Therapie

Hunde im Stress

Wenn Hunde genutzt werden, um Menschen zu therapieren, geraten sie und ihre Besitzer unter Stress. Das haben Forscher jetzt untersucht. Ein Interview

Die amerikanische Psychologin Kathryn Heimlich hat davor gewarnt, dass Hunde, die in der Therapie mit Menschen eingesetzt werden, unter Stress stehen. Sie haben eine Studie darüber angefertigt. Was ist dabei herausgekommen?

Sowohl bei den Hunden als auch ihren Besitzern ließen sich im Zusammenhang mit Therapiesitzungen Anzeichen von Stress nachweisen. Die Menschen haben Stress vor der Sitzung; die Hunde währenddessen und danach.

Wie haben Sie das festgestellt?

Wir haben die Werte des Stresshormons Cortisol im Speichel gemessen. Man kann damit aber nur die körperlichen Belastungen messen und nicht, ob Mensch oder Hund die Belastung positiv oder negativ wahrnehmen. Das ist wie bei einem Geburtstag; der gefällt uns, aber Stress ist es dennoch.

Kann man es einem Hund nicht ansehen, ob er positiv oder negativ gestresst ist?

Doch, es gibt eindeutige Verhaltenskennzeichen, ähnlich wie beim Menschen: Nervosität, Ruhelosigkeit, Schreckhaftigkeit. Er zeigt auch körperliche Reaktionen, hechelt, zittert, schwitzt an den Pfoten, zuckt mit den Ohren, verkriecht sich – all das signalisiert: aus, Pause, lasst mich in Ruhe!

Ließen sich solche Anzeichen von negativem Hundestress in der Studie feststellen?

Nein. Das kann man zwar, wie gesagt, nicht messen, aber wir haben die Besitzer der Tiere interviewt. Sie haben alle geantwortet, dass es den Hunden gut gefällt und dass sie es sonst niemals mit ihren Tieren machen würden. Eine sehr zuverlässige Aussage, denn nicht nur die Hunde, sondern auch die Besitzer müssen ja vor dem Einsatz Trainings und Eignungstests absolvieren.

Sind Hunde verschieden therapeutisch begabt?

Tatsächlich gibt es einen Trend: Alte Hunde waren in der Untersuchung weniger belastet, wenn sie mit alten Menschen gearbeitet haben; dasselbe gilt für jüngere Hunde mit Kindern. Zur Therapie mit alten Menschen gehört, dass die Hunde mal ruhig danebensitzen oder mit im Bett liegen oder gebürstet und gefüttert werden. Ein junger Hund will toben, dem macht es weniger aus, wenn Kinder um ihn herumturnen.

Eignen sich bestimmte Rassen besonders gut?

Die Stichprobe war zu klein, als dass ich definitiv darüber etwas sagen könnte. Aber vermutlich spielt die Rasse keine Rolle. Dass etwa Golden Retriever häufig eingesetzt werden, liegt wohl eher daran, dass sie für viele Menschen vertrauenerweckender aussehen als ein Pitbull.

Therapiehunde sind also nicht so gestresst, dass sie selbst hinterher eine Therapie brauchen?

Nein. Ich empfehle, die Hunde nicht mehr als zwei Einsätze pro Woche absolvieren zu lassen und ihnen danach ein Entspannungsprogramm zu gönnen. Meist reicht eine Runde auf der Wiese.

Interview: Sabine Etzold

Dorit Haubenhofer ist Anthropologin an der niederländischen Wageningen Universiteit

 
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    • Von Sabine Etzold
    • Datum 14.3.2008 - 05:49 Uhr
    • Quelle DIE ZEIT, 13.03.2008 Nr. 12
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