Rolando Villazón Die Stille ist Teil der MusikSeite 5/5

ZEIT: Und was spricht aus psychoanalytischer Sicht gegen Pinkerton aus Madame Butterfly? Den wollten Sie nicht singen.

Villazón: Ich mag die Bösen, aber Pinkerton ist dumm, naiv, er läuft durch sein Leben wie ein Elefant durch den Porzellanladen. Aber es ist nicht so, dass ich Rollen aus dem Grunde ablehnen würde, weil mir die Figur unsympathisch ist. Ich mag Rigoletto zum Beispiel überhaupt nicht. Dennoch gefällt es mir, ihm mein Leben, meinen Körper zu leihen. Oder Rodolfo. Das ist ein Antiheld. Ein junger Mann, der Angst vor dem Tod Mimis hat. Seine Verzweiflung, seine Jugend, ich mag das, ich mache Oper nicht nur aus narzisstischen Gründen.

Anzeige

ZEIT: Warum sonst?

Villazón: Um meine Seele zum Ausdruck zu bringen. Die Oper spricht die Sprache des Unterbewusstseins, die Geschichte an sich ist nicht so wichtig – zwei verlieben sich, sie zanken sich, sie kommt zurück, er stirbt, Ende. Diese ganze Übertreibung – warum das alles? Weil sie mit dem Unbewussten zu tun hat. Und natürlich ist der Grat sehr schmal – wo die Bewegtheit aufhört und die Lächerlichkeit beginnt. Wenn wir proben, machen wir sehr viele Witze. Auch um dem Pathos zu entgehen.

ZEIT: Bis wann sind Sie jetzt ausgebucht?

Villazón: Bis zum Jahr 2012. Das ist verrückt. Und klaustrophobisch. Fünf Jahre im Voraus zu entscheiden, wo ich auftreten möchte. Als ich im Jahr 2001 meine Konzerte geplant habe, hatte ich noch keine Kinder, mein Leben war völlig anders. Heute sind da meine beiden Söhne, und der einzige Satz, mit dem ich einst gewürdigt werden möchte, ist der: »Mein Vater war ein toller Typ.« Auch wenn ich mich über Komplimente freue – der große Tenor, der nicht so große Tenor, das Traumpaar: Ich möchte vor allem ein guter Vater sein. Meinen Kindern Sicherheit für das Leben geben. Und ihre Freiheit respektieren.

ZEIT: Aber Unsterblichkeit ist auch nicht schlecht.

Villazón: Man darf es nicht leugnen: Jeder möchte gerne unsterblich sein. Ich auch.

Das Gespräch führte Petra Reski

Plattenrezensionen, Künstlerportraits, Bildergalerien und unser Festivalblog gibt's auf zeit.de/musik »

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Klicken Sie hier , und unser RSS-Newsletter bringt Ihnen die Musik direkt auf den Schirm.

 
Leser-Kommentare
    • rabin
    • 27.03.2008 um 18:44 Uhr

    Ich las kürzlich eine nette Kritik über den Auftritt von Barenboim und Villazon in Berlin und habe diese unter dem Titel; Der kleine Nick im Konzert, hier eingestellt ( ich kann keine Links setzen, sonst wäre jetzt hier einer).

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service