Auslandsadoptionen Unsere Tochter aus Afrika
Auslandsadoptionen sind nervenaufreibend und kostspielig. Doch für viele Kinderlose sind sie die letzte Hoffnung. Wie zwei Paare aus Deutschland nach Kenia fuhren, um als Familien zurückzukehren
Am 18. Oktober 2005, einem Dienstag zu Beginn der Regenzeit, erschien eine junge Afrikanerin im Bezirkskrankenhaus von Kiambu, am Stadtrand von Nairobi. Sie war hochschwanger. Die Wehen hatten schon eingesetzt. Sie nannte einen Namen, der, wie sich später herausstellen sollte, nicht ihr richtiger war, und bezahlte die Behandlungsgebühr von 1700 Shilling, rund 17 Euro. Wenige Stunden später gebar sie ein gesundes Kind. Ein Mädchen, 3300 Gramm schwer. Es solle den Namen Charity Nyakio tragen, sagte sie.
»Charity«, ein englisches Wort, heißt »Wohltätigkeit«. »Nyakio« kommt aus der Sprache der Kikuyu, der größten Volksgruppe in Kenia, und bedeutet »die Arbeitsame«.
Am nächsten Tag war die Frau aus dem Krankenhaus verschwunden. Ohne ihre Tochter. Die blieb noch einen Monat im Krankenhaus, dann brachte man sie in ein Kinderheim.
Wenn alles gut geht, wird das Mädchen in ein paar Wochen Joana Charity Njambi Wenger heißen und in einem großen, neuen Haus in Eppelsheim bei Worms leben. Im Sommer 2009 schließlich wird das Statistische Bundesamt neue Zahlen veröffentlichen. Und die fast dreistellige Zahl in der Zeile »Afrika zusammen, darunter zum Zweck der Adoption ins Inland geholt« wird um eine höher sein.
Wenn alles gut geht. Denn noch wohnt Sandra Wenger mit dem kleinen schwarzen Mädchen, das sie adoptieren will, in einem eher heruntergekommenen Apartment in Nairobi-Westlands und wartet auf den nächsten Gerichtstermin. Vorletzte Woche wurde das Adoptionsverfahren formell eröffnet, zweimal noch wird sie vor dem High Court von Nairobi erscheinen müssen.
Ob aber alles gut geht, das hängt von vielen Faktoren ab: von einem Bericht des zuständigen kenianischen Jugendamts; von vielen, vielen Papieren und Dokumenten, die in Ordnung sein müssen; von der Stimmung des Richters; davon, ob der nächste Termin noch vor den Gerichtsferien angesetzt wird, die von Mitte März bis Mitte April dauern. Vor allem aber davon, wie sich die Situation in Kenia weiter entwickeln wird.
Als Sandra Wenger im Mai 2006 ankam, war Kenia ein afrikanisches Musterland, stabil und vergleichsweise sicher. Seit den Wahlen vor zehn Wochen sind mehr als tausend Kenianer bei bürgerkriegsähnlichen Unruhen gestorben, noch immer sind Zehntausende Menschen auf der Flucht.
Sandra Wenger hat mit den ungünstigsten Zeitpunkt erwischt, den man sich vorstellen kann, um ein Kind aus Kenia zu adoptieren. Gebannt verfolgt sie jeden Tag die Fernsehnachrichten. In der deutschen Botschaft in Nairobi hat man Sandra Wengers Telefonnummer registriert, um sie rasch verständigen zu können, wenn die deutschen Staatsbürger evakuiert werden sollen.
Nur: Was geschieht dann mit Charity Nyakio? Noch ist sie nur ihr Pflegekind. Noch hat sie keinen deutschen Pass.
In Dötlingen, einem Dorf unweit von Bremen, leben Kathrin und Stefan Huntemann inzwischen mit ihrer kenianischen Tochter Joyce. In einem Haus wie aus der Bausparkassenwerbung. Direkt an einem See, zu dem nur sie Zugang haben. In einer heilen Welt, als glückliche Familie. Ende November 2006 ging ihr Adoptionsverfahren in Nairobi zu Ende, wenig später, noch vor Weihnachten, konnten sie Kenia zu dritt verlassen. Joyce, knapp zweieinhalb Jahre alt, ist jetzt ihr eigenes Kind.
Aber auch Kathrin und Stefan Huntemann machen sich Sorgen über die Situation in Kenia. Sie verfolgen die Meldungen im Internet, versuchen Kontakt zu halten zu den Menschen, die sie während der acht Monate in Kenia kennengelernt haben. Sie möchten bald wieder hinfliegen und fragen sich, ob die Sicherheitslage das überhaupt zulassen wird. Sie sind entsetzt über die Gewalt und den Hass. Die Huntemanns hatten Kenia ganz anders erlebt. Als wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Und sind jetzt noch viel gewisser als je zuvor, dass ihre Entscheidung, ein Kind aus Kenia zu adoptieren, die richtige war. Was wäre sonst aus Joyce geworden? Auch sie ist eine Kikuyu. Immer wieder wird von regelrechten Hetzjagden auf diese Ethnie berichtet.
Adoption als Deal: Wir retten das Kind, das Kind rettet uns
Adoptionen aus dem Ausland haben hierzulande keinen guten Ruf. Grund dafür mag manchmal eine diffuse Furcht vor allem Fremden sein. Und manchmal die wohlmeinende Sorge, die dunkelhäutigen Kinder könnten es schwer haben in unserer Gesellschaft. Auch Kathrin Huntemann muss sich immer wieder rechtfertigen, obwohl sie die ganze Geschichte oft eher wie einen Deal betrachtet: Wir haben Joyce das Leben gerettet. Und sie hat dafür uns gerettet. Wir sind jetzt eine Familie.
