die Frage angebracht, ob sich nicht auch in Deutschland ein Waisenkind gefunden haette. Aber nein, man muss es aus Afrika holen. Das ist falsch verstandenes Gutmenschentum. Bei einer Adoption sollte darauf geachtet werden, dass das Kind in die Familie "passt", also Rasse und Hautfarbe zumindest denen der Adoptiveltern aehnlich sind. Sowas erleichtert spaeter das Leben des Kindes, vor allem, wenn es selbst mal Kinder bekommt. Etwas anderes sind die Adoptionen von Pop-Stars wie Madonna, die ja wohl nicht aus Naechstenliebe afrikanische Kinder adoptiert sondern zur Aufbesserung ihres Images, oder weil sich die vielen Farben zusammen gut ansehen. 
    Also, gibt es in Deutschland keine deutschen Waisenkinder mehr ? Schon moeglich bei der heutigen desolaten Familiensituation.

  2. Auf Seite 2 des Artikel finden Sie einen Link mit den Zahlen zur Adoptionssituation in Deutschland.  Und wenn Sie aufmerksam gelesen haben, dann werden Sie sich an die Aussage erinnern, dass auf ein deutsches Waisenkind 12 Ehepaare mit Kinderwunsch fallen... Die Wartezeiten sind also sehr lange, unter Umstaenden so lange, dass man nach den strengen Adoptionsgesetzen zu alt wird um fuer ein Adoptionskind ueberhaupt noch in Frage zu kommen.      Wenn Sie das alles uebersehen haben... Nun ja, man merkt eben, dass Sie "diese Traenendrueses-Artikel nicht ausstehen" koennen.

  3. Am 5. Februar gab es dazu im ZDF eine 36Grad Reportage, Mein fremdes Kind, die man sich in der ZDF Mediathek noch ansehen kann. Die Reporter haben ein Paar, das vor vier Jahren zwei Mädchen aus Haiti adoptiert hat, noch ein zweites Mal besucht, um zu sehen, wie es den beiden Kindern heute geht. Eine wirklich interessante Dokumentation.

  4. @eh381006:  Mit Gutmenschentum hat das ganze unter dem einfachen Gesichtspunkt sich eine vollstaendige Familie zu wuenschen (Mama, Papa, Kind) doch wirklich ueberhaupt nichts zu tun.                                                                          Und ob man Madonna nun mag oder nicht ist doch jedem selbst ueberlassen, ihr jedoch Naechstenliebe abzusprechen finde ich gewagt, Sie koennen schliesslich nicht in ihren Kopf kucken.   Eine Aufbesserung ihres Images hat auch nicht stattgefunden.  Rein hypothetisch koennte auch in Madonnas Fall einfach ein Kinderwunsch da gewesen sein, warum ist das so gaenzlich unmoeglich?                                                                                                                                                     Ach... und koennten Sie mich bitte mit Ihren Schulaufsaetzen erfreuen?  Mir hat der Artikel naemlich ganz gut gefallen.  Und da waren eigentlich auch keine Traenen, nur Interesse. 

    • Anonym
    • 11.03.2008 um 13:15 Uhr

    ... das Elend von Kindern in der Welt verbessern dürfen? Das hat in erster Linie weder mit Rasse, noch mit Hautfarbe zu tun, nehmen Sie es einfach mal hin, ausgesprochen heißt dies auf deutsch "LIEBE". Könnten Sie das mal für Paare gelten lassen, von Anbeginn. Wäre schön, wenn Sie sich dazu durchrignen würden, @eh381006.isaac ben laurence weismann

    • Anonym
    • 11.03.2008 um 14:47 Uhr

    - Volksgert - adoptierte ein russisches Mädl... Und niemand wunderte sich damals. Am wenigsten die Jerries selbst. Obwohl allen um sich herum, gerne in Moralsachen belehren.

  5. Meiner Meinung nach sollte man Kinder nicht aus ihrem kulturellen Umfeld reißen. Möchte man wirklich etwas für deren Wohlergehen leisten, kann man ja auch spezifische Hilfsprojekte unterstützen. Allerdings sind die Bedingungen für die Adoption eines deutschen Kindes auch sehr problematisch und langwierig. Daher verstehe ich die betroffenen kinderlosen Paare, denke allerdings ebenfalls wie eh381006, dass das Kind aus einem ähnlichen Kulturkreis stammen sollte ( z.B.: Osteuropa ) - mit Rassismus hat das nichts zu tun!

  6. Rassismus hat Ihnen ja auch niemand unterstellt.     Oje.  Muessen wir wirklich immer so leisetreten und noch bevor es irgendjemand bemerken koennte schon mal auf Verdacht beteuern, dass wir politisch voellig korrekt sind?   Klar waer's schoen, wenn alle Kinder bei Ihren leiblichen Eltern aufwachsen koennten, und es waere auch schoen, wenn jeder Kinderwunsch erfuellt werden koennte, ohne dass man auf Adoption zurueckgreifen muesste.  So isses aber nicht.  Zum Ausgleich dafuer steckt aber in jedem aus dem Ausland adoptierten Kind eine Chance fuer die deutsche Gesellschaft, in ihrer Toleranz zu wachsen.

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