Adam Green Alles nur geclownt

Auf "Sixes & Sevens" macht Adam Green Popmusik wieder zur Zirkusnummer.

Es ist das alte Problem mit den Clowns: Manche Kinder können von ihnen nicht genug bekommen, während andere sich schreiend auf den Boden werfen, wenn sie die rote Pappnase und die Halbglatzenhaarkranzkorona von Weitem erblicken. Der Clown für Popmusikhörer heißt Adam Green, er hat gewöhnlich nicht nur eine Fidel, sondern gleich ein buntes Musikervölkchen dabei. Jetzt ist sein Zirkus wieder in der Stadt und präsentiert das neue Programm Sixes & Sevens. Für den Clown-Phobiker beginnt es mit einem Schock: 20 Songs hat Herr Green auf sein Album gepackt, die Vorstellung dauert dann aber weniger als 50 Minuten.

Greens Pappnase besteht in seinem Gestus, Musik mit vordergründigem Humor aufzuführen. Seine Songtexte und Titel, Twee Twee Dee oder Sticky Ricki, reimen sich neckisch wie Babysprache. Er nimmt sich diverser Genres an, vergreift sich an Rap, Experimentellem oder Gospelchören, stellt sie aber immer aus, als wollte er sagen: »Ist es nicht total witzig, dass ich gerade Led-Zeppelin-artigen Bluesrock fabriziere?« Dann rollt vorm inneren Auge der Leierkasten vorüber, man hört Bläsersätze, eine tiefe Tuba, Panflöten und Glockenspiel, doch statt durch Reichtum Nuancen zu erzeugen, feiert das Arrangement jede Idee, als sei sie die ultimative Klangpointe. Das erinnert an Mickey-Mousing, die Kompositionstechnik, die im Zeichentrickfilm die Bewegung der Figuren hörbar macht: Ein »BOING! BOING!« der Maultrommel, und Adam Green hüpft durch die Manege.

Dass irgendwo in diesem Entertainer-Eklektizisten des Pop ein ernsthafter Musiker steckt, wird in spärlich instrumentierten Songs wie Homelife oder It's A Fine deutlich. Letzterer, der beste des Albums, ist ein einfaches Lied, das nicht wie die übrigen Stücke einfach ausgeblendet wird, sondern Anfang und Ende, also Struktur hat.

Auf einmal hört man dem Songwriter mit der melancholisch-tiefen Crooner-Stimme gerne zu. Er schaut sich ja manchen Trick bei Jim Morrison oder Jarvis Cocker ab, aber Adam Green weiß doch genau, was er tut: Sixes & Sevens ist schließlich kein probierendes Debüt, sondern Album Nummer 5 und Fortführung seiner Sammel-und-Spaßmach-Strategie. Die Platte wird niemanden von der Musikclown-Paranoia kurieren, aber das kann Adam Green egal sein, solange in seinem Popzirkus alle Vorstellungen ausverkauft sind.

Adam Green: Sixes & Sevens (Rough Trade)

 
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