Herr Wood, gab es während Ihrer Nepal-Reise einen Moment, in dem Sie plötzlich beschlossen: Ich werde Entwicklungshelfer?

Ich traf gleich zu Beginn meiner Reise in der Himalaya-Provinz Lamjung einen Lehrer, der mich einlud, mit ihm in einem Bergdorf eine Schule zu besichtigen. Ich wurde in die Schulbibliothek geführt, aber es standen keine Bücher darin! Und dann sah ich die anderen Lehrer. Sie wirkten sehr traurig, weil sie wussten, wie wenig sie ihren Schülern geben konnten. Ich war bestürzt. Der Direktor schien meine Gedanken zu lesen. Er sagte: »Vielleicht kommen Sie ja eines Tages mit Büchern wieder, Sir.«

Sie hatten damals drei Wochen frei, zum ersten Mal seit Jahren. Wie viel Urlaub braucht der Mensch, um auf neue Gedanken zu kommen?

Ich hatte in den sieben Jahren bei Microsoft nie länger als eine Woche frei gehabt. Im Himalaya konnte mein Kopf langsam zur Ruhe kommen, ich bin in einen anderen Geisteszustand geraten. Wäre ich nur ein langes Wochenende in Nepal gewesen, wäre ich vermutlich am Montagmorgen einfach zurück an meinen Schreibtisch gehetzt.

Außerdem sind Sie allein gereist…

…auch das spielte eine Rolle: Ich habe auf der Wanderung viel gelesen, darunter ein Buch vom Dalai Lama. Es handelte davon, dass man sein Glück mit anderen teilen soll, dass einen viel Geld nicht zu einem guten Menschen macht, sondern das Gute, das man mit diesem Geld anstellt. Mich hat das sehr beeindruckt.

Der Gedanke des Teilens war Ihnen neu?

Ich hatte hier und da im Kleinen gespendet, erst der Dalai Lama hat mich davon überzeugt, dass ich zu anderem in der Lage war. Es gibt so große Probleme auf der Erde. In der Geschäftswelt wird einem beigebracht, in großen Maßstäben zu denken. Es war also die Kombination aus der Lektüre des Dalai Lama und meiner Erfahrung als Manager, die mich dazu gebracht hat, Wohltätigkeit auf einem für mich neuen Level zu denken.

Nepal ist voll von Bergwanderern, die den Dalai Lama im Gepäck haben. Die meisten kehren nach ihrer Auszeit einfach nur erholt in den Job zurück. Was war bei Ihnen anders?

Ich hatte keine Kinder, ich hatte, dank meiner Microsoft-Aktien, ein paar Ersparnisse. Und ich war schon immer ein risikobereiter Mensch. Außerdem wurde ich sehr konkret um Bücher gebeten, und Lesen war für mich als Kind sehr wichtig. Mein Vater kommt aus kleinen Verhältnissen. Bildung war für unsere Familie das Ticket zu einem besseren Leben. Mein Vater war das einzige von sieben Kindern, das auf die Universität konnte, weil er ein Stipendium bekam. Er wurde Ingenieur und entwickelte Flugzeuge und Helikopter für die zivile Luftfahrt und hat uns so ein sehr gutes Mittelklasseleben ermöglicht. In Amerika sagen wir: Pay it forward, dir ist was Gutes widerfahren, und jetzt teilst du es mit anderen.

Wenn man Sie nicht um Bücher, sondern um medizinisches Gerät oder Hungerhilfe gebeten hätte, würden Sie vielleicht noch bei Mircosoft arbeiten?

Doch, ja, das ist ziemlich wahrscheinlich. Ich vermute, dass ich geholfen habe, weil es eine Aufgabe war, die etwas mit mir zu tun hatte und die ich bewältigen konnte. Hätte man mich darum gebeten, einen Brunnen zu bauen, ich hätte nicht gewusst, wo ich anfangen sollte. Aber es ging um Bücher für 450 Schüler. Das war hinzukriegen. Meine Freunde waren sehr offen für die Idee.