Auslandsadoptionen Unsere Tochter aus AfrikaSeite 6/6

Auch die Adoptivmutter kann nicht mehr in ihr altes Leben zurückkehren

Susan Otuoma war trotzdem zufrieden. Am nächsten Tag konnte Mrs. Musyni, Sandra Wengers Anwältin, den Adoptionsantrag beim High Court einreichen. Sandra Wenger zeigte der Sozialarbeiterin noch das petrolgrüne Kostüm, das sie sich für die Gerichtstermine gekauft hatte. Denn der Dresscode ist streng vor kenianischen Gerichten. »Das ist genau richtig«, sagte Susan Otuoma. »Und wie spreche ich den Richter an?« – »Sagen Sie ›Mylord‹ zu ihm. Oder ›My Lordship‹.«

Draußen fuhr ein Lautsprecherwagen vorbei. Es war Wahlkampf in Kenia.

Die Wahl fand zwischen Weihnachten und Neujahr statt. Sandra Wenger verbrachte den Jahreswechsel mit ihrer Mutter und Joana in Naivasha, wo es einen See gibt, einen Nationalpark mit Geysiren, Rosenplantagen. Als sie nach Nairobi zurückkamen, waren alle Geschäfte geschlossen, auch das Sarit Center, das sie immer zu Fuß besucht hatten, zum Einkaufen. Eine seltsame Spannung lag in der Luft. Tagelang kamen die Hausangestellten nicht zur Arbeit, weil es zu gefährlich gewesen wäre, durch die Stadt zu fahren. Die Torwächter mussten 36 Stunden Dienst schieben, weil die Ablöse nicht kam.

Aus den Fernsehnachrichten erfuhr Sandra Wenger, dass Naivasha innerhalb von Stunden zu einem der gefährlichsten Orte Kenias geworden war. Tagelang wusste sie nicht, wie es weitergehen würde. Ob die Richter, die Anwälte, die Beamten, von denen ihr Adoptionsprozess abhing, überhaupt aus den Weihnachtsferien zurückkehren würden.

Dann begann sich das Leben in Nairobi langsam wieder zu normalisieren. 

Hinter den Mauern ihrer Apartmentanlage fühlt sich Sandra Wenger jetzt sicher. Aber wenn sie in die Innenstadt will oder nach Githurai ins Waisenhaus, dann ruft sie am Tag zuvor Erustus an, den Taxifahrer, dem sie vertraut, und fragt ihn, ob das derzeit anzuraten sei. Ins Waisenhaus fährt sie, weil sie Kontakt halten will zu den Menschen, die sich in den ersten Monaten um Joana gekümmert haben. Geschenke darf sie nicht mitbringen, das verbieten die Adoptionsbestimmungen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, jemand würde für ein Adoptivkind bezahlen.

Einmal seit Anfang des Jahres war Sandra Wenger auch draußen, im Westen der Stadt, in Limuru. Dort sind Flüchtlinge aus Westkenia gestrandet. Sie brachte ihnen Spenden, die Help a child in Deutschland gesammelt hat. Auch Sandra Wenger hat Kenia und seine Menschen ins Herz geschlossen. Sie mag das Land, sie fühlt sich wohl hier, trotz allem. Ein bisschen Bammel hat sie vor der Rückkehr nach Deutschland. »Im Prinzip«, sagt sie, »komme ich nicht mehr in mein altes Leben zurück. Und ich wäre garantiert eine andere Mutter geworden, wenn ich ein leibliches Kind in Deutschland bekommen hätte.« Wie wird sie ihren Mann in ihr Leben mit Joana integrieren? Wie wird sie das Erziehen mit ihm teilen, nach all den Monaten als Alleinerziehende?

Das alles hat sie auch schon vor der Präsidentenwahl beschäftigt, als Kenia noch als eines der sichersten und stabilsten Länder Afrikas galt. Jetzt hofft sie einfach, dass ihr die Politik nicht noch einmal in die Quere kommt. Dass wieder völlige Ruhe einkehrt, im ganzen Land.

Oder dass zumindest die Richter des High Court schneller sind als die Unruhestifter.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich kann diese Traenendruesen-Artikel nicht ausstehen. Hoert sich immer nach Schulaufsatz an. Auf der anderer Seite ist ja wohl die Frage angebracht, ob sich nicht auch in Deutschland ein Waisenkind gefunden haette. Aber nein, man muss es aus Afrika holen. Das ist falsch verstandenes Gutmenschentum. Bei einer Adoption sollte darauf geachtet werden, dass das Kind in die Familie "passt", also Rasse und Hautfarbe zumindest denen der Adoptiveltern aehnlich sind. Sowas erleichtert spaeter das Leben des Kindes, vor allem, wenn es selbst mal Kinder bekommt. Etwas anderes sind die Adoptionen von Pop-Stars wie Madonna, die ja wohl nicht aus Naechstenliebe afrikanische Kinder adoptiert sondern zur Aufbesserung ihres Images, oder weil sich die vielen Farben zusammen gut ansehen. 
    Also, gibt es in Deutschland keine deutschen Waisenkinder mehr ? Schon moeglich bei der heutigen desolaten Familiensituation.

