Film Der mit dem Speerzahn spricht

Durch Hollywood laufen Mammuts und Säbelzahntiger - Roland Emmerichs Steinzeitfilm "10 000 BC"

Wäre er Koch, dann bestimmt kein sternüberglänzter. In der Großkantine, die er erfolgreich führte, säßen trotzdem ab und zu Feinschmecker, weil der Küchenchef für Überraschungen gut wäre, für explosive Duftnoten und lustige Arrangements am Tellerrand. Die Gäste verließen seinen Laden satt. Manch einer hätte sich überfressen und brauchte einen Digestif.

Ähnlichkeiten mit Küchenmeistern hat sich der Regisseur Roland Emmerich selber zuzuschreiben. Er verhehlt nicht, nach Rezept zu arbeiten. Er geht zum Markt der Themen und nimmt sich ein großes. Dann rührt er das Gericht mit erprobten Zutaten (Held, Liebesgeschichte, Weissagung, Auferstehung, frohe Botschaft) und riesiger Kelle an.

Mit seinem neuen Film 10000 BC verschlägt er uns nach den Attacken Außerirdischer (Independence Day), dem Wüten eines Monsters (Godzilla) und dem Gegenangriff der Natur (The Day After Tomorrow) in eine vage Steinzeit: Die Vögel sind noch halb Saurier, die Mammuts gehen schon zur Neige, Pyramiden werden gebaut.

Dem erfolgreichsten Deutschen in Hollywood jedoch dieses hanebüchene Erdgeschichtsallerlei vorzuhalten würde dem Werk nicht gerecht. Emmerich benutzt den ältesten Trick aller Epiker: Er lässt einen Erzähler auftreten, der nur wiedergibt, was seit Generationen erzählt wird. Für Übertreibungen im Gilgamesch- Epos oder im Alten Testament hat auch nie einer geradestehen müssen.

Die Story geht so: Der junge Mammutjäger D’Leh verliebt sich in die schöne Evolet. Ihr Dorf wird überfallen, die Geliebte entführt und versklavt. D’Leh macht sich auf den Weg und bringt die Sache in Ordnung. So hemmungslos rühren sonst nur Parodisten die Zutaten für ein Mythenmenü à la Hollywood zusammen. Erst zweifelt der Held – dann entdeckt er seine Mission. Sein Vater gilt als Feigling – und entpuppt sich als Visionär, der den Klimawandel vorausahnt. Am Ende sind nicht nur die Menschen vom Despoten befreit, sondern auch die Mammuts.

Selbst der Säbelzahntiger, der außer in Ice Age noch nie ein Sympathieträger sein durfte, wird bei Emmerich zu einer Art Lassie. D’Leh hilft dem Pelztier aus einer Fallgrube, und prompt begnügt es sich beim nächsten Zusammentreffen mit einem Knurren und zieht ohne Mahlzeit davon.

Von da an ist D’Leh »Der mit dem Speerzahn spricht«. Und Emmerich beweist damit plötzlich eine unerklärliche Liebe zur wissenschaftlichen Exaktheit: Säbelzahntiger kann der Steinzeitgladiator schlecht sagen – Säbel gab es ja noch keine! Damit auch das peinlich berührte Publikum merkt, dass der Regisseur sich hier einen Scherz erlaubt, lässt er die Phrase so deutlich wie möglich wiederholen. Jeder soll merken: Emmerich kann auch anders, als einfach nur Mythen aus der Tüte anzurühren; er verfeinert schwer verdauliches Gebräu jetzt mit Selbstironie! Wenn das mal den eingeschworenen Fans seiner Hausmannskost nicht sauer aufstoßen wird.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 06.03.2008 um 14:08 Uhr
    1. nett

    aber wo ist die homosexualität? bei roland emmerich filmen geht's doch um immer darum. oder war die wie der säbelzahntieger auch noch nicht erfunden?

  1. Einer der unlogischsten und irreführendsten Filme, die ich je gesehen habe, ist "The day after tomorrow". Absolut hanebüchener Unsinn, daran ändert leider auch das bißchen Selbstironie nichts, das angeblich vorhanden wäre.Im günstigsten Fall kann man diese Produktionen als harmlose Mythenerzählung abtun, in schlimmeren Fällen handelt es sich leider um handfeste Geschichtsklitterung und Volksverarschung. Weil viele Leute, sowohl in den USA, als auch diesseits des Atklantik ihr Geschichtswissen hauptsächlich aus dem Fernsehen beziehen, ist dieses Thema meiner Meinung nach sehr brisant.

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