Es ist eine Entscheidung mit Folgen für jedermann – sofern er im Internet surft. Die EU-Kommission erlaubt dem Suchmaschinenbetreiber Google, eine Firma namens DoubleClick zu übernehmen. Damit entsteht eine Datenbank, die weltweit ihresgleichen sucht. Sie setzt sich zusammen aus vielen Hundert Millionen Protokollen: Google und DoubleClick registrieren menschliches Verhalten im Internet und nutzen die Daten, um dort Geschäfte mit Werbung zu machen.

Seit Jahren wächst dieser Markt rasant. Er erreicht momentan ein Volumen von rund 40 Milliarden Dollar weltweit, woran Google einen Anteil von 40 Prozent hat. Genau diese Größe bereitet manchem Beobachter inzwischen Sorgen. »Die lassen sich nicht in die Karten gucken und nicht kontrollieren. Aus Sicht des Datenschutzes ist das eine Katastrophe«, sagt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein.

Na und, könnte denken, wer Google und Werbung im Internet vermeidet. Doch genau an dieser Stelle kommt DoubleClick ins Spiel. Das Unternehmen erfasst früher oder später praktisch jeden Surfer. Denn es ist ein technischer Dienstleister, der sich darauf spezialisiert hat, Werbung im Internet auszuliefern, auf einzelnen Internetseiten zu platzieren und den Erfolg dieser Werbung zu analysieren.

Mit seiner Technik kann das Unternehmen nun erfassen, wenn jemand beispielsweise einen Artikel in einer populären OnlineZeitung auch nur anschaut – sofern DoubleClick daneben eine Werbeanzeige platziert hat. Dann speichert die Firma, von welchem Computer die Abfrage kommt, und sendet ein kleines Hilfsprogramm dorthin, Cookie genannt. Die meisten Nutzer tun nichts dagegen, wissen nicht einmal davon – und sobald das Cookie einmal im Computer sitzt, werden Nutzer auf ihrem weiteren Weg regelrecht verfolgt. Denn das kleine Programm protokolliert, wann und wo ein Nutzer in Sichtkontakt mit einer Anzeige kommt, die von DoubleClick ausgeliefert wurde. Wann immer es kann, sendet es diese Informationen an die zentrale Datenbank von DoubleClick, sodass ein ziemlich umfassendes Bild davon entstehen könnte, was die Nutzer eines Computers im Internet treiben. Bei DoubleClick heißt es derweil, man sammle die Daten nur für seine Werbekunden, und die wiederum könnten nur jene einsehen, die mit ihrer eigenen Werbung zu tun hätten.

Fügte man sie eines Tages jedoch zusammen, könnte man erkennen, wie engmaschig die Reusen sind, die DoubleClick im Internet inzwischen ausgeworfen hat. Zuletzt teilte das Unternehmen immerhin mit, es arbeite für die zehn größten Markenhersteller der Welt, dazu auch für acht der zehn größten Werbeagenturen und acht der zehn populärsten Internetseiten in den Vereinigten Staaten und in Europa. Wer könnte von sich sagen, dass er deren Angebote nie nutzt?

Macht nichts, mag derjenige erwidern, der zielgerichtete Werbung schätzt und auch Textanzeigen von Google nützlich findet.

Doch den meisten ist nicht bewusst, wie groß die Datenbestände von Google inzwischen sind. Wahrgenommen wird der Konzern, der seinen Hauptsitz im US-Bundesstaat Kalifornien hat, vor allem wegen seiner Internet-Suchmaschine. Jeden Monat tippen Menschen mehr als fünf Milliarden Mal ein Wort bei Google ein und erwarten Antworten. Das sind fast siebzig Prozent aller weltweiten Suchanfragen überhaupt. Die dafür notwendige Infrastruktur finanziert der Konzern vor allem durch Werbung, die neben den Suchergebnissen steht und zu ihnen passt.