Konkurrenz Mehr Transparenz bitte

Haben Studiengebühren Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands? Eins ist schon jetzt klar: Studenten brauchen klare Arbeitsperspektiven.

Welche Auswirkungen hat die Einführung von Studiengebühren auf den Arbeitsmarkt und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit? Als einer der größten Arbeitgeber Deutschlands mit mehreren Hundert Einstellungen von Hochschulabsolventen und Berufsakademie-Studenten jährlich stellen wir uns als Deutsche Bahn AG diese Frage nicht ohne Sorge.

Das gilt besonders für die Zahl der Studenten: Deutschland liegt mit einer Studienanfängerquote von 37 Prozent weit abgeschlagen hinter dem Durchschnitt der OECD-Länder, wo 51 Prozent der Abiturienten ein Studium beginnen. Insbesondere in den volkswirtschaftlich bedeutenden Ingenieurberufen zeichnet sich in den kommenden Jahren ein Fachkräftemangel ab, durch den es zu Wettbewerbsnachteilen für den Standort Deutschland kommen wird.

Die Studiengebühren erhöhen in diesem Zusammenhang die Hürden, ein Studium aufzunehmen, noch zusätzlich und könnten ein weiteres Absinken der Studierendenquote nach sich ziehen. Dabei käme es jetzt darauf an, gegenteilige Signale zu setzen.

Die Hürde der finanziellen Belastungen könnte weiterhin dazu führen, dass sich Studenten mit dem preiswerteren Bachelor »zufriedengeben« und den finanziellen Aufwand eines Masterstudiums scheuen. Trotz der unbestrittenen Qualität des Bachelorstudiums kann das nicht unser Ziel sein. Vielmehr müssten permanente Anreize zu lebenslanger Höherqualifizierung angeboten werden, die verhindern, dass sich Studenten zu schnell mit einer erreichten Bildungsstufe zufriedengeben.

Positiv zu bewerten ist es dagegen, wenn durch den Umweg der Studiengebühren mehr Geld aus privaten Haushalten in Deutschlands Hochschulbildung investiert wird. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt, geben in Deutschland private Haushalte nur ein Fünftel der Summe für Hochschulbildung aus, die im Durchschnitt in den OECD-Ländern investiert wird.

Mehr Geld für Bildung ist vor allem dann positiv, wenn gleichzeitig ein verstärkter Bildungswettbewerb eintritt und Universitäten zusätzliche Angebote etablieren und die Ausbildung insgesamt attraktiver machen, um im Wettbewerb um Studenten bestehen zu können. Beide Effekte verbessern die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Um diese Chancen, die durch die Einführung der Studiengebühren entstehen, für unsere Wettbewerbsfähigkeit zu nutzen, müssen jedoch drei Voraussetzungen geschaffen werden, bei denen auch wir als Arbeitgeber gefragt sind:

Zunächst muss den Studenten ein Finanzierungssystem geboten werden, das ihnen erlaubt, die Investition in ihre Bildung mit überschaubarer Belastung zu tätigen. Auch wir als Arbeitgeber müssen hier vermehrt Angebote schaffen, beispielsweise über Stipendien in die Vorfinanzierung gehen und so Mitarbeiter frühzeitig für uns gewinnen.

Die Universitäten müssen weiterhin zeigen, dass sie die zusätzlichen finanziellen Mittel in nachgefragte Angebote ummünzen. Ihre Leistung muss besser werden, nicht einfach nur teurer. Dazu brauchen Universitäten die Transparenz, welches Wissen in der Wirtschaft benötigt wird. Durch Ausbildungskooperation mit Wirtschaftsunternehmen können Universitäten neben freier Lehre und Grundlagenforschung auch eine praxisorientierte Ausbildung ihrer Studenten sichern.

Ein stärkeres Engagement der Wirtschaft an den Hochschulen würde auch bei der Umsetzung der dritten Voraussetzung helfen: Um bei Abiturienten und Studenten eine Vertrauensbasis für ihre Investition zu schaffen, muss eine größere Transparenz über die Zukunftsperspektiven nach einem Studium hergestellt werden.

Nur wir als Arbeitgeber können Klarheit darüber schaffen, welche Chancen ein Studium wirklich in sich birgt und wie sich die Qualifizierung beruflich auszahlen kann. Mit frühem Kontakt zu Schulen und Universitäten können wir unser Interesse an den Absolventen und unsere Wertschätzung für diese Bildungsinvestitionen demonstrieren. Neben der Qualität der Bildung und den richtigen finanziellen Instrumenten kommt es auf unser Engagement an Schulen und Universitäten an, damit junge Menschen die private Investition in Bildung wagen und damit die Wettbewerbsfähigkeit von uns allen stärken.

Matthias Afting ist Leiter Personal- und Bildungsstrategie der Deutschen Bahn AG.

 
Leser-Kommentare
    • jojo08
    • 19.03.2008 um 0:19 Uhr

    Ich kann in so gut wie allen Punkten zustimmen. Die Frage ist allerdings: wie lässt sich das umsetzen?Grade die Kontakte zu Firmen sehe ich aktuell sehr kritisch: positiv ist, dass es beständig mehr Trainee-Programme gibt, die schon im Studium die Studenten unterstützen sollen. Wen ich mir allerdings die Bedingungen vieler Firmen anschaue, frage ich mich für wen diese Angebote eigentlich gedacht sind: da wird ein überdurchschnittlicher Abschluß verlangt, dazu noch in Regelstudienzeit, oft sind erste Erfahrungen in der Branche und Auslandserfahrungen verlangt, freiwilliges Engagement im sozialen Bereich ist gerne gesehen.... ich frage mich da nur noch: wie soll ich das als Student schaffen?Ich muss meinen Lebensunterhalt mit einem Nebenjob verdienen, was zu einem doch recht straffen Zeitplan führt. Ausschlafen bis 12 Uhr (wie das angeblich alle Studenten tun)? Fehlanzeige. Selbst am Wochenende fehlt mir oft die Zeit, um mal einen Sonntagsausflug zu machen: der verpasste Stoff aus der Woche muss ja nachgeholt werden. Und dann soll ich all diese Dinge wie Regelstudienzeit, Auslandsaufenthalt und noch eine soziale Tätigkeit unter einen Hut bringen? Wie soll das funktionieren?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle DIE ZEIT, 13.03.2008 Nr. 12
  • Kommentare 1
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Hochschule | Bildungspolitik | Studiengebühr | Bildung | Arbeitgeber | Student
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service