Lehrer

Dürfen die das?

Auf dem Internetportal spickmich.de bewerten Schüler ihre Lehrer – anonym. Manche Lehrer fühlen sich an den Pranger gestellt und klagen gegen die Webseite. Der nächste Gerichtstermin ist am 12. März. Vorher bat die ZEIT zum Streitgespräch

Herr Dicks, Sie stehen mit spickmich.de vielleicht bald vor dem Bundesverfassungsgericht. Wie fühlen Sie sich ?

Dicks: Als wir die erste Klage bekommen haben, haben wir geschluckt. Wir sind Mitte 20, studieren, und plötzlich droht uns eine Strafe von 250.000 Euro oder sechs Monaten Haft, wenn wir die klagende Lehrerin nicht aus dem Portal löschen. Sie sieht ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und den Datenschutz nicht gewahrt, da sie ohne ihre Einwilligung im Internet steht. Außerdem gibt es Vorwürfe gegen die Art der Bewertungskategorien. Aber spickmich.de ist ja ein Meinungsforum, und Schüler haben ein Recht darauf, ihre Meinung über die Leistung und das Auftreten der Lehrer im Unterricht zu äußern. Das haben die Gerichte bislang auch bestätigt.

Frau Boese, Sie unterrichten Englisch und Physik an einer Realschule. Verletzt spickmich.de das Persönlichkeitsrecht ?

Boese: Ja, der Meinung bin ich, und das wird sicher gerichtlich auch so entschieden. Es handelt sich zwar nicht um Schmähkritik, die Kategorie »sexy« wurde ja entfernt. Aber die Noten übersteigen die Schmerzgrenze einzelner Lehrer. spickmich.de ist einseitig, anonym und selektiv, weil nicht alle Lehrer einer Schule bewertet werden und nicht alle Schüler bewerten.

Maximilian von Auenmüller, wie viele Lehrer haben Sie schon benotet?

von Auenmüller: 21 Lehrer unserer Schule sind bei spickmich.de zu finden, ich habe davon alle bewertet, die mich unterrichten. Je mehr Schüler mitmachen, desto gerechter wird es.

Dicks: Viele sagen, die Webseite sei ein Lehrerpranger. Schüler würden da die Lehrer fertigmachen. Das ist absurd. 250.000 Lehrer wurden bei uns bewertet. Zwei Drittel der Lehrer haben eine 1 oder eine 2 vor dem Komma. Nur fünf Prozent eine 5. Die Durchschnittsnote ist 2,7. Ich finde, das ist ein sehr gutes Zeugnis für die Lehrer. Man muss Schülern wesentlich mehr Vertrauen entgegenbringen.

Boese: Mich stört, dass die Benotung anonym vorgenommen wird.

Kann spickmich.de ausschließen, dass sich Schüler auf diese Weise einfach rächen wollen ?

Dicks: Wenn ein Schüler einem Lehrer eins reinwürgen will, gibt er ihm keine 2, sondern eine 6. Wenn der Lehrer aber von 20 anderen Schülern eine 2 hat, ist klar, dass diese 6 keine aussagekräftige Note ist. Wir haben viele mathematische Gleichungen in unser System eingebaut, die Spaßnoten unmöglich machen. Jeder Schüler kann seinen Lehrer täglich neu benoten. Die Zensuren werden gespeichert, ein Lehrer kann sich regelmäßig eine aktuelle Rückmeldung holen. Wir wissen von Referendaren, dass sie ihren Schülern nach der Stunde sagen: »Denkt dran, aktualisiert eure Noten bei spickmich.de.« Das ist ein unkompliziertes Feedback.

Boese: Ich bezweifle den Begriff Feedback in diesem Zusammenhang außerordentlich. Das System müsste dazu allen Kollegen an einer Schule offen stehen. Meiner Ansicht nach stellen sich folgende Fragen: Welchen Nutzen hat das Portal für Schüler, Lehrer und Eltern? Und möglicherweise: Welchen Schaden kann es für das System Schule haben?

Welchen Schaden meinen Sie ?