Vielleicht hat man zu oft von Kinderhändlern gelesen, die Babys entführen oder ihren Müttern für ein paar Cent abschwatzen, um sie an Amerikaner oder Europäer zu verhökern. Allein aus Guatemala werden nach Schätzungen von Unicef jedes Jahr 1000 bis 1500 Kinder in reiche Länder verschickt.
In den USA arbeiten 6000 Organisationen in Sachen Adoption und bieten ihre Dienste auf Internetseiten an. Besonders beliebt bei kinderlosen US-Amerikanerinnen: Man einigt sich noch während der Schwangerschaft mit der Mutter, die ihr Kind nicht behalten will. Man bezahlt ihr, unter anderem, die Arzt- und Entbindungskosten. Dann können die künftigen Adoptiveltern sogar die Geburt miterleben und »ihr« Kind noch im Kreißsaal in die Arme schließen.
In Hollywood scheint es keinen Star mehr zu geben, der nicht Kinder aus der Dritten Welt adoptiert hätte. Eines oder zwei, am liebsten gleich mehrere. Diane Keaton, Mia Farrow, Meg Ryan, Sharon Stone, Michelle Pfeiffer, Nicole Kidman – sie alle lassen sich gern mit den kleinen Asiaten, Latinos und Afrikanern fotografieren, die sie einem düsteren Schicksal entrissen haben.
Dank Madonna, dank Angelina Jolie und Brad Pitt ist Auslandsadoption auch bei uns zu einem Lieblingsthema der Regenbogenpresse geworden. Natürlich mit all der gebührenden Kritik daran, dass Madonna doch eigentlich schon zu alt sei für ein Adoptivbaby. Über die verworrenen Verwandtschaftsverhältnisse ihres Sohnes aus Malawi weiß inzwischen jede Deutsche Bescheid, die nur oft genug im Wartezimmer oder unter der Trockenhaube in Bunte oder Gala blättert.
Doch nicht immer landen Kinder, die von einem Land ins andere adoptiert werden, in einem Kinderzimmer voller Plüschtiere und Spielsachen: In Nepal hat es traurige Tradition, Mädchen aus armen Familien als billige Arbeitskräfte nach Indien zu verkaufen. Von Südostasien nach Arabien, von einem afrikanischen Land ins andere: Oft verbirgt sich hinter Adoptionen nichts anderes als Menschenhandel. Und oft enden die verkauften Kinder und Jugendlichen als Arbeits- oder Sexsklaven.
Hunderttausend Kinder sind in den letzten 50 Jahren allein aus Korea ins Ausland adoptiert worden. Und heute holen sich koreanische Fernsehzuschauer ihren Gefühlskick, wenn in Realityshows junge Erwachsene, die kein Wort koreanisch sprechen, mit Hilfe von Dolmetschern ihre Eltern suchen. Häufig melden sich gleich mehrere Kandidaten. Und manchmal kennen sie den Geburtstag des Kindes nicht einmal annäherungsweise.
Mittlerweile werden auf den Adoptionsseiten im Internet vor allem Kinder aus Osteuropa angeboten. Schließlich verzichten allein in Russland nach offiziellen Angaben jährlich 13.000 Mütter noch im Krankenhaus auf ihr Kind, 375.000 Kinder leben in Vormundschafts- und Pflegefamilien, 300.000 in Kinderheimen. Ihre Zahl steigt ständig, viele von ihnen stehen für eine Adoption zur Verfügung – und natürlich können die Heime eine saftige Spende gut gebrauchen. Während Kinder aus Lateinamerika zu bekommen gar nicht so einfach ist, zumindest auf legalem Weg. »Dort sind die Spanier viel zu aktiv«, sagt eine Insiderin aus der deutschen Adoptionsszene.
Auch wenn das Vergrößerungsglas medialer Aufmerksamkeit für deutsche Promi-Adoptivfamilien (Schröder, Bogner, Jauch) etwas anderes glauben macht: Im internationalen Adoptionsgeschäft ist Deutschland nur ein kleines Licht. Verglichen mit solchen Ländern wie den USA, Israel, Italien oder Spanien ist Auslandsadoption hierzulande – zumindest zahlenmäßig – nur eine Randerscheinung (siehe Adoptionen in Zahlen ).
Nach einer Studie der Universität Dortmund kamen zwischen 1982 und 2004 insgesamt knapp 17.000 ausländische Kinder nach Deutschland. Das ist nicht viel, verteilt auf 22 Jahre, in denen die Zahlen stagnierten, zuletzt sogar abnahmen.
Nach vier Jahren Behandlung wegen Kinderlosigkeit gab das Paar auf
Und trotzdem: Fast jeder kennt jemanden, dessen Bekannte ein Kind aus Indien, aus Bolivien, aus Äthiopien adoptiert haben. Oft war es schwer traumatisiert und wurde zum Albtraum für die Familie, die Schule, die Nachbarschaft. Fast jeder weiß auch von »Gutmenschen« zu berichten, die in all ihrer Blauäugigkeit und Menschenliebe ein dunkelhäutiges Kind in ein – sagen wir – schwäbisches Dorf geholt haben. Wo es verspottet, drangsaliert und als »Stück Scheiße« beschimpft wurde. Und in der schlimmsten Variante der Geschichte wollte es zum Schluss nicht mehr leben und erhängte sich im Kinderzimmer.
