Jeder Mensch braucht ein Hobby. Manche Leute gehen joggen, andere kochen für ihr Leben gern. Und dann gibt es einen, der verklagt reihenweise Wissenschaftler, wenn sie ihre Doktortitel nicht korrekt führen.

Um seinen Eifer zu begreifen, muss man sich das Selbstverständnis deutscher Universitäten vor Augen führen: Zähneknirschend haben sie akzeptiert, dass in der EU erworbene Titel als gleichwertig anerkannt werden. Das reicht dann aber auch.

Denn wirklich gut ist nur, wer auf ihrem Mist gewachsen ist. Und so müssen Absolventen amerikanischer, russischer oder australischer Elite-Universitäten hinter ihrem Doktor eine Klammer tragen, Hamburgs scheidender Wissenschaftssenator Jörg Dräger zum Beispiel, der ist Ph. D. (Cornell U.).

Vergessen sie die Klammer, absichtlich oder zufällig, tritt besagter Hobbykläger auf den Plan. Er durchforstet Websites, Tagesordnungen, Publikationen. Wird er fündig, landet die Sache bei der Staatsanwaltschaft. Und die ermittelt dann auch tatsächlich. Lange haben diese hinterwäldlerischen Doktorspiele bis auf die Verklagten keinen wirklich gestört.

Doch jetzt hat der selbst ernannte Titelverteidiger einen kapitalen Fehler gemacht. Er hat sich die Professoren der Max-Planck-Gesellschaft vorgenommen, einer der führenden nationalen Forschungseinrichtungen, die auf den internationalen Zustrom brillanter Wissenschaftler angewiesen sind. Und die sind sauer: Wollte Deutschland nicht in der ersten Liga der Wissenschaftsstandorte mitspielen? Sie können auch woanders hingehen!

Das hat dann endlich auch die Kultusministerkonferenz (KMK) überzeugt, die von ihren Kritikern in freundlichen Momenten als Inbegriff der Bräsigkeit beschimpft wird. Die Minister haben vergangene Woche eine Neuregelung beschlossen, überraschend unbürokratisch und flott, wie KMK-Präsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer dann auch stolz verkündete.

Künftig dürfen Absolventen angesehener US-Universitäten ihren Doktor ohne Klammer führen. Jörg Dräger ist bei der entscheidenden Abstimmung vor die Tür gegangen.