Boese: Es verbessert das Schulklima nicht, sondern bringt die Lehrer auseinander. Was sagt es außerdem aus, wenn ein Lehrer zweihundert Schüler unterrichtet und nur neun ihn bewerten? Er kann sich nur mit Kritik auseinandersetzen, wenn er einen Überblick über die Meinung der ganzen Klasse hat.

von Auenmüller: Der Nutzen für mich ist, mit meinen Problemen nicht mehr alleine zu sein. Wenn auch andere Schüler einen Lehrer mit 4 oder 5 bewerten, ist das für mich eine Bestätigung.

Boese: Dafür gibt es eine Schülervertretung.

von Auenmüller: Ich bin Klassensprecher, aber niemand macht den ersten Schritt und kommt auf mich zu. Und kein Zehntklässler traut sich, seinem Lehrer zu sagen: »Ich finde Ihren Unterricht nicht gut.« Einmal hatten alle eine Hausaufgabe vergessen, und die Lehrerin hat ausgewürfelt, wer die 6 bekommt. Eine andere Lehrerin ist während der Unterrichtszeit mit ihrem Hund spazieren gegangen. Keiner hat etwas gesagt, denn entweder stößt man auf taube Ohren, oder es wird einem schlecht ausgelegt.

Beruht der Erfolg von spickmich.de auf dem fehlenden Vertrauen zwischen Lehrern und Schülern ?

Boese: Dass es Lehrer gibt, die sich so unprofessionell verhalten, finde ich nicht in Ordnung. Aber spickmich.de ist nicht geeignet, eine Feedback-Kultur aufzubauen. Ich bin mir nicht sicher, ob das Bewerten jungen Leuten nicht auch ein wenig Spaß macht. Es ist ein Teufelskreis: Feedback-Kultur ist definiert durch Vertrauen, und dahin kommen wir nicht durch spickmich.de. Es gibt keine Gegenseitigkeit.

von Auenmüller: Durch die Anonymität ist aber gewährleistet, dass die Rückmeldung dem Schüler nicht schadet – und das ist für die Schüler wieder ein Grund, faire Noten zu geben. Die Lehrer müssen dann das Gespräch suchen.

Dicks: Dafür gibt es viele positive Beispiele. Einen Direktor etwa hat seine Note 3,4 so überrascht, dass er daraufhin eine Sprechstunde eingerichtet hat und nun öfter durch das Schulhaus läuft, um in Kontakt mit seinen Schülern zu kommen.

Boese: Bewertete Lehrer sollen auf die Schüler zugehen? Wie soll das im Schulalltag funktionieren?

Dicks: Es ist doch der Job eines Lehrers, auf die Klasse zuzugehen. Es ist dabei auch egal, ob ein Schüler sich direkt an den Lehrer gewandt hat oder ob die Rückmeldung durch ein Internetforum erfolgt. Wenn die Klasse unzufrieden mit dem Lehrer ist, ist es seine Aufgabe, nachzufragen und etwas zu ändern.

Wie könnte denn eine Rückmelde-Kultur aussehen, die der Schule nicht schadet, sondern nutzt ?

Boese: Ich möchte mich ganz konkret mit meinen Schülern austauschen können, von Angesicht zu Angesicht. Ich brauche mehr Zeit, um mit Schülern reden zu können. Das muss politisch geregelt werden.

Dicks: Sie hatten ja viele Jahre Zeit, um das Vertrauensverhältnis herzustellen und eine vernünftige Evaluation einzuführen. Dann wäre so ein Forum wie spickmich.de überhaupt nicht nötig. Mit dieser Idee haben wir die Bedürfnisse der Schüler angesprochen. Nutzen hat es dann, wenn die Lehrer sich darauf einlassen und erkennen, dass die Schüler eine Meinung zum Unterricht haben, die wichtig ist. Dafür braucht man keine politische Entscheidung. Das kann jeder Lehrer in Angriff nehmen.

Boese: Dann kennen Sie Schule nur als Schüler und haben sie nicht vom System her durchdrungen. An der Schule sind viele beteiligt. Wenn ein Einzelner eine Bewertung abgibt, hat das keine Auswirkungen. Das Schulsystem muss sich verändern, nur in der Ganztagsschule ist auch Zeit, sich auszutauschen.