Dass bei Adoptionen aus der Dritten Welt vieles schieflaufen kann, ist bekannt. Viel weniger bekannt ist das »Haager Übereinkommen vom 25. Mai 1993 über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption«. Durch dieses Abkommen, das inzwischen 74 Staaten anerkennen (sowohl typische Herkunftsländer als auch typische Aufnahmeländer von Adoptivkindern), soll Kinderhandel unterbunden und eine Adoption ins Ausland überhaupt nur dann erlaubt werden, wenn es nicht möglich ist, das Kind im eigenen Land unterzubringen, im eigenen Kulturkreis.
Diese Haager Konvention ist es auch, die manchen Leuten das Kinderkriegen so schwer macht. Leuten wie Sandra Wenger und ihrem Mann Andreas, Leuten wie Kathrin und Stefan Huntemann. Menschen, die sich ganz bewusst dazu entschlossen haben, den komplizierten, hürdenreichen, kostspieligen, nervenzehrenden, dafür aber legalen Weg zu einem Adoptivkind zu gehen.
Kathrin Huntemann ist 38 Jahre alt, zuletzt arbeitete sie als Anästhesistin in einem Krankenhaus in Oldenburg. Stefan Huntemann ist 40, IT-Experte in einer Software-Firma, die er selbst gegründet hat. Seit acht Jahren sind sie verheiratet. Ganz zu Anfang hatten sie einmal über Adoption gesprochen. Nein, hatte Stefan Huntemann da gesagt, das könne er sich wirklich nicht vorstellen. So ein Kind bedeute doch auch Verzicht und Einschränkungen. Und das würde er nur für sein eigenes Kind auf sich nehmen. Doch Kathrin Huntemann wurde nicht schwanger, vier Jahre lang waren sie »immer mal wieder« in Behandlung wegen ihrer Kinderlosigkeit, schließlich gaben sie auf. Als Kathrin Huntemann dann doch noch schwanger wurde, erlitt sie eine Fehlgeburt.
Ende 2004 entschloss sich das Ehepaar zu einer Adoption. Die Anästhesistin hatte eines Abends von einem Kollegen erzählt, der gerade zwei Mädchen aus Haiti adoptierte, und Stefan Huntemann hatte »Hmm!« gesagt. Ein paar Tage später erzählte er ihr, was er im Internet über Auslandsadoptionen herausgefunden hatte. Er zeigte ihr zwei Bücher, die er bestellt hatte, und sagte: »Ich glaube, wir machen das!« Stefan Huntemann war jetzt viel schneller, bestimmter als seine Frau. Über die Adoption eines Kindes aus Deutschland hatten sie gar nicht erst nachgedacht. Die Zahlen sind schließlich bekannt: Auf jedes Kind, das hier zur Adoption freigegeben wird, warten zwölf potenzielle Elternpaare.
Doch auch eine Adoption aus dem Ausland beginnt beim zuständigen deutschen Jugendamt. Dort, in Wildeshausen, wurden die Huntemanns beraten – und befragt. Sie mussten Unterlagen zusammentragen: polizeiliches Führungszeugnis, Heiratsurkunde, ärztliche Atteste, Einkommensnachweise.
»Man macht sich – auf gut Deutsch – nackig«, sagt Kathrin Huntemann und blättert in dem dicken blauen Aktenordner mit der Aufschrift »Adoption«.
Das Jugendamt erstellt einen »Sozialbericht«, aber die meisten Jugendämter vermitteln selbst keine Kinder aus dem Ausland. Darauf haben sich gemeinnützige Organisationen spezialisiert, von denen es in Deutschland gerade mal ein gutes Dutzend gibt. Sie werden von den Landesjugendämtern überwacht und haben jeweils nur die Zulassung für die Vermittlung aus ganz bestimmten Ländern.
Die Huntemanns landeten bei Help a child e.V. in Kaltenengers bei Koblenz. Jetzt mussten sie sich von den Sozialarbeiterinnen des Vereins auf Herz und Nieren prüfen lassen. Mussten ein Wochenendseminar für Adoptionsbewerber besuchen. Mussten einen 14-seitigen Fragebogen ausfüllen. Mussten Antwort geben auf Fragen wie:
»Haben Sie Vermögen?«
»Haben Sie sich jemals wegen einer psychischen Erkrankung untersuchen oder behandeln lassen?«
»Wie glauben Sie damit umgehen zu können, wenn Sie z. B. als ›Flittchen‹ oder ›gehörnter Ehemann‹ bezeichnet werden?«
Schmähungen, mit denen rechnen muss, wer sich mit einem schwarzen Kind in der deutschen Öffentlichkeit zeigt. Help a child vermittelt nur Kinder aus Haiti, aus Burkina Faso und – aus Kenia. Die Entscheidung fiel anhand einer Strichliste: Vorteile, Nachteile. Landessprache. Wie lange müssen wir im Land bleiben? Aus welchen Situationen kommen die Kinder? Können wir das Land später problemlos besuchen, damit unser Kind sieht, woher es kommt?
Anfangs glaubten Kathrin und Stefan Huntemann noch, mit drei Monaten Aufenthalt im Land werde alles erledigt sein. Dass es länger, sehr viel länger dauern würde, wurde ihnen klar, als sie begannen, sich mit Kenia zu beschäftigen, mit Afrika. Jetzt lasen sie alles, was sie in die Hände bekamen, informierten sich in Internetforen.
