Herr Dicks, Sie stehen mit spickmich.de vielleicht bald vor dem Bundesverfassungsgericht. Wie fühlen Sie sich ?

Dicks: Als wir die erste Klage bekommen haben, haben wir geschluckt. Wir sind Mitte 20, studieren, und plötzlich droht uns eine Strafe von 250.000 Euro oder sechs Monaten Haft, wenn wir die klagende Lehrerin nicht aus dem Portal löschen. Sie sieht ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und den Datenschutz nicht gewahrt, da sie ohne ihre Einwilligung im Internet steht. Außerdem gibt es Vorwürfe gegen die Art der Bewertungskategorien. Aber spickmich.de ist ja ein Meinungsforum, und Schüler haben ein Recht darauf, ihre Meinung über die Leistung und das Auftreten der Lehrer im Unterricht zu äußern. Das haben die Gerichte bislang auch bestätigt.

Frau Boese, Sie unterrichten Englisch und Physik an einer Realschule. Verletzt spickmich.de das Persönlichkeitsrecht ?

Boese: Ja, der Meinung bin ich, und das wird sicher gerichtlich auch so entschieden. Es handelt sich zwar nicht um Schmähkritik, die Kategorie »sexy« wurde ja entfernt. Aber die Noten übersteigen die Schmerzgrenze einzelner Lehrer. spickmich.de ist einseitig, anonym und selektiv, weil nicht alle Lehrer einer Schule bewertet werden und nicht alle Schüler bewerten.

Maximilian von Auenmüller, wie viele Lehrer haben Sie schon benotet?

von Auenmüller: 21 Lehrer unserer Schule sind bei spickmich.de zu finden, ich habe davon alle bewertet, die mich unterrichten. Je mehr Schüler mitmachen, desto gerechter wird es.

Dicks: Viele sagen, die Webseite sei ein Lehrerpranger. Schüler würden da die Lehrer fertigmachen. Das ist absurd. 250.000 Lehrer wurden bei uns bewertet. Zwei Drittel der Lehrer haben eine 1 oder eine 2 vor dem Komma. Nur fünf Prozent eine 5. Die Durchschnittsnote ist 2,7. Ich finde, das ist ein sehr gutes Zeugnis für die Lehrer. Man muss Schülern wesentlich mehr Vertrauen entgegenbringen.