Finanzkrise
Genug diskutiert!
Eine Rezession
Die Finanzkrise tritt in die bislang gefährlichste Phase ein. Es helfen nur noch unkonventionelle Maßnahmen
Meteorologisch gesehen hat am 1. März der Frühling begonnen, und bekanntlich gilt er als eine Zeit der Hoffnung und des Aufbruchs. An den Finanzmärkten hat man sich besonders auf den Frühling gefreut. In den letzten Wintermonaten legen die Banken nämlich immer ihre Geschäftsberichte vor, und danach, dachte man, werde sich die Lage entspannen. Endlich werde man Klarheit über die Risiken haben.
Die Berichte sind da, doch die Lage hat sich nicht entspannt. Im Gegenteil: Die globale Finanzkrise geht in ihre nächste Runde – und es könnte die bislang gefährlichste werden. Ein klassischer Fall von irrationalem Überschwang ist eingetreten: So lange es gut lief, ließen die Banken alle Vorsichtsmaßnahmen fahren und verteilten großzügig Kredite. Jetzt, wo es schlecht läuft, will keiner mehr Geld verleihen. Das macht alles nur noch schlimmer. Furcht und Panik schaffen neue Realitäten, es droht eine Abwärtsspirale.
Es hätte so gut ausgehen können. Die Weltwirtschaft ist eigentlich in guter Verfassung. Seit Langem war klar, dass sich am amerikanischen Immobilienmarkt eine Blase herausgebildet hatte, die der Korrektur bedarf. Das schien verkraftbar, zumal in Europa und vor allem in den Schwellenländern noch Schwung vorhanden ist. Nicht ohne Grund wurde die Krise vielerorts zunächst sogar willkommen geheißen, versprach sie doch ein Ende der Auswüchse am Finanzmarkt. Davon gab es viele, zum Beispiel den Übernahmerausch der Private-Equity-Branche. Da wurde – oft gegen jede betriebswirtschaftliche Logik – ein Unternehmen nach dem anderen aufgekauft, nur weil das Kapital dafür so billig und einfach zu haben war.
Doch was sich derzeit an den Märkten abspielt, gleicht eher einer Katastrophe als einer Korrektur. Es geht längst nicht mehr nur um Subprime, also jene mit Ramschhypotheken besicherten Wertpapiere, deren Absturz im vergangenen Jahr die Turbulenzen auslösten. Die Krise greift zunehmend auf Teile des Finanzsystems über, die eigentlich als gesund gelten. Den Banken drohen immer neue Abschreibungen. Die Schätzungen reichen von 400 bis 1.000 Milliarden Dollar alleine durch neue Zahlungsausfälle bei US-Immobilienkrediten.
Das ist plausibel, denn der amerikanische Häusermarkt befindet sich in freiem Fall. Jetzt steigt auch noch die Zahl der Zwangsvollstreckungen, was den Absturz beschleunigt. So wie die Preise für Immobilien in den vergangenen Jahren stärker gestiegen sind, als es ökonomisch zu rechtfertigen war, drohen sie jetzt panikbedingt auf Tiefstände zu fallen, die ebenfalls nicht mehr begründbar sind. Und es könnte noch schlimmer kommen: Die großen Banken haben enorme Summen an Hedgefonds verliehen. Jetzt fordern die Finanzhäuser zusätzliche Sicherheiten, weil sie um ihr Geld fürchten. Die Fonds können diese Mittel nur bereitstellen, wenn sie Wertpapiere veräußern – das belastet den Markt zusätzlich. Schon sind die ersten Hedgefonds pleite.
Es geht für die Banken nicht mehr nur um Liquiditätsengpässe. Bei vielen Häusern wird die Kapitaldecke knapp. Einige haben sogar Probleme mit ihrer Solvenz. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das erste US-Institut in die Schieflage gerät. Die Probleme der deutschen IKB dürften sich im Vergleich dazu wie Peanuts ausnehmen. Deutlich wird hier auch ein Grundproblem im Finanzsystem: Es ist ja durchaus für jede einzelne Bank vernünftig, in dieser angespannten Lage Risiken im Portfolio zu reduzieren und nur noch mit größter Vorsicht Geld zu verleihen. Doch weil das alle machen, verschärft sich die Krise noch.