Irgendwann im Sommer 2005 schickten sie 26 Dokumente – beglaubigt, übersetzt und überbeglaubigt – nach Kenia, an das staatliche Adoptionskomitee. Im Mai 2006 bekamen sie den »Kindervorschlag«: Joyce, sieben Monate alt, gesund, ein Findelkind. Seine Mutter hatte es kurz nach der Geburt am Straßenrand abgelegt.
Heute sind die Huntemanns froh, dass nach acht Monaten in Kenia alles erledigt war. Und sind gleichzeitig dankbar für diese lange Zeit. Weil sie dadurch eine enge Beziehung zu Joyce aufbauen konnten, Kathrin Huntemann sowieso, aber auch ihr Mann, der in den acht Monaten sechsmal nach Kenia geflogen ist und zwischendurch wieder zurück nach Deutschland, zum Arbeiten. Irgendwann werden sie ihrer Tochter sagen können, dass sie eine Ahnung haben von dem Land, aus dem sie stammt.
»Kenia«, sagt Kathrin Huntemann, »ist ein stolzes Land mit stolzen Bewohnern.« Sie hat dort durchaus auch Menschen getroffen, die ihr als Adoptivmutter mit Argwohn begegneten. Nicht nur Entwicklungshelfer, die ihr, der promovierten Ärztin, erklären wollten, dass es bessere Wege gebe, einem Land zu helfen. Eine Kenianerin hörte sie sagen: »Wir haben es nicht nötig, unsere Kinder ins Ausland zu vermitteln. Wir können unsere Probleme selber lösen.«
Kathrin Huntemanns Antwort ist so ehrlich wie entwaffnend: »Wir sind diesen Weg nicht gegangen, um Samariter zu sein. Wir wollten schlicht und einfach eine Familie sein. Mit Kind.«
Aber Kathrin Huntemann ist in den acht Monaten in Kenia nicht untätig geblieben. Sie hat ein Hilfsprojekt aufgezogen, einen Brunnen bohren lassen, malariakranke Waisenkinder zum Arzt gebracht, Kinderheime mit Schuhen, Bettdecken und Matratzen versorgt. Sie hat selbst mit angepackt, wenn es notwendig war, und ist mit Kollegen von Ärzte ohne Grenzen in die übelsten Slums von Nairobi gefahren. So hat sie ein ziemlich klares Bild dessen, was aus Joyce in Kenia geworden wäre: Sie wäre auf der Straße gelandet. Hätte später vielleicht als Prostituierte gearbeitet. Oder sie wäre bei den jüngsten Massakern umgekommen. Vor diesem Schicksal haben sie Joyce bewahrt. Davon sind sie überzeugt.
Kenia will der Welt beweisen: Wir kämpfen gegen den Kinderhandel
Kenia, das sind 37 Millionen Menschen, von denen jeder vierte mit weniger als einem US-Dollar pro Tag lebt. Acht von hundert Kindern sterben noch im ersten Lebensjahr. 1,2 Millionen Kenianer leben mit HIV oder Aids. 150000 fallen der Seuche jedes Jahr zum Opfer. Durchschnittliche Lebenserwartung: 48 Jahre.
Gleichzeitig machen Strände, Nationalparks und Massai den Tourismus zum wichtigsten Wirtschaftszweig – zumindest war es so bis zum Ende vergangenen Jahres. Ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent. Blumenfarmen, in denen Rosen für halb Europa wachsen, rentabel durch die Äquatorsonne, durch lasche Umweltschutzgesetze und billige Arbeitskräfte.
Und Nairobi, die Hauptstadt: Luxushotels, Wolkenkratzer, mondäne Villen hinter Mauern und Stacheldraht, Shoppingmalls. Doch 60 Prozent aller Bewohner der Hauptstadt leben in Slums. Ohne Trinkwasser, ohne sanitäre Anlagen, oft ohne Strom. Dazu korrupte Beamte und skrupellose Politiker, wie spätestens seit der gefälschten Präsidentenwahl die ganze Welt weiß. Der Gewaltausbruch danach hat gezeigt: In einem solchen Klima zählt ein Menschenleben nicht viel. Es sei denn, man kann es zu Geld machen.
Noch im Jahr 2005 fielen zwei internationale Berichte wenig schmeichelhaft aus für Kenia: der Menschenhandelsreport des US-Außenministeriums und der Bericht »Menschenhandel in Afrika, vor allem an Frauen und Kindern« des Unicef-Forschungszentrums Innocenti in Florenz. Kenia tauchte in jeder Kategorie auf: als Herkunftsland, als Transitland und als Bestimmungsland. Kenianische Kinder würden ins Ausland verkauft, »zur sexuellen Ausbeutung oder zur Zwangsarbeit in Haushalten oder in der Landwirtschaft«, so der US-Report, sie würden in die Küstenregion gebracht, um der steigenden Zahl von Sextouristen zu Willen zu sein.
Allerdings – und auch das stand in dem Bericht: Die Regierung in Nairobi unternehme deutliche Anstrengungen, um den Menschenhandel einzudämmen und zu ahnden.
Ein Land, das von Entwicklungshilfe ebenso abhängig ist wie vom Tourismus, kann internationale Kritik nicht auf Dauer ignorieren. So hat Kenia die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 ratifiziert. 2001 beschloss das Parlament in Nairobi ein eigenes Kinderschutzgesetz, den Children Act – gegen Kinderarbeit und Kindesmissbrauch, gegen Genitalverstümmelung und Kinderhandel. Und mit genauen Regeln für Adoptionen, auch für solche ins Ausland.