Dicks: Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass in der Bildungspolitik die Latte immer viel zu hoch gelegt wird. Meinungsaustausch kann auch ganz einfach funktionieren. Teilen Sie zum Beispiel Feedback-Bögen aus?

Boese: Nein, weil ich meine, dass sich Schüler, Lehrer und Eltern an einen Tisch setzen müssten, um eine Feedback-Kultur zu entwickeln. Wir brauchen eine Außenmoderation und eine Begleitung des Projekts: Das verändert Schule.

Spickmich.de wird von den Schülern angenommen. Stünde den Lehrern ein wenig Gelassenheit nicht gut zu Gesicht ?

Boese: Ich bin heute der Auffassung: Nein, weil die Kriterien nicht objektiv sind und die Bewertung nicht transparent und repräsentativ ist. Wenn ich eine Note bekomme, repräsentiert sie nicht alle Schüler, die ich unterrichte. Und ich möchte nicht unbedingt cool und witzig sein, ich will einen guten Unterricht machen.

von Auenmüller: Die Klagen zeigen doch, dass die Rückmeldung bei den Lehrern ankommt. Das ist menschlich: Man hat etwas falsch gemacht, und dann fängt man an, sich zu verteidigen. Im Internet wird viel bewertet: Hotels, Krankenhäuser; sogar die Bundeskanzlerin – warum nicht auch Lehrer?

Boese: Wenn es um die Gegenüberstellung von Persönlichkeitsrecht und Meinungsfreiheit geht und spickmich.de keinen Nutzen für die Schule hat, muss es aus der Welt geschafft werden. Und wie das in Deutschland so ist, geht das nur vor Gericht.

Das Gespräch führten Christian Fuchs und Judith Scholter

Bernd Dicks , 25, ist Mitbetreiber von Spickmich.de. Er studiert Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Düsseldorf. Ende Februar 2008 erschien von ihm das Spickmich-Buch "Lehrer – eine Gebrauchsanweisung" .
Renate Boese, 61, Lehrerin in Essen, war stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW
Maximilian von Auenmüller, 15, geht in die 10. Klasse des Martin Luther Gymnasiums in Eisenach und benotet seine Lehrer