  2. Auf Seite 2 des Artikel finden Sie einen Link mit den Zahlen zur Adoptionssituation in Deutschland.  Und wenn Sie aufmerksam gelesen haben, dann werden Sie sich an die Aussage erinnern, dass auf ein deutsches Waisenkind 12 Ehepaare mit Kinderwunsch fallen... Die Wartezeiten sind also sehr lange, unter Umstaenden so lange, dass man nach den strengen Adoptionsgesetzen zu alt wird um fuer ein Adoptionskind ueberhaupt noch in Frage zu kommen.      Wenn Sie das alles uebersehen haben... Nun ja, man merkt eben, dass Sie "diese Traenendrueses-Artikel nicht ausstehen" koennen.

  3. Am 5. Februar gab es dazu im ZDF eine 36Grad Reportage, Mein fremdes Kind, die man sich in der ZDF Mediathek noch ansehen kann. Die Reporter haben ein Paar, das vor vier Jahren zwei Mädchen aus Haiti adoptiert hat, noch ein zweites Mal besucht, um zu sehen, wie es den beiden Kindern heute geht. Eine wirklich interessante Dokumentation.

  4. @eh381006:  Mit Gutmenschentum hat das ganze unter dem einfachen Gesichtspunkt sich eine vollstaendige Familie zu wuenschen (Mama, Papa, Kind) doch wirklich ueberhaupt nichts zu tun.                                                                          Und ob man Madonna nun mag oder nicht ist doch jedem selbst ueberlassen, ihr jedoch Naechstenliebe abzusprechen finde ich gewagt, Sie koennen schliesslich nicht in ihren Kopf kucken.   Eine Aufbesserung ihres Images hat auch nicht stattgefunden.  Rein hypothetisch koennte auch in Madonnas Fall einfach ein Kinderwunsch da gewesen sein, warum ist das so gaenzlich unmoeglich?                                                                                                                                                     Ach... und koennten Sie mich bitte mit Ihren Schulaufsaetzen erfreuen?  Mir hat der Artikel naemlich ganz gut gefallen.  Und da waren eigentlich auch keine Traenen, nur Interesse. 

    • Anonym
    • 11.03.2008 um 13:15 Uhr

    ... das Elend von Kindern in der Welt verbessern dürfen? Das hat in erster Linie weder mit Rasse, noch mit Hautfarbe zu tun, nehmen Sie es einfach mal hin, ausgesprochen heißt dies auf deutsch "LIEBE". Könnten Sie das mal für Paare gelten lassen, von Anbeginn. Wäre schön, wenn Sie sich dazu durchrignen würden, @eh381006.isaac ben laurence weismann

    • Anonym
    • 11.03.2008 um 14:47 Uhr

    - Volksgert - adoptierte ein russisches Mädl... Und niemand wunderte sich damals. Am wenigsten die Jerries selbst. Obwohl allen um sich herum, gerne in Moralsachen belehren.

  5. Meiner Meinung nach sollte man Kinder nicht aus ihrem kulturellen Umfeld reißen. Möchte man wirklich etwas für deren Wohlergehen leisten, kann man ja auch spezifische Hilfsprojekte unterstützen. Allerdings sind die Bedingungen für die Adoption eines deutschen Kindes auch sehr problematisch und langwierig. Daher verstehe ich die betroffenen kinderlosen Paare, denke allerdings ebenfalls wie eh381006, dass das Kind aus einem ähnlichen Kulturkreis stammen sollte ( z.B.: Osteuropa ) - mit Rassismus hat das nichts zu tun!

  6. Rassismus hat Ihnen ja auch niemand unterstellt.     Oje.  Muessen wir wirklich immer so leisetreten und noch bevor es irgendjemand bemerken koennte schon mal auf Verdacht beteuern, dass wir politisch voellig korrekt sind?   Klar waer's schoen, wenn alle Kinder bei Ihren leiblichen Eltern aufwachsen koennten, und es waere auch schoen, wenn jeder Kinderwunsch erfuellt werden koennte, ohne dass man auf Adoption zurueckgreifen muesste.  So isses aber nicht.  Zum Ausgleich dafuer steckt aber in jedem aus dem Ausland adoptierten Kind eine Chance fuer die deutsche Gesellschaft, in ihrer Toleranz zu wachsen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service