Nach den neuerlichen Vorwürfen nun tat Nairobi alles, um der Weltöffentlichkeit zu beweisen: Wir kämpfen entschlossener denn je gegen den Kinderhandel.
Als Kathrin und Stefan Huntemann im Mai 2006 nach Nairobi flogen, waren sie die Allerersten, die ein Kind nach den neuen kenianischen Gesetzen adoptieren wollten. Diese sehen vor: Bevor ein Adoptionsprozess vor dem High Court überhaupt in Gang kommen kann, müssen die Adoptionsbewerber das Kind für mindestens drei Monate in Pflege nehmen. In Kenia. Ohne das Land mit dem Kind verlassen zu dürfen. Danach erst können sie den Adoptionsantrag stellen.
Die Huntemanns sitzen in ihrer Küche in Dötlingen und erzählen von den drei Gerichtsterminen. Erstens die Eröffnung des Verfahrens. Zweitens die Hauptverhandlung. Drittens die Urteilsverkündung. Bei ihnen waren es sogar vier Termine, denn die Hauptverhandlung hatte die Richterin mit den Worten eröffnet: »Ich bin heute extrem schlecht gelaunt!«
Dann wollte sie von Stefan Huntemann wissen, was ein »Amtsgericht« in Deutschland sei. Das Amtsgericht Oldenburg hatte ihre Dokumente überbeglaubigt. »Ein Amtsgericht, was wäre das im kenianischen Rechtssystem?« Stefan Huntemann wusste es nicht. Er ist kein Jurist.
Dann wollte die Richterin einen Nachweis dafür sehen, dass Help a Child auch in Kenia als Adoptionsagentur zugelassen ist. Joram Mwenda, der Anwalt der Huntemanns, saß sprungbereit, hatte seine Finger zwischen den Blättern der Akte und antwortete so schnell, wie die Richterin fragte. »Ja, Mylady!« »Nein, Mylady!« »Hier, Mylady!«
Zuletzt ging es darum, einen Vormund zu bestellen – für den Fall, dass den Adoptiveltern etwas zustößt. Stefan Huntemann benannte seinen Vater. Die Richterin lehnte ihn ab. Mit 63 sei er zu alt.
Jetzt hatten sie genau eine Woche Zeit, um einen neuen Vormund zu finden, samt Dokumenten (übersetzt, beglaubigt und überbeglaubigt). Sie schafften es, bis zum dritten Termin am 17. November. Eine Woche später wurde das Urteil gesprochen. Joyce heißt seitdem Huntemann. Kathrin und Stefan sind ihre Eltern.
Die drei haben ziemliches Glück gehabt. Viel mehr Glück als Sandra und Andreas Wenger, die sie gut kennen, weil sie damals, im Mai 2006, fast gleichzeitig in Nairobi ankamen und, betreut von derselben Adoptionsagentur, in derselben Apartmentanlage wohnten.
Sandra Wenger sitzt auf dem einzigen Sofa in ihrem Apartment in Nairobi-Westlands. Sie lässt das quirlige kleine Mädchen nicht aus den Augen, das sie schon Joana nennt und das noch ihre Pflegetochter ist. Sie beginnt ihre Geschichte zu erzählen und die ihres Mannes Andreas. Und wie die große Politik ihrem vergleichsweise kleinen Glück gleich mehrmals in die Quere gekommen ist.
33 Jahre alt ist Sandra Wenger, Beamtin, bis zum vergangenen Juli hat sie als Rentenberaterin gearbeitet. Andreas Wenger ist 34, Versicherungsmakler, Geschäftsführer von zwei Firmen, die ihm gehören. Seit 14 Jahren kennen sich die beiden, vor 10 Jahren sind sie zusammengezogen.
Irgendwann haben sie erfahren, dass Andreas an einer seltenen Stoffwechselkrankheit leidet. Nicht schlimm bei ihm, aber die Krankheit kann vererbt werden, ein leibliches Kind könnte schwerstbehindert sein. Im März 2005 stand ihr Beschluss fest: Sie wollten ein Kind adoptieren.
Auch Sandra Wenger ist ganz offen. Sie wollen Joana, um »eine richtige Familie zu werden. Nur darum geht es uns«, sagt sie. »Wir wollen nicht ein armes Waisenkind adoptieren, um etwas Gutes zu tun. Wenn ich was Gutes tun will, dann spende ich.«
Auch Wengers entschieden sich für Kenia, obwohl sie beide noch nie in Ostafrika gewesen waren, obwohl sie nur ungenaue Vorstellungen von dem Land zwischen Indischem Ozean und Victoriasee hatten. Aber sie wussten, dass man in Kenia englisch sprach. »Und Englisch kannste einigermaßen«, sagte sich Sandra Wenger. Sie wussten auch, dass künftige Adoptiveltern in Kenia ihr Kind gleich aus dem Heim holen dürfen, nicht erst nach Monaten, wenn der Adoptionsprozess beendet ist.
Jetzt mussten sie nur noch den künftigen Großeltern erklären, dass sie bald ein schwarzes Enkelkind kriegen würden.