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Leser-Kommentare

  1. Also die lehrerin argumentiert als wenn sie noch nie eine Uni von innen gesehen hat - ist ja peinlichst!Zum einen geht es ihr darum, ihre politischen Zielvorstellungen umzusetzen - Ganztagesschule ("Wenn ein Einzelner eine Bewertung abgibt, hat das keine Auswirkungen.
    Das Schulsystem muss sich verändern, nur in der Ganztagsschule ist auch
    Zeit, sich auszutauschen
    .").Dort würde ihrer Meinung nach folgender Vorteil herrschen:"Boese:Ich möchte mich ganz konkret mit meinen
    Schülern austauschen können, von Angesicht zu Angesicht. Ich brauche
    mehr Zeit, um mit Schülern reden zu können. Das muss politisch geregelt
    werden.
    "Sie möchte also Zeit haben um sich mit ihren Schülern auszutauschen - was ja erst einmal Lobenswert ist.Der Weg dorthin ist der Streitpunkt. Und da wird sie argumentativ peinlich - denn einerseits sagt sie:"Nein, weil ich meine, dass sich Schüler, Lehrer und Eltern an einen Tisch setzen müssten, um eine Feedback-Kultur zu entwickeln."--> also sie will gleich eine ganze Kultur entwickeln^^ - das ist nett, nur wenn will sie konkret daran beteiligen - das sagt sie indirekt, indem sie etwas 'spickmich.de' vorwirft:"Boese:Ich bin heute der Auffassung: Nein, weil die
    Kriterien nicht objektiv sind und die Bewertung nicht transparent und
    repräsentativ ist. Wenn ich eine Note bekomme, repräsentiert sie nicht
    alle Schüler, die ich unterrichte
    ."Sie will mit jedem !!! Schüler sprechen - und dessen Meinung will sie unmittelbar haben - ohne dabei darauf zu reflektieren, dass zwischen ihr als Lehrerin und im als Schüler ein Abhängigkeitsverhältnis besteht. Ist dasselbe, als wenn ein normaler Arbeitnehmer seinem Chef die Meinung sagen soll - und dieser ihn entlassen kann bzw. es für ihn negative Konsequenzen haben kann. gerade bei einer negativen Kritik.Das funktioniert nur alles, wenn also gegeben bzw. garantiert werden kann, dass es absolut keine negativen Auswirkungen für den Schüler haben kann, wenn er seine Meinung kund tut. Und damit sind wir beim Problem : Mensch - denn der Lehrer ist nunmal auch nur ein Mensch und nicht jeder lehrer ist derart, dass er einem Schüler, mit dem er möglicherweise noch Jahrelang zusammen ist eine negative Meinung, möglicherweise noch ungeschickt vorgebracht, nicht irgendwann spüren läßt - z. b. in einer Mündlichen Zensur. Die wenigsten Fächer sind so objektivierbar eindeutig bewertbar wie Mathematik und Physik - bei vielen gibt es eine relativ große Spannbreite innerhalb dessen man einzelne Aspekte relativ 'frei' beurteilen kann.Lehrer, bei denen es Einzelfälle gibt die sich wie im Artikel folgendermaßen aufführen:"Einmal hatten alle eine Hausaufgabe vergessen, und die Lehrerin hat
    ausgewürfelt, wer die 6 bekommt. Eine andere Lehrerin ist während der
    Unterrichtszeit mit ihrem Hund spazieren gegangen.
    "Sind sicherlich nicht dann besonders Bewertungsneutral - dass sie eine negative Kritik ohne spätere Auswirkungen für den Schüler als eine Meinung akzetieren können.Zudem hat 'spickmich' noch einen anderen Aspekt: denn der Außenwirkung - Beurteilungen werden ja nicht nur von den Leherern und Schülern eingesehen, sondern auch von den Kollegen, Vorgesetzten und Eltern - die alle so ein Meinungsbild derjenigen Schüler, die eine bewertung abgegeben haben, erhalten.Frau Boeses Gegenargument hiergegen ist an Lächerlichkeit nicht nur noch schwer zu überbieten:".Aber die Noten übersteigen die Schmerzgrenze einzelner Lehrer.
    spickmich.de ist einseitig, anonym und selektiv, weil nicht alle Lehrer
    einer Schule bewertet werden und nicht alle Schüler bewerten.
    "Aha - Einseitig, anonym und selektiv - weil nicht alle lehrer einer Schule bewertet werden und nicht alle Schüler - udn darum taugt es nichts - und die Dame war was neben ihrem Leherberuf? "stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW"--> und diese Stelle hat sie nicht durch eine Wahl erhalten? Und demokratie muss man abschaffen, weil nicht alle Politiker gewählt werden (manche rutschen auch durch die Zweitstimmen in die Parlamente) und nicht alle Wahlberechtigten wählen?Das zumindest wäre die Konsequenz daraus. Sicherlich kann man sagen, dass nunmal Lehrer nicht gewähglt werden von Schülern - aber es geht nicht um ihre Anstellung beim Staat, sondern darum, ob sie ihre Aufgabe aus der Sicht der Schüler erfüllen oder nicht - und das ist ein Stimmungsbild, dass genauso erhoben werden kann durch eine 'Wahl' wie auf einer Plattform wie 'Spickmich' als auch durch anonyme (!) Evaluation (wie sie an der Uni erhoben werden zu Semesterende). Anonymität ist ja nicht etwas um seiner selbst willen, sondern dafür da, dass eben derjenige, der so beurteilt wird (und jede wahl ist Ausdruck einer Beurteilung) nicht weis, wer ihn nun wie beurteilt hat - damit es eben für denjenigen keine negativen Konsequenzen gibt.Schlechter Unterricht ist auch dann schlecht, wenn es der Hans sagt oder der Peter - davon sollte doch wirklich abgesehen werden. Ob die Kritik berechtigt ist , ist die Frage, und nicht, wer sie macht.Ich persönlich empfinde Frau Boses Argumentation als eine geistige Katastrophe. Dies, obwohl mit die existenz von Spickmich.de völlig gleichgültig läßt.