Die Schwierigkeiten der Geldinstitute entziehen der Weltwirtschaft ihre Lebensgrundlage, den Kredit. Das gilt inzwischen auch für Kreditnehmer mit guter Bonität. Die Banken sind nicht einmal mehr bereit, sich gegenseitig zu günstigen Konditionen Geld zu verleihen.
Derzeit müssen sogar Staaten wie Italien erhebliche Aufschläge bezahlen, wenn sie den Kapitalmarkt anzapfen. Das zeigt, wie groß die Panik ist, denn niemand geht ernsthaft davon aus, dass ein Mitgliedsland der Währungsunion bankrott geht.
Für die Konjunktur ist das ein herber Dämpfer. Er kommt zu einer Zeit, in der sie ohnehin geschwächt ist. In den USA radiert die Talfahrt am Häusermarkt das Immobilienvermögen der Bürger aus. Dazu belasten die hohen Energiepreise die Kaufkraft. Das ist Gift für den Konsum, der die amerikanische Wirtschaft bislang gestützt hat. Und wenn sich die Konjunktur weiter abschwächt, werden noch mehr Schuldner ihre Kredite nicht mehr bezahlen können. Was – und hier schließt sich der Kreis – die Misere der Banken noch einmal verschärft.
All das hat zur Folge, dass sich in den USA eine Rezession wohl nicht mehr abwenden lässt. Je länger sie dauert, desto schwieriger wird es für den Rest der Welt, sich der Talfahrt zu entziehen, auch wenn etwa in Deutschland der Export noch boomt. Für Anleger heißt das: Finger weg von Aktien. Zumindest von solchen aus Industriestaaten. Zwar sagen viele Analysten noch hohe Gewinne voraus. Doch Prognostiker tendieren dazu, die Vergangenheit fortzuschreiben. In unsicheren Zeiten sind sie wertlos.
Wann sich die Gelegenheit für einen Wiedereinstieg bietet, hängt von der Politik ab. Die US-Notenbank (Fed) hat die Zinsen drastisch gesenkt. Und sie pumpt Liquidität in den Markt. Die Europäische Zentralbank und andere große Notenbanken haben sich am Dienstag der Rettungsaktion angeschlossen. Das ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass die Kooperation unter den Währungshütern funktioniert.
Aber die Geldpolitik kann die Krise nicht allein meistern. Erstmals seit Jahrzehnten besteht die Gefahr einer Kernschmelze im Finanzsystem. Womöglich werden schon bald Maßnahmen nötig, die gegen alle ordnungspolitischen Prinzipien verstoßen, wie die vorübergehende Nationalisierung von US-Banken. Oder Gesetze, die die Institute dazu zwingen, ihren Kunden Kreditschulden zu erlassen. Oder eine staatliche Gesellschaft, die Immobilien erwirbt, um den Markt zu stützen. Die Fed hat bereits einen Schritt in diese Richtung getan. Sie akzeptiert bei ihren Geschäften mit den Banken neuerdings genau jene Hypothekenkredite als Sicherheiten, die sonst keiner mehr haben will.
Eines macht dennoch Hoffnung: dass die Krise in den USA ausgebrochen ist. Die Amerikaner sind für ihre Marktgläubigkeit bekannt, haben aber auch gezeigt, dass sie zu schnellen und unkonventionellen staatlichen Eingriffen bereit sind, wenn es geboten ist. In Europa war man da oft noch dabei, über Grundsätzliches zu diskutieren.
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- Datum 13.3.2008 - 10:18 Uhr
- Serie audio
- Quelle DIE ZEIT, 13.03.2008 Nr. 12
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Vielen Dank für den klaren und an Deutlichkeit nicht zu überbietenden Kommentar! Es ist hart und beängstigend, aber es trifft den Nagel auf den Kopf. Was heißt dies nun für den Einzelnen? Man muss sofort eine umfassende Krisenvorsorge betreiben. Zuerst sollte man seine Finanzen sichern, d. h. raus aus Papiergeldanlagen und rein in Edelmetalle. Das ist aber nur ein Teil, die vollständige Krisenvorsorge umfasst auch die persönliche Bevorratung sowie die eigene Sicherheit. Die Webside www.krisenvorsorge.com gibt hierzu umfangreiche Tipps und praktische Hilfen. Man muss mittlerweile damit rechnen, dass ein Crash kommt und dass dieser auch Auswirkungen auf die Infrastruktur sowie der allgemeinen Versorgung haben wird. Und darauf ist unser Land und größte Teile der Bevölkerung nicht vorbereitet.
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