Bisher hatten ihre Familien es klaglos mitgetragen, dass sie ein Kind adoptieren wollten. Auch aus dem Ausland. Auch aus der Dritten Welt. Sie selbst waren offen damit umgegangen. Aber ein schwarzes? Natürlich hatte Sandra Wengers Mutter nichts gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe. Aber die Gesellschaft! Das kann Probleme geben. Davor wollte sie ihre Tochter schützen. Und ihr Enkelkind.
Ein Waisenhaus zwischen verkommenen Rohbauten
Noch immer steht dieser Zweifel im Raum, zwischen Sandra und ihrer Mutter. Obwohl die Großmutter inzwischen schon mehrmals in Kenia war und die kleine Joana ins Herz geschlossen hat. »Vielleicht geht sie ja einmal nach Kenia zurück«, sagt die Großmutter manchmal, wenn sie sich zu sehr sorgt, ob Joana als Erwachsene ein glückliches Leben in Deutschland führen wird.
Im Januar 2006 also, eineinhalb Jahre nach ihrer Hochzeit, hatten Sandra und Andreas Wenger ihren Adoptionsantrag nach Nairobi geschickt. Im Mai 2006 erreichte sie der »Kindervorschlag«. Sie sahen sich die Fotos erst am Abend an, als sie beide zu Hause waren. Und blieben seltsam unberührt. »Ich hatte mir das immer als was Großes vorgestellt«, sagt Sandra Wenger. Aber jetzt war da nichts als ein fremdes, schwarzes Baby auf dem Bildschirm.
Ein paar Tage später saßen sie im Flugzeug nach Nairobi, zogen in das Apartment in Westlands. Am nächsten Morgen stiegen sie in ein Taxi und fuhren hinaus nach Githurai. Ins Waisenhaus.
Sie ließen die Villen mit den stacheldrahtbewehrten Mauern hinter sich, das Safari Park Hotel mit seinen großzügigen Grünanlagen. Die Schlaglöcher in der Straße wurden tiefer, die Läden am Straßenrand armseliger. Bald waren es nur noch Bretterbuden. Weiter unten, in einer Senke, tauchte Githurai auf, ein diffuser Brei aus flachen und mehrstöckigen Gebäuden, der am Horizont im Dunst verschwamm. Da gab es Häuser, die aussahen wie Ruinen. Oder wie verkommene Rohbauten. Aber die Wäsche vor den Fensterhöhlen verriet, dass dort Menschen wohnten. Das Taxi bog von der Hauptstraße ab und rumpelte durch ein Gewirr von unbefestigten Gassen, in denen der Tropenregen tiefe Furchen hinterlassen hatte. Als Sandra und Andreas Wenger vor dem Open Hands Children’s Home aus dem Auto stiegen, wussten sie: Sie waren angekommen, in der kenianischen Wirklichkeit. Hier am Stadtrand wuchert Nairobi wie ein hässliches Geschwür.
Dann standen sie im Hof des Waisenhauses, das nicht viel mehr war als eine ebenerdige Baracke mit ein paar winzigen Räumen, einer Küche und einer Latrine, und jemand brachte ihnen ein Kind in einem roten Rüschenkleid. Ihr Kind. Es sei »aufgeweckt und fröhlich«, hatte in den Papieren gestanden. Aber jetzt sah es sie nur mit großen Augen an. Sie nahmen es auf den Arm, sie gaben ihm die Flasche. Es ließ alles über sich ergehen. Aber es lächelte nicht.
Ein, zwei Stunden blieben sie in dem Waisenhaus, sprachen mit den Betreuerinnen und versuchten sich vorzustellen, eine richtige Familie zu sein: Vater, Mutter, Kind. Sie beide und dieses kleine schwarze Mädchen mit den großen Augen.
Dass es bei diesem ersten Besuch nicht lächelte, darauf waren sie gefasst gewesen. »Liebe, Zuneigung, Vertrauen, das wird sich alles erst langsam entwickeln«, hatte ihnen die Adoptionsberaterin von Help a child zu Hause in Deutschland immer wieder gesagt. Sie würden morgen wiederkommen, übermorgen, irgendwann würde das Eis brechen.
Was aber am Nachmittag des gleichen Tages geschah, darauf hatte sie niemand vorbereitet. Ein Anruf in ihrem Apartment: »Das Komitee hat ihren Antrag abgewiesen. Sie können das Kind nicht adoptieren.« Plötzlich merkten sie, wie sehr sie Joana schon ins Herz geschlossen hatten. Wie allein sie sich fühlten, zu zweit in dem Apartment, während draußen, am Pool, Kinder kreischten und Mütter lachten.
Was war geschehen? Irgendjemand hatte noch einmal genau nachgerechnet. Und festgestellt, dass sie noch keine drei Jahre verheiratet waren. Zwar von 2004 bis 2006, aber keine 36 Monate. Die allerdings sind eine der Voraussetzungen für eine Auslandsadoption nach den neuen kenianischen Gesetzen.
»Ebbesei« plappert Joana, und es klingt wie Eppelsheim
Sie lebten doch seit neun Jahren in einer eheähnlichen Gemeinschaft, argumentierten sie, und ließen sich von der deutschen Botschaft attestieren, dass das unter jungen Paaren in Deutschland durchaus üblich sei. Sie hofften auf ein Einsehen. Aber das staatliche Adoptionskomitee war entschlossen, das Gesetz mit aller Härte anzuwenden. Man wollte der Welt etwas beweisen.