  2. hab ich mir nur gedacht: die alte ist ein kompletter kontrollfreak…oder verklagt sie jetzt die zeit, weil hier "anonym" über ihr gebahren debattiert werden darf und sie sich nicht mit jedem einzelnen leser persönlich auseinandersetzen kann? ansonsten halte ich es mit der meinung der spickmich.de-leitung: die anonymität der bewertung führt eher zu einer "gerechten" bewertung, denn was sollte mein eigenes kleines 6er stimmchen schon ausrichten, wenn die anderen alle eine zwei verteilen? 

  3. 3. Noten

    Die Note ist von jeher die effektivste Lehrerwaffe. Wäre ja noch schöner, wenn man Schülern dauerhaft Gelegenheit geben würde, putative Notwehr zu üben. Wirklich engagierte und faire Lehrer haben nichts zu fürchten, ganz im Gegensatz zu engagierten und fairen Schülern. Und daß das "sexy" raus ist, find ich gut. Hat doch jede(r) einen Spiegel zu Hause.______________________________________Traditionelle Orthographie – Ehrlich lügt am besten.

    • 06.03.2008 um 17:14 Uhr
    • Chi

    Möchte meinem Vorredner prinzipiell zustimmen, finde es jedoch dennoch auch problematisch, wenn es um Rachefeldzüge gegen Lehrer geht. Ungerechte Noten gab es schon immer ebenso zu Hauf wie ungerechte Lehrer - neben denen, die ihre Arbeit echt klasse machen und die nach Jahrzehnten noch im Gedächtsnis vorhanden sind (die ganz schlimmen jedoch verschwinden leider auch nicht).
    Schüler MÜSSEN sich auf irgendeine Weise artikulieren dürfen, die auch eine Ernsthaftigkeit hat! Sie MÜSSEN die Stimme gegen Unfairness erheben, gegen Ungerechtigkeit, Mobbing, Bevorzugung und andere Formen von Schmähungen oder schlechte Behandlungen, dort, wo sie vorkommen.

    Nur: Sind denn die Schüler gerecht? Können Sie sich nicht leicht zusammenrotten gegen einen Lehrer, der Leistung fordert und seinen Job eigentlich sehr gut macht? Werden nicht viele Lehrer wirklich dann auch zu Unrecht verunglimpft, einfach weils Spaß macht? .... weil man dem schon immer mal einen auf den Sack geben wollte?.... Vieles ist hier denkbar, was jenseits einer echten Benotung stünde, die aber an sich generell schon auch sinnvoll sein kann.

    Ich selbst habe aus meinen diversen Schulen genau 6 Lehrer in starker Erinnerung. Allesamt waren streng, machten mir teilweise heftig Angst (was nicht gut ist, ich weiss!) und dennoch: sie waren autoritative Persönlichkeiten ohne autoritär sein zu müssen .... und ich habe sehr viel bei ihnen gelernt... Trotz Ihrer Strenge bekämen all jene Note 1-2 .... und manch ein "netter" Lehrer im Nachhinein 4... Einfach, weil nettsein allein nicht reicht....

    Leider habe ich das Forum noch nicht besucht, weiss also nicht um die Kriterien der Notenvergabe, aber kann mir gut vorstellen, dass es da auch durchaus intelligente Lösungen geben kann.

    Die einfachste und beste steht ja oben bereits: engagiert und fair sein... aber auch Grenzen setzen, fordern und fördern.... und mit Herzblut die Kinder im Kopf mit ihren ´Begabungen und Begrenztheiten haben, mit ihren sozialen Herkünften, Chancen und Schwächen...
    Solche Lehrer müssen vermutlich nichts fürchten.... Und versucht da jemand einen Schabernak, so würden sich vermutlich schnell viele Stimmen erheben zum Protest....

