Coaching Der Hartz IV-Coach
Ein Wirtschaftsberater coacht ehrenamtlich Schulen. Warum? Ein Gespräch mit Philipp Großmann
Sie beraten als Manager im Rahmen des Projekts »Partners in Leadership« ehrenamtlich Schulen. Was genau machen Sie da?
Alle zwei bis vier Wochen habe ich mich mit der Direktorin der Herbert Hoover Realschule in Berlin-Wedding getroffen. Dort haben 93 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. Gewalt ist genauso ein Problem wie mangelnde Lernbereitschaft. Wir haben gemeinsam überlegt, wie man die Situation verbessern könnte. Um mir ein besseres Urteil bilden zu können, habe ich mich zu Beginn der Zusammenarbeit in den Ethikunterricht gesetzt und die Schüler beobachtet. Das war erschreckend.
Warum?
Der Unterricht hat die Kinder überhaupt nicht interessiert. Ein Grund dafür ist, dass die meisten glauben, sie haben ohnehin keine berufliche Perspektive und werden Hartz-IV-Empfänger. Einen Vorwurf kann man ihnen aber nicht machen: Fast alle kommen aus Familien, in denen noch nie jemand einen richtigen Beruf hatte. Und in den letzten Jahren hat kein einziger Absolvent dieser Schule eine Lehrstelle gefunden.
Ihr Lösungsvorschlag?
Zusammen mit 20 Kollegen wollte ich im vergangenen Sommer die 20 Besten der Abschlussklasse an die Hand nehmen und coachen. Leider wollten zehn der ausgewählten Schüler lieber in den Urlaub fahren; neun andere sind nicht zum verabredeten Termin erschienen. Ein Mädchen konnte ich schließlich als Zahnarzthelferin vermitteln. Trotzdem ist die Bilanz katastrophal.
Das muss demotivierend sein.
Nein, im Gegenteil: Ich sehe das als Herausforderung! Zusammen mit dem Lehrerkollegium will ich als Nächstes überlegen, wie der Unterricht gestaltet sein muss, damit er die Schüler wirklich interessiert. Das ist eine knifflige Aufgabe. Zum Glück ist die Arbeit aber nicht überall so schwierig. Ganz anders war es beispielsweise am Fontane Gymnasium in Rangsdorf.
Welche Probleme gab es dort?
Die Schülerzahlen waren seit Jahren stark rückläufig. In ein paar Jahren hätte die Schule geschlossen werden müssen. Der Direktor hat dann aufgrund unserer Analyse eine Werbebroschüre entworfen, die die Lehrer anschließend in Grundschulen verteilt haben. Zudem wurden die Schüler beauftragt, bei Freunden und Verwandten Werbung für ihre Schule zu machen. Diese Aktion hat voll durchgeschlagen: War es vorher schwierig, zwei fünfte Klassen zusammenzubringen, gab es plötzlich fast 100 Bewerber und gleich drei Klassen!
Wieso engagieren Sie sich eigentlich so stark?
Ich habe selbst vier schulpflichtige Kinder. Deshalb interessiert mich das Thema Bildung auch privat. Außerdem braucht unsere Wirtschaft gut ausgebildete Arbeitnehmer, um weiter wachsen zu können.
Interview: Sabine Hoffmann
Philipp Großmann, 47, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Berlin
- Datum 09.03.2008 - 07:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 06.03.2008 Nr. 11
- Kommentare 11
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Was wollte uns der Artikel sagen?
Coaching? Da ich googele kann, will ich 'n Überblickle über Arten des Placement biete: 1 Product placement2 Titelpatronat3 Information Placement4 Corporate Placement5 Politische Propaganda6 On-Set Placement7 Creative Placement8 Generic Placement9 Music Placement10 Country- oder Landside Placement11 Celebrity Placement Sehn S’s?: Da fehlt ein Thema: das Themen-Placement. Und das Manager-Placement!Heil Manager!~ *Es gibt ein Managment, das sich den Anus abrennt.(Mit Erich Kästner nach-gedacht!)
@Kometa, jetzt haben Sie mit Ihrem Link zum Placement bei Wikipedia doch das allerwichtigste Placement nicht erwähnt. Das Outplacement. Diese korreliert dann auch mit dem Zitat aus dem Beitrag "Außerdem braucht unsere Wirtschaft gut ausgebildete Arbeitnehmer, um weiter wachsen zu können." Oder übersetzt: Je mehr gute Mitarbeiter bei den Unternehmen freigesetzt werden, um so mehr gute Mitarbeiter stehen dem Arbeitsmarkt zu Verfügung. So kann man dann aus Entlassungen eine positive Korrelation machen.
Danke, Euklid, für die Ergänzung!~ * Hier übt sich Manager
fleißig-eilig-Gott-sei-bei-uns-gleich in Co-Adjuvanz, und die ZEIT berichtet
eilig davon: Ob der Master industriae Latein
kann?„Non scholae, sed imperatori [Gewaltherrscher, Despot; Unternehmer; Imperator, Kaiser; Wirt;
Herrscher; Statthalter; Herr; "dominus" als Hausherr] discimus“?Wie dominus, so servus. (Mit Erich Kästner nach-gedacht!)
"... die 20 Besten
der Abschlussklasse an die Hand nehmen und coachen. Leider wollten zehn
der ausgewählten Schüler lieber in den Urlaub fahren; neun andere sind
nicht zum verabredeten Termin erschienen. Ein Mädchen konnte ich
schließlich als Zahnarzthelferin vermitteln. Trotzdem ist die Bilanz
katastrophal."Wieso - die Erfolgsbilanz ist doch 100%!!
Von den 20 Besten ( der Rest kann vermutlich weder lesen noch schreiben und dies ist dann gleichzeitig eine tolle Bilanz für den Le(h)erkörper) fahren 10 lieber in den Urlaub. Von den verbleibenden 10 ist nur eine zum Vorstellungsgespräch erschienen und die bekam prompt einen Ausbildungsplatz. Ich fasse zusammen: Aus einem Vorstellungsgespräch resultierte eine Vermittlung. 100 Prozent Erfolgsbilanz. Das heißt, Ihr Resultat stimmt. Gratulation!
Vielleicht sollten mal ALG2-Empfänger ein paar Manager und Politiker coachen-wer mit 345€ in Schland über die Runden kommt ohne sich zu verschulden oder zu verhungern (und ein beachtlich großer Teil der ALG2-Empfänger schafft das jeden Monat aufs Neue), der wuppt die Bundesrepublik oder VW doch mit dem kleinen Finger zwischen zwei Bewerbungsgesprächen.Was der Coachcoachsupercoach aber an der Schule will, wundert mich. Sinnvoll wärs, wenn er zu Unternehmen geht und denen beibiegt, daß sie ruhig auch mal nen Hauptschüler einstellen können. Die Schüler wissen, daß sie auch mit 1ser-Zeugnis nix werden, solange "Hauptschule" oben drüber steht.
Ihr Glaube an das Gute im (ärmeren) Menschen (einfachel Formel: je ärmer umso guter) ist unerschütterlich - ich beneide Sie ob dieser Grundhaltung.Leider bin ich nicht arm genug, um Ihre Maximas zu erreichen.
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