Autotest Freiheit, die ich meine

ZEIT-Reporter Stephan Lebert bekommt im Chrysler Sebring Sehnsucht nach der Weite amerikanischer Highways

Zwei Wochen lang steht jetzt also ein großer Chrysler vor meiner Tür. Man könnte angesichts dieser Marke nun über alles Mögliche nachdenken, zum Beispiel über internationale Industriepolitik. Ich aber höre den Namen Chrysler und denke an unendliche Highways, an Wüstenlandschaft, ja, an Freiheit, an die große Freiheit, Auto zu fahren. Klar, es ist ein Klischee. Manchmal kann man sich seine Gefühle eben nicht aussuchen.

Ich habe mal einen Roman gelesen, der handelte von einem Mann, der in einer schweren Krise einen Beschluss fasst: Er fährt von New York nach Los Angeles mit seinem Wagen. Wochenlang ist er unterwegs, er lässt sich treiben, von Motel zu Motel. Auf dieser Autofahrt verschwindet sein bisheriges Leben, von Meile zu Meile, und mit dem Leben auch seine Krise. Das möchte ich auch mal machen, mit oder ohne Krise. Allein die Vorstellung macht mir gute Laune.

Zwei Fragen habe ich mir in diesen 14 Tagen immer wieder gestellt. Erste Frage: Warum hat für mich Autofahren etwas mit Freiheit zu tun? Ich muss nicht auf den Bus warten. Ich fühle mich unbeobachtet. Ich kann laut Musik hören. Ich kann fluchen und schimpfen. Die automatisierten Bewegungen, Schalten, Bremsen, Kuppeln, haben etwas leicht Meditatives. Und immer dieses Gefühl, man könnte losfahren, wegfahren. Ohne sich vorher irgendwo in einer Schlange anzustellen.

Zweite Frage: Warum denke ich, dass diese Freiheit am tollsten in den USA ist? Obwohl es dort viel mehr Verbote gibt. Obwohl ich einmal in San Francisco beinahe tödlich verunglückt wäre. Mir sind drei Gründe eingefallen. Die Landschaft. Das entspannende Langsamfahren. Und die Größe der Autos. Ich fühle mich wohler in großen Wagen als in kleinen.

Ich weiß, man sollte sich andere Fragen stellen. Warum verzichte ich nicht ganz auf mein Auto? Wie kann ich Biodiesel fördern? Wie das Wasserstoffauto unterstützen? Wie kann ich das Klima retten? Wie schaffe ich es, mich von Gewohnheiten zu verabschieden, die zweifellos schlecht für die Umwelt sind? All das sind wichtige Überlegungen, zu denen ich im Moment nichts beisteuern kann. Es ist sicher so, dass man zu dem Mann, der in der Lebenskrise durch die USA fährt, auch sagen kann: Kannst du nicht den Bus nehmen?

Ich möchte nach meinen 14 Tagen Chrysler, in denen ich in Berlin an den Wüstenhighway im Death Valley dachte, nur darauf hinweisen, dass Autofahren etwas sehr Irrationales haben kann. Und dass dies gelegentlich richtig nett ist.

Motorbauart: Turbodiesel-Motor
Leistung: 103 kW (140 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h
CO₂-Emission: 170 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,2 Liter
Basispreis: 30.490 Euro


 
Leser-Kommentare
    • Wolbo
    • 11.03.2008 um 16:52 Uhr

    Wozu schreibt man eine Rezension über ein Auto unter der der Rubrik "auto-autotest-technik"? Ich denke, um etwas über das entsprechende Auto zu erfahren. Da tat ich mich bei diesem Beitrag etwas schwer. Außer in der Schlusstabelle mit den technischen Daten erfuhr ich Einiges über die Sehnsucht des Verfassers ". . . nach der Weite amerikanischer Highways" etc. , aber mit Verlaub - unter einem Autotest verstehe ich etwas Anderes. Vielleicht ist der ZEIT-Autor der Meinung: Wer so einen gewöhnlichen Autotest lesen möchte, der solle entsprechende Fachzeitschriften konsultieren. Nur - könnte man sich so einen Erguss dann nicht einfach sparen? Ist doch schade um den Platz und die Zeit.

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