    • 06.03.2008 um 18:09 Uhr
    • rabin

    Ein Effekt des Internets ist das Evaluationswesen. Bewertungen von Reisen,Hotels, Waren, Versendern, und eben auch Hochschullehrern und Lehrern.Die internet-community vernetzt sich durch Meinungen. Natürlich sind die nicht objektiv. Manchmal sind sie schädigend. Es entwickelt sich als neue Sparte, welche rechtliche Grenzen die Evaluation einhalten muss.Die Tendenz zu einer Rückmeldungsgesellschaft ist hochinteressant, weil sie Gegenmacht aufbaut. Der Konsument, der Student, der Schüler war immer in einem oben-unten-Schema befangen, aber in er Unten-Position. Dies ändert sich ein wenig durch Evaluationen. Die Betroffenen können sich wehren. Dass sie das anonym tun, eröffnet natürlich einem Mißbrauch ein Tor- aus dem Schutz der Anonymität den Heckenschützen spielen. Das ist der Preis dafür, dass sich der Anbieter der Diskussion stellen muss. Wenn mein mein Prof. zB genauer anschaut, sind da oft sogar Kommentare, die Verständnis für die Bewertenden zeigt, trockener Stoff, konnte wohl nicht viel besser rübergebracht werden. Zugleich gibt es eine Kritik der Betroffenen, die ihre hierarchisch übergeordneten Professoren an ihre Pflicht zur einer brauchbaren Lehre erinnern.Einen Weg zurück sollte es keinesfalls geben.

  4. ...aber es reicht halt nicht. Erstens muessen bei schlechten Bewertungen auch die Gruende dafuer ermittelt werden (es reicht nicht zu schreien und dann unreflektiert Konsequenzen zu fordern) und zwar auf eine objektive Art und Weise. Zweitens fehlt es im Grunde auch an einem Druckmittel bei schlechten Lehrern, da die meisten verbeamtet sind. Drittens muesste man getroffene Aenderungen auch ueber laengere Zeit einer Art Qualitaetspruefung unterziehen, was ich mir schwierig und sehr aufwendig vorstelle. Ob Schüler was lernen oder nicht und ob auschliesslich die "Qualität" des Lehrers der Grund dafür, ist sehr schwer zu "messen". Ich bin noch nicht lange aus der Schule raus und ich muss sagen, dass ich beide Positionen (Lehrer <=> Schüler) gleich gut nachempfinden kann. Lehrer haben halt keine andere "Waffe" als die Noten und ich glaube nicht, dass Schüler wirklich objektiv die Qualität des Unterrichts beurteilen können ohne die Person des Lehrers zu berücksichtigen. Es ist halt ein schwieriges Alter. Tja Dilemma halt ;-)Hannes

  5. Die Haltung der Frau Böse scheint mir von Arroganz und Lebensferne geprägt. Es gibt Berufe, in denen die Schaffenden Kritik offen und verdeckt mehr oder minder permanent hinnehmen (müssen). Kritik ist etwas, dass einem Teil der beamteten Lehrer, und zu diesem Teil zähle ich Frau Böse, völlig fremd ist. Leider werden alle die Lehrer, die eigentlich nicht in diesen Beruf gehören, durch dadurch geschützt, dass sie sich in der schützen Welt des Berufsbeamtentums bewegen dürfen.Dass sie auch noch GEW-Funktionärin ist, unterstreicht meine Meinung.