Um es kurz zu machen: Andreas Wenger musste nach zwei Wochen nach Deutschland zurück, für eine längere Zeit hatte er sich im Büro nicht freinehmen können. Sandra Wenger blieb noch bis Anfang August in Nairobi; danach suchte und fand sie einen Weg, Joana immer wieder einmal zu sehen. Und schließlich reiste sie im vergangenen Sommer erneut nach Kenia, zusammen mit ihrem Mann, genau drei Jahre nach ihrer Hochzeit.
Am 28. August 2007 nahmen sie Joana offiziell in Pflege und holten sie zu sich, in ihr Apartment nach Westlands.
Inzwischen hat Joana auch das Lachen gelernt. Sie beherrscht alle Tricks, mit denen Zweijährige sich der Aufmerksamkeit ihrer Mutter vergewissern. Wenn Sandra Wenger »Wo ist der Papa?« fragt, plappert Joana etwas, das wie »ebbesei« klingt. Eppelsheim. Den Papa sieht sie auf den vielen Fotos, die an der Wand hinter dem Esstisch kleben. Manchmal ist er auch am Telefon, aber das versteht Joana noch nicht so richtig.
Ende November waren die drei Monate Pflegschaft endlich vorbei. Bei einem letzten Hausbesuch hatte sich Susan Otuoma, die Sozialarbeiterin der kenianischen Adoptionsagentur, davon überzeugt, dass es Joana gut geht bei Sandra Wenger. Wie viele Mahlzeiten bekommt das Kind am Tag? Schläft es mittags noch? Bekommt es momentan irgendwelche Medikamente? Erkennt es seinen Adoptivvater, wenn er zu Besuch kommt? Zeichnet es gern? Und dann zu Joana: »Wo ist dein Zimmer? Zeig mir dein Schlafzimmer!« Joana zeigte mit ihrem Finger in den Flur. Aber dort hingehen mit der fremden Frau wollte sie nicht.
Auch die Adoptivmutter kann nicht mehr in ihr altes Leben zurückkehren
Susan Otuoma war trotzdem zufrieden. Am nächsten Tag konnte Mrs. Musyni, Sandra Wengers Anwältin, den Adoptionsantrag beim High Court einreichen. Sandra Wenger zeigte der Sozialarbeiterin noch das petrolgrüne Kostüm, das sie sich für die Gerichtstermine gekauft hatte. Denn der Dresscode ist streng vor kenianischen Gerichten. »Das ist genau richtig«, sagte Susan Otuoma. »Und wie spreche ich den Richter an?« – »Sagen Sie ›Mylord‹ zu ihm. Oder ›My Lordship‹.«
Draußen fuhr ein Lautsprecherwagen vorbei. Es war Wahlkampf in Kenia.
Die Wahl fand zwischen Weihnachten und Neujahr statt. Sandra Wenger verbrachte den Jahreswechsel mit ihrer Mutter und Joana in Naivasha, wo es einen See gibt, einen Nationalpark mit Geysiren, Rosenplantagen. Als sie nach Nairobi zurückkamen, waren alle Geschäfte geschlossen, auch das Sarit Center, das sie immer zu Fuß besucht hatten, zum Einkaufen. Eine seltsame Spannung lag in der Luft. Tagelang kamen die Hausangestellten nicht zur Arbeit, weil es zu gefährlich gewesen wäre, durch die Stadt zu fahren. Die Torwächter mussten 36 Stunden Dienst schieben, weil die Ablöse nicht kam.
Aus den Fernsehnachrichten erfuhr Sandra Wenger, dass Naivasha innerhalb von Stunden zu einem der gefährlichsten Orte Kenias geworden war. Tagelang wusste sie nicht, wie es weitergehen würde. Ob die Richter, die Anwälte, die Beamten, von denen ihr Adoptionsprozess abhing, überhaupt aus den Weihnachtsferien zurückkehren würden.
Dann begann sich das Leben in Nairobi langsam wieder zu normalisieren.
Hinter den Mauern ihrer Apartmentanlage fühlt sich Sandra Wenger jetzt sicher. Aber wenn sie in die Innenstadt will oder nach Githurai ins Waisenhaus, dann ruft sie am Tag zuvor Erustus an, den Taxifahrer, dem sie vertraut, und fragt ihn, ob das derzeit anzuraten sei. Ins Waisenhaus fährt sie, weil sie Kontakt halten will zu den Menschen, die sich in den ersten Monaten um Joana gekümmert haben. Geschenke darf sie nicht mitbringen, das verbieten die Adoptionsbestimmungen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, jemand würde für ein Adoptivkind bezahlen.
Einmal seit Anfang des Jahres war Sandra Wenger auch draußen, im Westen der Stadt, in Limuru. Dort sind Flüchtlinge aus Westkenia gestrandet. Sie brachte ihnen Spenden, die Help a child in Deutschland gesammelt hat. Auch Sandra Wenger hat Kenia und seine Menschen ins Herz geschlossen. Sie mag das Land, sie fühlt sich wohl hier, trotz allem. Ein bisschen Bammel hat sie vor der Rückkehr nach Deutschland. »Im Prinzip«, sagt sie, »komme ich nicht mehr in mein altes Leben zurück. Und ich wäre garantiert eine andere Mutter geworden, wenn ich ein leibliches Kind in Deutschland bekommen hätte.« Wie wird sie ihren Mann in ihr Leben mit Joana integrieren? Wie wird sie das Erziehen mit ihm teilen, nach all den Monaten als Alleinerziehende?
