Jugendgewalt Gewalt von unten
Koma-Saufen, Bandenkriege, Hoffnungslosigkeit: Die Verwahrlosung weiter Schichten schreitet voran – und trifft Jugendliche am härtesten. In Großbritannien wird darüber offen gesprochen. In Deutschland noch nicht
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Juli 2007. Christine Lakinsky ist auf dem Weg vom Baumarkt nach Hause, als sie zusammenbricht: »Versagen der Bauchspeicheldrüse« wird der Arzt später auf den Totenschein schreiben. Die Sterbende schleppt sich in einen Hauseingang, sucht mit letzter Kraft nach Hilfe. Doch statt auf einen Mitmenschen trifft sie auf drei junge Männer, betrunken, von Haschisch benebelt, in brutaler Spaßlaune. Sie holen nicht etwa den Krankenwagen, sondern quälen und erniedrigen die Wehrlose – und filmen ihre Untaten mit der Handykamera. Etwas für YouTube.
Dezember 2007. Nass Osawe und ein Freund sind im Schlussverkauf unterwegs, auf Schnäppchenjagd. Dabei geraten die beiden 16-Jährigen auf das Terrain einer gewalttätigen Jugendbande. Feindselige Blicke werden getauscht, dann erstechen zwei der Gangmitglieder Osawe, schneller, als man schauen kann.
Im vergangenen Jahr starben allein in der Hauptstadt 27 Kinder und Jugendliche in Bandenkriegen; in diesem Jahr gab es schon 13 Opfer. Erwachsene, die schlichtend eingreifen wollten, wurden reihenweise angegriffen. An Samstagabenden verwandeln sich Kneipen und Diskotheken regelmäßig in alkoholgetränkte Kampfzonen. Die Gewalt von Fußballhooligans gehört zur Alltagskultur. Die Hauptstadt, von der hier die Rede ist, heißt London – und wenn in Deutschland vergleichbare Exzesse an der Tagesordnung wären, hätte nicht nur die Bild- Zeitung längst den Ausnahmezustand ausgerufen.
Gesellschaftliche Trends schwappen häufig von unseren angelsächsischen Nachbarn auf den Kontinent herüber: Das gilt für Mode und Musik ebenso wie für das Kampftrinken und das »Happy Slapping«, die Gewalttat extra fürs Fotohandy. Yob Nation, zu deutsch »Prollnation«, hat der Autor Francis Gilbert die Briten 2006 in einem hochkontroversen Buch genannt – und behauptet, die antisoziale Proletenkultur infiziere inzwischen auch die bürgerliche Mittelschicht. Wenn die These von der sozialen Avantgarde stimmt, was verheißen die britischen Zustände dann für unser soziales Zusammenleben?
Jugendgewalt gilt hüben wie drüben als besonders sensibler Indikator für gesellschaftlichen Zerfall – wird aber in beiden Ländern sehr unterschiedlich diskutiert. In Deutschland erregte zuletzt die Aktivität »junger krimineller Ausländer« die Gemüter, wobei im Subtext der Debatte stets mitschwang, das Gewaltproblem sei ein importiertes und müsse sich dementsprechend auch wieder exportieren lassen – zur Not durch Ausweisung.
- Datum 23.09.2009 - 11:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.03.2008 Nr. 11
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Was soll der jammernd-überraschte Unterton liebe Zeit-Redakteure. Diese Entwicklung ist ein alter Hut - auch oder gerade in Bezug zu Deutschland. Es waren bislang aber gerade die Linken und Liberalen die ein schnelles und wirkungsvolles Handeln gegen solche Tendenzen unterdrückt haben. Viel zu schnell standen all jene Mahner in der rechten Ecke, die das vorausgesehen haben, was sich uns nun wie ein gewaltiger Zyklon der moralischen und ethischen Auflösung vor uns auftürmt und der die europäischen Gesellschaften möglicherweise in einzigartiger Weise schädigen wird.
Viel zu schnell war die ganze Masse der politisch-korrekten Gutmenschen zur Stelle, die nicht einsehen wollten, dass Ihr politisches und gesellschaftliches Weltbild für diese Katastrophe verantwortlich zeichnet.
"Alles nicht so schlimm" hiess es noch vor kurzem von kleinbebrillten schlaffigen Grün-Pädagogen, die partout nicht einsehen können und wollen worauf es in einer Gesellschaft wirklich ankommt:
1. Werte
2. Werte
3. Werte.
Es ist eine zynische Ironie der Geschichte, das die sog. ´68er eine Gesellschaft gefördert haben, in denen staatserhaltende Werte kaum mehr vorhanden sind, und nun dazu übergangen wird, diese fehlenden Werte durch immer restriktivere Gesetze, Polizeipräsenz und Überwachung zu ersetzen. Dazu gesellen sich übrigens noch viele andere Probleme, wie das Medienproblem und der zunehmende Islamismus.
Die Washington-Post hat es vor einigen Tagen in einem hierzulande wenig beachteten Artikel auf den Punkt gebracht: in Europa drohen mittel- und langfristige Sicht bürgerkriegsähnliche Zustände.
Ist das schön. Die Welt ist ganz einfach. Irgendwas läuft schief und schuld sind immer einzig und allein: Die 68er!! Hurra! Wer braucht noch Forschung, Analyse, Denken, wenn doch die Antwort längst fest steht. Klimakatastrophe? 68. Keine Ingenieure? 68. Lieblingsitaliener hat die Pizza Tonno von der Karte genommen? 68 ...... und morgen kommt der Weihnachtsmann. Ich stelle jetzt einfach mal eine ultraprovokante These in den Raum: Könnte, ganz eventuell, also jetzt nur so als Hypothese, ein Zusammenhang bestehen zwischen von den Chancen auf Bildung weitgehend abgeschnittenen Bevölkerungsgruppen und der wachsenden Gewalt? Oder, ganz crazy, könnte das Sich-Nicht-Heimisch-Fühlen vieler junger Leute in Deutschland damit zu tun haben, dass über Jahrzehnte geleugnet wurde, dass wir Einwanderungsland sind?Fängt man dann auch noch an über die Frage nachzudenken, welcher Zusammenhang zwischen wachsendem Wohlstand und abnehmender Bedeutung von Religion und Tradition besteht, wird alles sehr kompliziert. Also an alle, die 68 für die Wurzel allen Übels halten: Bitte wichtige Themen wie Gewalt oder Bildung nicht unterfordern - wozu wart ihr denn alle an der Uni??!
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