  6. "Nur: Sind denn die Schüler gerecht? Können Sie sich nicht leicht
    zusammenrotten gegen einen Lehrer, der Leistung fordert und seinen Job
    eigentlich sehr gut macht? Werden nicht viele Lehrer wirklich dann auch
    zu Unrecht verunglimpft, einfach weils Spaß macht? .... weil man dem
    schon immer mal einen auf den Sack geben wollte?.... Vieles ist hier
    denkbar, was jenseits einer echten Benotung stünde, die aber an sich
    generell schon auch sinnvoll sein kann.
    "Was heisst "gerecht" - was "ungerecht"?Darum geht es doch gar nicht - um was es geht ist bestenfalls die jeweilige Empfindung dessen, der die Note vergiebt. Er gibt irgendeine - und wird idR. eine geben, die seinem Gefühl mehr oder weniger genau entspricht - nach irgendwelchen objektiven kriterien werden einfach die wenigsten 'benoten'.Sach ist nur die: bei 1-2 Beweretrungen ist das nicht allzuviel wert - und das weis eigentlich jeder, der ernsthaft darüber nachdenkt von den Erwachsenen.Bei 10-20 oder gar noch mehr (viele lehrer unterrichten ja in vielen Klassen) wird die sache doch erst interessant - denn dann gibt sie mit einer immer größeren statistischen Wahrscheinlichkeit das 'Stimmungsbild' der benoter - also der Schüler wieder - nämlich zum Zeitpunkt der jeweiligen Benotung. Daher ist auch der Standpunkt der Studenten, die spickmich.de eingerichtet haben, ziemlich vernünftig:"Dicks:Wenn ein Schüler einem Lehrer eins reinwürgen
    will, gibt er ihm keine 2, sondern eine 6. Wenn der Lehrer aber von 20
    anderen Schülern eine 2 hat, ist klar, dass diese 6 keine
    aussagekräftige Note ist. Wir haben viele mathematische Gleichungen in
    unser System eingebaut, die Spaßnoten unmöglich machen. Jeder Schüler
    kann seinen Lehrer täglich neu benoten. Die Zensuren werden
    gespeichert, ein Lehrer kann sich regelmäßig eine aktuelle Rückmeldung
    holen. Wir wissen von Referendaren, dass sie ihren Schülern nach der
    Stunde sagen: »Denkt dran, aktualisiert eure Noten bei spickmich.de.«
    Das ist ein unkompliziertes Feedback.
    "So könnten manche Lehrer einen regelmäßigen Feed-back haben, wie die Stimmung bei ihren Schülern ist. Prinzipiell ist dies doch nichts anderes als eine "Umfrage", wie sie auch irgendwelche Meinungsinstitute aufstellen.Missbrauch ist dabei selbstverständlich eine Gefahr - Frage ist nur: wie wahrscheinlich ist das, inwieweit kann man Fehler herausrechnen, welche Sicherungen sind im programm eingebaut (z. b. inwieweit kann gewährleistet werden, dass Fremde einen Lehrer benoten usw...) und welche Konsequenzen hat spickmich.de. Das eine sind statistische und technische Probleme. Bezügl. der Konsequenzen wüßte ich nicht, welche großen nachteile für einen lehrer da herauskommen sollten - außer bei Eltern, die sowieso engagiert sind für ihre Kinder und sich dort erkundigen, wie der lehrer von anderen Schülern als nur von ihren eigenen Kind wahrgenommen wird. Letztendlich ist spickmich.de eine Möglichkeit der Kommunikationsausweitung - wie ja das Netz allgemein. Persönlichkeitsrechte müssen dabei gewahrt werden - aber Lehrer bzl. ihres Berufes sind vor allem öffentliche Personen und nicht privatpersonen und sollten somit auch einer Beurteilung bzl. ihrer Arbeit zugänglich sein. Die Behauptung, dass diese Plattform keinen Nutzen hätte ist deshalb auch mehr als fraglich von Frau Boese. Diese Lehrerin geht vom Typus der engagierten Lehrers aus, der alles tut für seine Zöglinge und darum jegliche anonymisierte Kritik eigentlich nur böse und störend sein kann.Man schaue sich doch nur den letzten 'Schlagabtausch' an:"von Auenmüller:Die Klagen zeigen doch, dass die
    Rückmeldung bei den Lehrern ankommt. Das ist menschlich: Man hat etwas
    falsch gemacht, und dann fängt man an, sich zu verteidigen. Im Internet
    wird viel bewertet: Hotels, Krankenhäuser; sogar die Bundeskanzlerin –
    warum nicht auch Lehrer?
    Boese:Wenn es um die Gegenüberstellung von
    Persönlichkeitsrecht und Meinungsfreiheit geht und spickmich.de keinen
    Nutzen für die Schule hat, muss es aus der Welt geschafft werden. Und
    wie das in Deutschland so ist, geht das nur vor Gericht.
    "--> Frau Boese bringt die Worthülse der 'Persönlichkeitsrechte' - ohne diese irgendwie konkretisieren zu können derart, dass durch spickmich.de ein signifikanter Unterschied zu anderen Kommunikationsformen, bei denen lehrer ebenfalls möglicher persönlicher kritik ausgesettzt sind, zu bringen. Und ihr Urteil, dass diese Plattform per se (denn sie generalisiert für absolut jede Schüler-Lehrersitation) keinen Nutzen für die Schule (= alle Schulen) hat ist sehr einseitig.

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  • Von Christian Fuchs
  • Datum 6.3.2008 - 04:12 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 06.03.2008 Nr. 11
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