Das alles hat sie auch schon vor der Präsidentenwahl beschäftigt, als Kenia noch als eines der sichersten und stabilsten Länder Afrikas galt. Jetzt hofft sie einfach, dass ihr die Politik nicht noch einmal in die Quere kommt. Dass wieder völlige Ruhe einkehrt, im ganzen Land.
Oder dass zumindest die Richter des High Court schneller sind als die Unruhestifter.
- Datum 11.03.2008 - 09:19 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.03.2008 Nr. 11
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Ich kann diese Traenendruesen-Artikel nicht ausstehen. Hoert sich immer nach Schulaufsatz an. Auf der anderer Seite ist ja wohl die Frage angebracht, ob sich nicht auch in Deutschland ein Waisenkind gefunden haette. Aber nein, man muss es aus Afrika holen. Das ist falsch verstandenes Gutmenschentum. Bei einer Adoption sollte darauf geachtet werden, dass das Kind in die Familie "passt", also Rasse und Hautfarbe zumindest denen der Adoptiveltern aehnlich sind. Sowas erleichtert spaeter das Leben des Kindes, vor allem, wenn es selbst mal Kinder bekommt. Etwas anderes sind die Adoptionen von Pop-Stars wie Madonna, die ja wohl nicht aus Naechstenliebe afrikanische Kinder adoptiert sondern zur Aufbesserung ihres Images, oder weil sich die vielen Farben zusammen gut ansehen.
Also, gibt es in Deutschland keine deutschen Waisenkinder mehr ? Schon moeglich bei der heutigen desolaten Familiensituation.
Auf Seite 2 des Artikel finden Sie einen Link mit den Zahlen zur Adoptionssituation in Deutschland. Und wenn Sie aufmerksam gelesen haben, dann werden Sie sich an die Aussage erinnern, dass auf ein deutsches Waisenkind 12 Ehepaare mit Kinderwunsch fallen... Die Wartezeiten sind also sehr lange, unter Umstaenden so lange, dass man nach den strengen Adoptionsgesetzen zu alt wird um fuer ein Adoptionskind ueberhaupt noch in Frage zu kommen. Wenn Sie das alles uebersehen haben... Nun ja, man merkt eben, dass Sie "diese Traenendrueses-Artikel nicht ausstehen" koennen.
Am 5. Februar gab es dazu im ZDF eine 36Grad Reportage, Mein fremdes Kind, die man sich in der ZDF Mediathek noch ansehen kann. Die Reporter haben ein Paar, das vor vier Jahren zwei Mädchen aus Haiti adoptiert hat, noch ein zweites Mal besucht, um zu sehen, wie es den beiden Kindern heute geht. Eine wirklich interessante Dokumentation.
@eh381006: Mit Gutmenschentum hat das ganze unter dem einfachen Gesichtspunkt sich eine vollstaendige Familie zu wuenschen (Mama, Papa, Kind) doch wirklich ueberhaupt nichts zu tun. Und ob man Madonna nun mag oder nicht ist doch jedem selbst ueberlassen, ihr jedoch Naechstenliebe abzusprechen finde ich gewagt, Sie koennen schliesslich nicht in ihren Kopf kucken. Eine Aufbesserung ihres Images hat auch nicht stattgefunden. Rein hypothetisch koennte auch in Madonnas Fall einfach ein Kinderwunsch da gewesen sein, warum ist das so gaenzlich unmoeglich? Ach... und koennten Sie mich bitte mit Ihren Schulaufsaetzen erfreuen? Mir hat der Artikel naemlich ganz gut gefallen. Und da waren eigentlich auch keine Traenen, nur Interesse.
... das Elend von Kindern in der Welt verbessern dürfen? Das hat in erster Linie weder mit Rasse, noch mit Hautfarbe zu tun, nehmen Sie es einfach mal hin, ausgesprochen heißt dies auf deutsch "LIEBE". Könnten Sie das mal für Paare gelten lassen, von Anbeginn. Wäre schön, wenn Sie sich dazu durchrignen würden, @eh381006.isaac ben laurence weismann
- Volksgert - adoptierte ein russisches Mädl... Und niemand wunderte sich damals. Am wenigsten die Jerries selbst. Obwohl allen um sich herum, gerne in Moralsachen belehren.
Meiner Meinung nach sollte man Kinder nicht aus ihrem kulturellen Umfeld reißen. Möchte man wirklich etwas für deren Wohlergehen leisten, kann man ja auch spezifische Hilfsprojekte unterstützen. Allerdings sind die Bedingungen für die Adoption eines deutschen Kindes auch sehr problematisch und langwierig. Daher verstehe ich die betroffenen kinderlosen Paare, denke allerdings ebenfalls wie eh381006, dass das Kind aus einem ähnlichen Kulturkreis stammen sollte ( z.B.: Osteuropa ) - mit Rassismus hat das nichts zu tun!
Rassismus hat Ihnen ja auch niemand unterstellt. Oje. Muessen wir wirklich immer so leisetreten und noch bevor es irgendjemand bemerken koennte schon mal auf Verdacht beteuern, dass wir politisch voellig korrekt sind? Klar waer's schoen, wenn alle Kinder bei Ihren leiblichen Eltern aufwachsen koennten, und es waere auch schoen, wenn jeder Kinderwunsch erfuellt werden koennte, ohne dass man auf Adoption zurueckgreifen muesste. So isses aber nicht. Zum Ausgleich dafuer steckt aber in jedem aus dem Ausland adoptierten Kind eine Chance fuer die deutsche Gesellschaft, in ihrer Toleranz zu wachsen.
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