Berufsbilder Lektorin
Rechtschreibfehler korrigieren, Kommata und Ausrufezeichen richtig setzen – so stellen sich viele den Arbeitsalltag von Lektoren vor. Ein gängiges Vorurteil, das auch Petra Gropp gut kennt. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin arbeitet als Lektorin beim Fischer Verlag und betreut abwechselnd 15 Autoren. Jedes Buch begleitet sie von der Idee über die Gestaltung und Werbung bis hin zu Herstellung und Vertrieb.
Oft bekommt Petra Gropp, lange bevor ein neues Werk vollendet ist, einzelne Passagen zum Gegenlesen. Viele Autoren schreiben ihre Werke nicht allein im stillen Kämmerchen, sondern besprechen ihre Ideen vorher mit der Lektorin: Ist der Aufbau spannend? Tragen die Figuren? Wo sind noch Schwachstellen? Die Lektorin steht in ständigem Kontakt mit ihren Autoren, telefoniert, mailt, trifft sie im Café oder besucht sie zu Hause. Damit bei der Buchmesse alles reibungslos abläuft, kümmert sie sich persönlich um Hotelzimmer, bringt ihre Autoren zu Lesungen und Interviewterminen und versucht, ihnen das Gefühl zu geben, nicht einer unter Tausenden von Schriftstellern zu sein, sondern etwas ganz Besonderes.
Zeit für ihre eigentliche Aufgabe, das Lesen, bleibt der Lektorin bei all diesen Aufgaben oft nur abends oder am Wochenende. 150 Seiten schafft sie im Schnitt am Tag. Um neue Talente zu finden, liest sie neben eingesandten Manuskripten auch Literaturzeitschriften und besucht Schreibwettbewerbe für Nachwuchsautoren. Steht das Buch dann endlich im Verkaufsregal, bleibt ihre Arbeit für den Leser unsichtbar. Aber das stört Petra Gropp nicht: »Das Schönste ist, am Entstehen eines Kunstwerks beteiligt zu sein – und wenn der Autor nachher sagt, dass meine Kritik gut war.« Sabine Hoffmann
Ausbildung:
Promotion in Literaturwissenschaft
Einstiegsgehalt:
ca. 3.000 Euro brutto
Arbeitszeit:
60 Stunden/Woche
- Datum 14.03.2008 - 04:45 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 13.03.2008 Nr. 12
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